ICM in der VO „Gesundheitsförderung und Prävention“

Foto-AndreasMein Name ist Andreas Stübler und ich bin seit einem Jahr Dozent am Studiengang Physiotherapie. Davor durfte ich das Team schon seit 2010 als externer Lektor in verschiedenen Bereichen der Lehre unterstützen. Meine Schwerpunkte in der Lehre sind der Bereich Orthopädie und Traumatologie sowie der Bereich Gesundheitsförderung.

Der Themenbereich Gesundheitsförderung wird im 2. Semester des Studiums in zwei Kurzvorlesungen abgehandelt. In der Vorlesung „Gesundheitsförderung und Prävention“ erhalten die Studierenden einen theoretischen Überblick. Die theoretische Vorlesung umfasst 8 Unterrichtseinheiten (0,5 ECTS). Im zweiten Teil sollen die Studierenden in einer praxisorientierten Lehrveranstaltung den Bereich „Gesundheitsförderung und Prävention in der Arbeitsmedizin“ kennenlernen. Ein Schwerpunkt dabei liegt in der Evaluierung von Arbeitsplätzen im Hinblick auf Verhaltens- und Verhältnisunregelmäßigkeiten. Aus den Beobachtungsergebnissen heraus sollen Maßnahmen vorgeschlagen werden, die eine berufliche Tätigkeit unter gesunden Bedingungen ermöglichen soll. Für diese Lehrveranstaltung sind 7 Unterrichtseinheiten vorgesehen (0,5 ECTS).

Die Herausforderung dieser Kurzvorlesung liegt darin, das immer größer werdende theoretische Wissen in kurzer Zeit zu vermitteln und trotzdem genügend Zeit für praktische Erfahrungen und für das praktische Umsetzen zu haben. Die LV Gesundheitsförderung und Prävention in der Arbeitsmedizin schien sich besonders gut für eine Umstellung im Sinne des Inverted Classroom Modells zu eignen.

Zum Zeitpunkt der Planung der Lehrveranstaltung wurde am Landesklinikum St. Pölten gerade das Gesundheitsförderungsprojekt MANUS gestartet. Durch einen Zufall kam ich mit dem Arbeitsmediziner des Landesklinikums in Kontakt und wir haben uns sehr spontan dazu entschieden, ein Projekt auf die Beine zu stellen, in dem die Studierenden der Physiotherapie ihre Expertise in realen arbeitsmedizinischen Begehungen einbringen konnten.

Der Plan war, dass die Studierenden (jeweils 2-3) das Team des Landesklinikums, das aus dem Arbeitsmediziner, einer arbeitsmedizinischen Hilfskraft sowie einer technischen Fachkraft bestand, verstärken und die physiotherapeutische Expertise einbringen sollten. Vor der Begehung wurden die Studierenden im Team über den zu begutachtenden Arbeitsplatz informiert, danach wurden die Ergebnisse zusammengefasst und Verbesserungsvorschläge erarbeitet, die der Krankenhausleitung übermittelt wurden.

Für die theoretische Vorbereitung der Studierenden standen 4 Unterrichtseinheiten zur Verfügung. Ich entschied mich für einen praktisch orientierten Unterricht. Nach einer kurzen theoretischen Einführung zum Thema erhielten die Studierenden den Auftrag in Kleingruppen verschiedene Arbeitssituationen (wurde mittels Fotos vorgestellt) zu beurteilen. Die Ergebnisse wurden in die Gruppe getragen und diskutiert. Danach wurde eine Arbeitssituation gemeinsam beurteilt, die der in der Begehung zu erwarteten Realsituation entsprochen hat. Diese Beurteilung wurde mit Hilfe einer für dieses Projekt entworfenen Checkliste durchgeführt. Danach wurde in einem modifizierten World Cafe häufige berufliche Belastungen und Optimierungsmöglichkeiten im arbeitsmedizinischen Kontext bearbeitet. Als Lernunterlage wurde den Studierenden ein Kurzskriptum sowie ergänzende Fachliteratur zur Verfügung gestellt.

Einige Wochen später erfolgte eine einstündige Einführung durch den Arbeitsmediziner. Diese sollte dem Kennenlernen dienen, die Zielsetzung der gemeinsamen Begehung darstellen und die Scheu vor Diskussionen reduzieren. Der Arbeitsmediziner stellte in dieser Einheit klar, dass er sich über eine aktive Beteiligung der Studierenden freut und zeigte dadurch seine ungeteilte Wertschätzung.

Im Mai und Juni 2014 erfolgten die Begehungen, zu denen sich die Studierenden entsprechend ihres Vorlesungsplans selbständig eingeteilt hatten. Regelmäßige Feedbackkontakte zwischen dem Arbeitsmediziner und mir zeigten, dass die Begehungen problemlos funktionierten und sich die Studierenden sehr intensiv in die Evaluierung der Arbeitsplätze einbrachten.

Die Ergebnisse der Begehungen mussten die Studierenden in einem schriftlichen Befund zusammenfassen und dem LV Leiter abgeben. Die Beurteilung des Befundes floss mit 40% Gewichtung in die Endnote ein. Die verbliebenen zwei Unterrichtseinheiten wurden für die Präsentation und Diskussion der Ergebnisse verwendet. Die Präsentation machte 60% der Beurteilung aus.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Studierenden mit dem Ablauf der Lehrveranstaltung sehr zufrieden waren und es sehr geschätzt haben, ihr Wissen sofort in die Praxis umsetzen zu können. Die Durchführung der Lehrveranstaltung verlangt jedoch eine umfassende Vorbereitung durch den LV Leiter. Da die Zusammenarbeit so gut funktioniert hat, planen wir eine Fortführung dieses Projektes im nächsten Jahr.

Im semesterabschließenden Feedback haben einige wenige Studierende angemerkt, dass sie einen zu großen Arbeitsaufwand wahrgenommen hätten. Ich habe jedoch in meiner Vorbereitung versucht, die zu leistenden Stunden nach dem ECTS Modell zu verplanen. Für 0,5 ECTS sollte ein Workload von 12,5 Vollstunden erfüllt werden. Für die Präsenzphase von 7 UE wurden 5,25 Vollstunden verwendet, die Begehung selbst wurde mit 2 Vollstunden berechnet. Für die Vorbereitung der theoretischen Inhalte und die Einarbeitung auf das Evaluierungsdokument wurden 2,5 Vollstunden veranschlagt. Für das Verfassen des Befundes sowie die Vorbereitung der Schlusspräsentation blieben damit noch 2,75 Vollstunden über.

Für mich persönlich steht fest, dass ich mehrere Vorlesungen nach den Prinzipien des Inverted Classrooms umstellen möchte, um noch mehr Praxis in den Unterricht zu bringen. Das nächste Projekt, mit dem ich im Herbst starten werde, ist die Umgestaltung der Vorlesung „Physiotherapie in der Orthopädie und Traumatologie – Teilbereich Wirbelsäule“. In diesem Fach wird es eine intensive eCampus Begleitung, videounterstütztes und kollaboratives Lernen geben. Ich freue mich auf die nächste Herausforderung und vor allem auf die Unterstützung des SKILLS Teams.

Siehe auch: “Erste Erfahrungen mit videobasierter Lernunterstützung im praktischen Fach Neurodynamische Tests am Studiengang Physiotherapie an der FH St. Pölten”  http://youtu.be/RqOtm2QNpmM 

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Author: Redaktion

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