Ein sehr inspirierendes Vorbild zu inverted / flipped classroom

Die Konferenz Inverted Classroom and beyond ist seit dem Vorjahr (siehe diesen Rückblick auf die #icmbeyond16) eine Kooperation zwischen Uni Marburg und FH St. Pölten. Christian F. Freisleben brachte dort einen Workshop in Form einer hybriden Schnitzeljagd zum Thema „Präsenzphasen im ICM“ ein (Ergebnisse siehe hier). Besonders beeindruckt war die Delegation der FH St. Pölten – zu der auch Andreas Stübler (Studiengang Physiotherapie) gehörte sowie von Joe Bucher (PH NIeerösterreich und Mitorganisator der #icmbeyond18 die wieder in St. Pölten stattfinden wird) kongenial ergänzt wurde – von der Keynote von Sebastian Schmidt, dazu einige Eindrücke:

Sebastian Schmidt unterrichtet u. a. Mathematik an einer deutschen Realschule. Inzwischen hat er eine höchstspannende WebSite www.flippedmathe.de (inkl. You-Tube-Kanal)aufgebaut, die nicht nur Einblicke in seine sehr vielfältig Version von flipped / inverted classroom gibt sondern ebenso viele Hintergrundmaterialien und Handlende aus diesem feld innovativer Didaktik zugänglich macht.

Bei seiner Keynote (siehe Folien hier) berichtete er, dass er zuerst versuchte, dass SchülerInnen Erklärvideos in der Schule ansahen, scheiterte aber sowohl am Equipment als auch an mangelhafter Internet-Verbindung. Auch darum begann er die Videos auf YouTube hochzuladen. Diese sollten kurz und bündig (maximal sechs Minuten) sein, der/die Lehrende dazwischen – aber nicht die gesamte Zeit – immer wieder sichtbar. Auf MEBIS einem Moodlesystem finden sich nicht nur die eingebetten Videos sondern für das ganze Semester alle Unterlagen im Überblick u. a. auch Lösungen für alle Aufgaben die zur Selbstkontrolle eingesetzt werden. Auch dies unterstützt individuelles Lernen sowie Transparenz ebenso gegenüber den Eltern.

Eines seiner Ziele ist, dass klassische Hausaufgaben der Vergangenheit angehören. Ganz im Sinne von flipped / inverted classroom bereiten sich SchülerInnen mit den Videos vor – diese gestaltet Sebastian mit Hilfe von h5p immer stärker interaktiv, baut Zwischenabfragen, Quizze sowie Rechnungen in die Videos ein. SchülerInnen können dabei zwischen verschiedenen Lernpfaden auswählen, einen der die Grundlagen enthält und einen der darüber hinaus führt; insgesamt soll auch durch andere Maßnahmen individuelles Lernen gefördert werden-

In den Schulstunden wird dann das Wissen mit Übungsaufgaben in ganz klassischen Schulheften vertieft oder Sebastian geht auf Fragen ein. Wobei auch das Prinzip des „Lernen durch Lehrens“ eingesetzt wird: SchülerInnen erklären einander Aufgaben, helfen sich bei Schwierigkeiten. Dieses Peer Tutoring ist ein fixes Element und einer der Aspekte, die ebenso im Hochschulbereich wichtig und umsetzbar wären.

Sebastian setzt nicht nur auf Methodenvielfalt in der Vorbereitung, sondern auch in der Präsenzphase. So setzt er z. B. Kahoot ein oder das Prinzip des aktiven Plenums – Smartphones sind dabei selbstverständliche Lernbegleiter. Umgesetzt wird zudem forschendes Lernen, u. a. in dem Fragestellungen auch selbst von den SchülerInnen entwickelt werden. Insgesamt geht es darum, – wiederum auch für den Hochschulbereich sehr wichtig – Verantwortung an Lernende zu übergeben, wobei dies, wie er betont ein gemeinsamer Lernprozess ist. In Zukunft müsse das noch stärker darauf hinauflaufen, dass sich Lernende Pläne für den zu erwerbenden Stoff mit entsprechender Unterstützung selbst entwickeln. Schon jetzt beobachtet Sebastian, dass SchülerInnen deutlich weniger Angst vor dem Mathematikunterricht haben und sich auch die Notenleistungen verbessern – Effekte die sich ja sowohl in Schule als auch Hochschule auch in anderen Varianten von flipped / inverted classroom zeigen können.

Insgesamt bedeutet dies auch, dass sich die Rolle des/der Lehrenden noch stärker in Richtung Begleitung, Ermöglichung, in schwierigen Zeiten Helfende/r entwickelt. Der Unterricht wird salso nicht nur durch den Einsatz von noch so gut gemachten, interaktiven Videos besser – es braucht ein didaktisches Gesamtkonzept, das stark auf Selbstermächtigung ausgerichtet ist. Wobei Sebastian betont, dass es wichtig ist, sich als Lehrperson egal in welcher Institution andere zu suchen, die ebenso mit diesen Ansätzen arbeiten, um einander zu unterstützen sowie von Erfahrungen gegenseitig zu profitieren.

 

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Author: cfreisleben

FH St. Pölten SKILL / Projekt inverted classroom Berater, Referent, Trainer, Journalist www.cfreisleben.net

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