ICM in einer Lehrveranstaltung zu Printmedien: Intensive Gruppenarbeiten

Ein Erfahrungsbericht von Johanna Grüblbauer, Studiengang Medienmanagement.

ICM auszuprobieren bedurfte erst mal dem Wissen, welche Art von Lehre man darunter versteht und worin nun die Vorteile liegen. Das kann man dank diesem Blog sehr gut und schnell erfahren.

Die zweite Entscheidung war jene, für welche Lehrveranstaltung man diese Methode sinnvollerweise einsetzt. Hier gibt es ja vor dem Hintergrund der didaktischen Methode keine Einschränkungen. Die Entscheidung fiel daher auf eine ILV mit der ich schon lange Zeit vertraut bin: PRINT.

Bedenken meinerseits waren dahingehend gegeben, dass es sich dabei um eine Lehrveranstaltung aus dem ersten Semester handelt. Denn das bedeutet, dass ich ICM-Methoden sehr gezielt einsetzen muss, weil Studierenden – aus meiner Sicht – erst theoretischen Input brauchen. Wobei ich mir schon auch vorstellen kann, dass dieser in Vorbereitungsphasen z. B. durch Videos erfolgt. Da ich die Studierenden vor dieser LV noch nicht kennen gelernt hatte und der Erfolg auch von der sozialen Erfahrung abhängt, wurden die ersten Stunden der Lehrveranstaltung zum „kennenlernen“ als Präsenzveranstaltung durchgeführt, bei der jedoch auf den Dialog besonderer Wert gelegt wurde und auch darauf, gemeinsam die Rahmenbedingungen für die Veranstaltung zu diskutieren.

Gegenüber der Lehrveranstaltung des Vorjahres gleich geblieben ist das Ziel der LV, auch die Lehrmethode war bereits bisher sehr dialogorientiert.

Ziel der LV ist es, dass die AbsolventInnen einen management-orientierten Blick auf Unternehmen der Verlagswirtschaft gewinnen. Dazu werden die wesentlichen Instrumente zur Unternehmensanalyse an Beispielen von Zeitungsverlagen aus Perspektive der Geschäftsmodelle (Business Modell Canvas), der Strategieplanung (Geschäftsberichte) sowie aus der Umsetzung (Kennzahlen-System) eingeführt.

Die Lehrveranstaltung orientiert sich dabei flexibel an dem Status des Medienwandels qua Digitalisierung von Produktion, Bündelung, Vermarktung, Vertrieb, Nutzung/Konsum und regulierungspolitischen Anpassungen.

Die Lehrmethode beschränkt sich nicht auf „Frontalunterricht“, sondern erfolgt vor allem studierendenzentriert: Das jeweils Gelernte wird in Gruppenarbeiten angewendet, konkreter Verlagsbeispiele werden selbständig erarbeitet. Ausgehend von den Inputs recherchieren Studierende selber, publizieren Ergebnisse via WordPress und bewerten diese gegenseitig.

Dabei wird sowohl die Recherche-Fähigkeit durch geeignete Einschulung erweitert und durch die Praxis eingeübt als auch die vorher dargestellten Instrumente des Managements als Analysewerkzeuge angewendet.

Ferner wird gleichzeitig das „Medien-Machen“ eingeübt: In der ILV werden einzelne Gruppen schriftlich und mündlich präsentieren. Basierend auf individuellen Ausarbeitungen wird in der Gruppe Feedback gegeben. Dieses können alle Studierenden nutzen um einerseits den kritischen Umgang mit einschlägigen Themen zu üben und andererseits um eigene Ausarbeitungen kontinuierlich zu verbessern und sukzessive die kumulative Abschlussarbeit zu entwickeln. Die Ergebnisse werden damit sowohl präsentiert auf dem Niveau „Vorstandspräsentation“ als auch multimedial in der ausführlicheren Form als Webpublikation (z. B. WordPress, Google Sites) umgesetzt.

