Serious Gaming und Didaktik als Performance

Ein Beitrag von Dr. Klaus-Dieter Gronwald als Teil der Blogreihe im Vorfeld des 4. Tag der Lehre an der FH St. Pölten am 15.10.15

image001Das Bild oben zeigt Studierende der Wirtschaftsinformatik der Hochschule Luzern im 5. Semester im Kurs „Integrierte Betriebliche Informationssysteme“. Nein, es handelt sich nicht um „Gruppenarbeit“. Die Teams sind die Geschäftsleitungen von 4 im Wettbewerb stehenden Bierproduzenten mit einer vollständigen Supply Chain von Produktion bis zu vier Einzelhandelsgruppen mit jeweils bis zu 11 Produkten. Die Dozierenden haben eine aktive Rolle als Vorstände, an die die einzelnen Teams rapportieren. Sie steuern den Verlauf in formalen GL-Meetings über Geschäftsprozessentscheide. Sie sind nicht aktiv in den Gameverlauf integriert. Sie sind keine Spielleiter, die das Game steuern. Das machen die Teams selber. Der Kursverlauf ist eng an die jeweilige Unternehmensentwicklung gekoppelt und somit dynamisch und ein stochastischer Prozess im Gegensatz zur deterministischen traditionellen „Vorlesung“. Die Dozierenden können das Erreichen von Lernzielen ausschliesslich über die Rolle als Vorstand während der Review Meetings beeinflussen (Didaktik als Performance). Didaktik als Performance steht für ein didaktisches Konzept, bei dem zwar die Ziele fest liegen, jedoch nicht der Weg. Der wird massgeblich durch die Teams bestimmt, bis zu vier pro Kurs mit unterschiedlicher Gruppendynamik. Der Lernstoff wird nicht mehr doziert, sondern im Selbststudium erarbeitet als notwendiger Kompetenzaufbau, um die jeweiligen Gamerunden zu bewältigen; vom Coach zum Sparringspartner.

Das Konzept wurde in den letzten drei Jahren an der Hochschule Luzern und an der Fachhochschule Nordwestschweiz erarbeitet und mit Klassen von 15 – 27 Studierenden erprobt. Daraus resultiert ein im Juni 2015 im Springer Verlag erscheinendes Lehrbuch „Integrierte Business Informationssysteme“, das in Kombination mit der eigens dafür entwickelten Gaming-Plattform www.kdibis.com das kombinierte Curriculum darstellt (das Game zum Buch – das Buch zum Game). Das gesamte Kursprogramm, einschliesslich der Rollenspiele, wird durch die Multiuser-Online-Gaming-Plattform kdibis.com gesteuert. Die Fakten basieren auf realen Marktdaten der im Spiel vorhandenen Länder. Es integriert ein Planungs- und Simulationssystem für ERP, SCM, CRM, BI, Big Data. Das Kursmaterial sowie die Arbeitsergebnisse sind dort abgelegt und können in der Online-Datenbank archiviert werden. Es kann grenzübergreifend gespielt werden und Hochschulen können ihre Semesterprogramme synchronisieren und aktiv miteinander/gegeneinander in Wettbewerb treten.

https://www.youtube.com/watch?v=zTQTDSi6H7c&feature=youtu.be

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Author: Wolfgang Gruber

Gruber Wolfgang (Mag. phil.) , geb. 1979 in Schärding, studierte Geschichte an der Universität Wien. Seine Schlüsselqualifikationen liegen in Globalgeschichte / Game Based Learning/ Simulationen / Rollenspiele und der Hochschuldidaktik. Seit 2009 ist er Universitätslektor an der Universität Wien und an der Universität für Bodenkultur, seit 2012 Trainer für Hochschuldidaktik an der Universität Wien, der Universität Innsbruck und der Fachhochschule Technikum Wien und seit 2012 Mitarbeiter im Service- und Kompetenzzentrum für Innovatives Lehren und Lernen der Fachhochschule St. Pölten.

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