Einige aktuelle Metaanalysen zu inverted / flipped classroom

Als Beitrag zur Vorbereitung / zu den Materialien zur Konferenz Inverted Classroom and beyond an der FH St. Pölten (23. & 24. 2.) habe ich hier einige aktuelle Metaanlyse zusammengefasst sowie mit weiteren Literaturlinks ergänzt: Kommentare und Ergänzungen sind willkommen!

O’Flaherty, J., & Phillips, C. (2015). The use of flipped classrooms in higher education: A scoping review. The Internet and Higher Education, 25, 85–95. http://doi.org/10.1016/j.iheduc.2015.02.002 ist zudem hier online zu finden: https://drive.google.com/file/d/0Bz8cVS8LoO7OSGR6SUlPS3BpRDg/view?usp=sharing

Untersucht wurden 28 Artikel aus fünf Ländern. Für Vorbereitungsaktivitäten wurden für inverted / flipped classroom demnach u. a. podcasts, screencasts, mit Stimmkommentaren ergänzte schriftliche Erklärungen und – auch interaktiv gestaltete – Videos eingesetzt. Weiters Fachliteratur, automatische Feedbacksysteme, Präsentationen und Simulationen. Leider nicht analysiert wurde, inwieweit schon in dieser Phase Assessmentmethoden wie Quizz oder Multiple Choice Tests zum Einsatz kamen.

In Präsenzphasen zum Einsatz kamen u. a. Fallbeispiele mit Präsentationen, verschiedene Formen von Diskussionen und Rollenspiele. Dabei wurden immer wieder auch Smartphones Apps eingesetzt und Tablets auch um formative Assessments (z. B. Quiz) vor Ort umzusetzen. Ebenso häufig waren Methoden wie think, pair and share. Ergänzt wurde dies mit Impulsvorträgen sowohl von Lehrenden als auch von Studierenden.

In den Artikeln wird betont, dass die Zeit für die Erstellung von guten Materialien für die Vorbereitung nicht unterschätzt werden darf, dass aber nach erstmaligen Einsatz dieser Aufwand wieder deutlich sinkt. Betont wird ebenso die Wichtigkeit, bereits eingesetzte Materialien zu evaluieren und nach Möglichkeit wieder einzusetzen. In einigen Universitäten werden Lehrende etwa durch technische und didaktische Assistenz bei der Erstellung von Materialien unterstützt. Hingewiesen wird zudem auf die nötige technische Ausstattung in den Institutionen sowohl zur Produktion als auch zur Präsentation. Bei allen untersuchten Artikeln zeigt sich die Vielfalt an Methoden, die in Vorbereitung- und Präsenzphasen bei ICM zum Einsatz kommen können

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist nach dieser Metaanalyse die Vorbereitung der Studierenden auf die „andere“ Vorgangsweise bzw. deren Begleitung. Gleichzeitig wird berichtet, wie schnell es gehen kann, dass sich Studierende auf ein Lernen umstellen, bei dem sie deutlich mehr an Selbstverantwortung und Selbstorganisation übernehmen, sowie immer wieder selbst Inhalte mit gestalten.

In den untersuchten Artikel wurde auch die Frage der Effekte beleuchtet: Es zeigt sich eine höhere Zufriedenheit der Studierenden mit den betreffenden Lehrveranstaltungen und den aktivierenden Lehrmethoden. Wie auch in anderen Studie zeigt sich, dass die learning outcomes besser sind, auch bei Zwischenevaluierungen. Weiters steigt die Zahl der Studierenden, die die gesamte Lehrveranstaltung besuchen. In qualitativen Interviews positiv angemerkt wurden bessere Möglichkeiten um Kommunikationsfähigkeiten sowie Teamarbeit zu erlernen, sowie das Lehrende Studierende intensiver zu einer aktiveren Mitarbeit und Herangehen an das Lernen motivieren. Weiters wurden positive Effekte festgestellt auf innovatives, kreatives, kritisches und komplexes Denken sowie höhere Problemlösungsfähigkeit. Festgestellt wurde, dass durch das ICM die Weiterentwicklung von Studierenden generell unterstützt sowie Effekte im Feld Empowerment hat. Gefördert wird eigenständiges Lernen und gleichzeitig Zusammenarbeit zwischen Studierenden, die sie hier etwa mit Problemlösungsfähigkeiten einbringen. Noch Forschungsbedarf gibt es in Bezug auf langfristige Effekte durch das ICM.

Rahman A, Mohamed H, Norasykin M, Baharduddin A: The Influences of Flipped Classroom: A Meta analysis. IEEE 6th International Conference on Engineering Education ICEED2014 (Studie als pdf)

Analysiert wird, ob Flipped Classroom auch in anderen Unterrichts-Feldern als Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann. Untersucht wurden 15 Artikel, die sich sowohl mit dem Schul- (4) als auch den Hochschulbereich befassten.

Studierende gaben an, durch die Herangehensweise des flipped classroom sehr profitiert zu haben. Im Vergleich zu „konventioneller Lehre“ – gemeint ist wohl sehr auf Frontalunterricht und passiven Konsum ausgerichtet – werden Hands on- sowie Gruppenaktivitäten und Diskussionen dabei explizit genannt. Durch Vorbereitungsmaterialien und –aufgaben können sich Lehrende stärker auf den Dialog mit Studierenden konzentrieren, wodurch auch Schwierigkeiten beim Lernen schneller sichtbar werden.