 

 

 

Durch den Einsatz von ICM hat sich folgendes geändert:

Zeitmanagement

  • Den Studierenden wurde am Beginn der LV ein Überblick gegeben, wie viele ECTS die Lehrveranstaltung umfasst, wie viele Stunden davon als Präsenzzeit abgehalten werden und welcher Anteil der selbständigen Erarbeitung zukommt.
  • Dieser Überblick wurde für jede Präsenzeinheit aktualisiert und die bereits geleisteten Stunden wurden „abgebucht“. Für die Gruppenarbeitszeiten wurde dabei der Durchschnitt aller Gruppen angegeben. Die für die Gruppenarbeiten vorgesehene Zeit wurde den Studierenden gemeinsam mit der Aufgabenstellung kommuniziert, damit sie den gewünschten/erwarteten Aufwand daran ausrichten konnten.
  • Somit wurde gleichzeitig auch trainiert, bestimmte Aufgabenstellungen in einem bestimmten Zeitrahmen zu erfüllen und alle Gruppenmitglieder entsprechend in die Lösung der Aufgabe einzubinden. Dennoch wurde der tatsächliche Zeitbedarf zu Beginn jeder Stunde besprochen und ggf. korrigiert.

Organisation der Gruppenarbeiten

  • Multimodale Kommunikation der Aufgaben: in der LV, auf den Folien und am eCampus (aktuelle Aufgabe). Einrichtung der Möglichkeit zur Abgabe am eCampus (mit Deadline 2 Tage vor der nächsten LV und Benachrichtigung an mich, wenn Abgaben erfolgen).
  • Nachfragemöglichkeit zwischen Präsenzterminen. – Antworten für alle sichtbar machen, wenn für Gruppen-Learning hilfreich. Z.B. wenn per Mail eingelangt, zusätzlich über Forum am eCampus kommunizieren. Inputs prompt umsetzen
  • Kleine Gruppen, da die Arbeitspakete sonst in kurzen Intervallen zwischen LV-Terminen nicht zu organisieren sind. Worst case: Keiner fühlt sich zuständig. Ideal und fair: auch weniger die „mitschwimmen“.
  • Aufarbeiten der Inputs der Einreichungen vor der nächsten LV und Integration in allgemeinen Stoff.
  • Gruppenauswahl für Präsentationen orientiert sich an Beitrag zu Learnings für alle Studierenden. Welche Gruppen hier geeignet sind wurde vorab bestimmt aber noch nicht an Studierende kommuniziert, um Aufmerksamkeit hoch zu halten. Feedback erfolgt im Plenum. Wichtig war mir hier widerholt zu betonen, dass Feedback immer die Sache, nicht Personen betrifft. .
  • Sinn der Übung wiederholen (mehrfach).

Benotungsverfahren

  • Meine Erfahrung: Wenn alle sich gegenseitig anhand des Schulnotensystems bewerten, gibt es eine Tendenz zur Mitte (keine sehr positiven, keine sehr negativen Bewertungen), d.h. die Schwankungsbreite ist sehr klein. Besser funktionieren Rankings: Studierende geben also an, welche Beiträge anderer Studierenden am besten gefallen haben und begründen ihre Entscheidung.
  • Für mich bewährt hat sich eine geteilte Benotung, die sich aus einem Gruppen- und Vortragenden-Teil zusammensetzt. Das bedeutet, ich mache mir parallel zu Gruppenbewertungen eigene Notizen. Auch um im Präsenztermin Feedback zu geben, einerseits für die bewertete Gruppe selbst und andererseits damit sich die anderen daran orientieren können.

Mehrwert von Gruppenarbeiten für alle

  • Learnings aus Erkenntnissen anderer – Voraussetzung: es wird kommuniziert, dass Learnings anderer auf eigene Gruppe übertragen werden sollen (Benotungspunkt!).
  • Insgesamt werden durch ICM-Vorgangsweisen auch für den späteren Beruf unerlässliche Kompetenzen wie Selbstwertgefühl, eigenverantwortliches Handeln, Autonomie, die Fähigkeit zur Kooperation bzw. sich gegenseitig konstruktiv Rückmeldung zu geben aufgebaut bzw. gestärkt.
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Author: Redaktion

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