Dies alles erhöht sowohl Aufmerksamkeit als auch Beteiligung von Studierenden. Insgesamt steigt die Motivation. Gefördert wird individualisiertes Lernen, bei dem auch schwächere Studierende ihr eigenes Tempo finden und wählen können. Gleichzeitig möglich ist eine Förderung von hochbegabten Lernenden.

Auch in dieser Metaanalysen wird auf das Steigen der Zahl von Studierenden hingewiesen, die den Weg bis zu Prüfungen gehen und diese auch positiv absolvieren.

Technische Hilfsmitteln würden sowohl Lehrende bei Ihrer Tätigkeit helfen, also auch das Verständnis von Studierenden von komplexen Inhalten bzw. den Umgang mit herausfordernden Aufgabenstellungen verbessern. Dabei hilfreich sind gerade auch verschiedene Visualisierungen bei den Vorbereitungsmaterialien.

Hingewiesen wird wieder auf die Bedeutung, dass innovbative Ansätze wie flipped / inverted classroom bei ihren erstmaligen Einsatz gut erklärt werden müssen.

Flipped classroom ist auf kein spezielles Fachgebiet beschränkt und kann in einer sehr großen Vielfalt und Flexibilität eingesetzt werden. Der Ansatz unterstützt, dass auch Studierende, die Phasen von Präsenzzeiten aufgrund von Krankheit versäumen, diese nachholen können.

 

 

Dodds, M. Evidence for the Flipped Classroom in STEM

https://www-users.cs.york.ac.uk/~miked/publications/flipped_classroom.dodds.pdf

Analysiert werden 13 Studien. In allen bis auf zwei werden Verbesserungen der studentischen Leistungen als Ergebnisse festgehalten. Zwei Studien sehen weder eine Verschlechterung als eine Verbesserung auf Ebene der Noten, wobei aber hier andere Parameter nicht untersucht wurden.

Die Studierenden nehmen die Methode sehr positiv auf.

Betont wird auch hier der Zeitaufwand für die Erstellung qualitativer Lernmaterialien. Um sicher zu stellen, dass Vorbereitungsmaterialien genutzt werden, wird der Einsatz von Quizzes und anderen Formen von möglichst unmittelbaren Feedback empfohlen, die gleichzeitig Beiträge zu einer Gesamtbenotung liefern. Studierende kommen besser vorbereitet in Präsenzphasen, damit kann dort dann gemeinsam an stärker herausfordernden Aufgabenstellungen gearbeitet werden.

 

Weitere aktuelle Artikel zum Thema

Hamdan N.,McKnight, P; McKnight, K; Arfstrom K. (2016). A review of flipped learning http://flippedlearning.org/wp-content/uploads/2016/07/LitReview_FlippedLearning.pdf

Bericht zur Einführung in die Lehrveranstaltung „Introduction to Server Environments and Architectures“ an der Murdoch University (2014) Fokus ist hier, wie Videos angenommen wurden; enthalten ist auch ein Blick auf die Literatur http://profiles.murdoch.edu.au/myprofile/david-murray/files/2012/06/Flipped_Learning.pdf

Aroson, N. Flipped learning in Higher Education (2014). Eine Analyse des Flipped Classroom Networls mit Beispielen aus drei Universitäten.

http://www.flippedlearning.org/cms/lib07/VA01923112/Centricity/Domain/41/HigherEdWhitePaper%20FINAL.pdf

Estes, M. & Ingram, R. & Liu J.C. (2014): A Review of Flipped Classroom Research, Practice, and Technologies. Gute Übersicht zur Geschichte des Ansatzes mit einem Blick auf aktuelle Literatur und vielen Hinweisen für die Praxis sowohl im Schul- als auch Hochschulbereich:

https://www.hetl.org/a-review-of-flipped-classroom-research-practice-and-technologies/

 

Review of flipped learning (mit einem Fokus auf den USA-Schulbreich) mit Beispielen, Sicht von Schulverwaltung, Lehrenden, SchülerInnen (2014)

http://flippedlearning.org/cms/lib07/VA01923112/Centricity/Domain/41/Extension%20of%20FLipped%20Learning%20LIt%20Review%20June%202014.pdf

Einige weitere Studien aus den Jahren 2014 und 2015 http://invertedclassroomstudy.g.hmc.edu/home/publications

 

Insights Gained from Analysis of Performance and Participation in a Flipped Classroom (Universitäre Ingenieur Ausbildung) http://www.erpjournal.net/wp-content/uploads/2014/05/ERPV41_Hodkiewicz_2014_Performance-and-Participation-in-a-Flipped-Classroom.pdf enthält ebenso einen Literaturüberblick untersucht wird der Unterschied zwischen Männern und Frauen bzw. auch zwischen Studierenden die vor Ort leben und solchen die von außen kommen.

 

https://cavehill.uwi.edu/CETL/resources/flippedclassroombooklet.aspx aktuelle Sammlung von Artikeln über Rahmenbedingungen, Einsatzszenarien und Vorgangsweisen

Super Literatursammlung von Daniel Lambach mit 119 Quellen

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Author: cfreisleben

FH St. Pölten SKILL / Projekt inverted classroom Berater, Referent, Trainer, Journalist www.cfreisleben.net

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