Spannender und vielfältiger „Tag der Lehre“ an der FH Kärnten

Christian F. Freisleben vom SKILL Team konnte die FH St. Pölten beim zweiten Tag der Lehre der FH Kärnten am Standort Villach vertreten. Der Tag war sehr kompetent und vielfältig von der neuen Leiterin des Didaktikzentrums, Dr. Monika Heinrich vorbereitet worden. C. F. Freisleben brachte einen mit über 25 Teilnehmenden sehr gut besuchten Workshop zum Inverted Classroom Modell ein und wie dieses in allen Fächer n sowie Lehrveranstaltungsformaten umgesetzt werden kann.

In seiner Keynote wies FH Prof. Dr. Michael Auer (Vize Rektor & Professor für Elektrotechnik an der FH Kärnten) zunächst auf die 4. Industrielle Revolution hin, die von Begriffen geprägt ist wie Virtual und augmented reality, Robotik, Arbeiten mit mobilen Endgeräten, Internet der Dinge, Big Data sowie Artificial Intelligence (siehe dazu diesen englischsprachigen Blogtext, diese ausführliche Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung, und eine kritische Analyse des IT-Branchenmagazins t3n). Umgelegt auf die Bildung ist das für Auer die Entwicklung von Buchdruck (1.0; Mitte 15. Jahrhundert), der Schiefertafel für Bildungsräume (bis zu einem gewissen Grad auch kollaborativ einsetzbar; 2.0; 1814; wobei es Quellen gibt (siehe z. B. hier), die ähnliche Konzepte schon im 16. Jahrhundert entdeckten), das Internet (3.0; 1993) und eben die „Digitalisierung 4.0“.

Dies würde auch vielfache Herausforderungen an die Bildungsangebote einer Fachhochschule oder Universität stellen. An erster Stelle sollte aus Auers Sicht dabei das „Primat der Lehre“ stehen, denn nur über ein attraktives zeitgemäßes Studienangebot das eben auch Antworten auf „4.0“ bietet bzw. auf diese Lebensrealität vorbereitet würde auch ausreichend Studierende anziehen. In diesem Zusammenhang betont er, dass es viele Berufe, die es heute gibt, noch vor 10 Jahren nicht gab und sich auch in vielen anderen gesellschaftlichen Feldern die exponentielle Zunahme von Wissen deutlich zeige. Das bedeutet auch: Wissen, dass am Beginn eines Studiums erworben wird, kann am Ende, also vier Jahre später, schon wieder veraltet sein. Dies müsste auch Konsequenzen auf eine flexiblere Gestaltung von Curricula haben, fordert Auer. Denn ein Studium müsse Menschen auch auf Jobs vorbereiten, die es so noch nicht gibt, auf Technologien, die gerade erst entwickelt werden, und auf Probleme, die als solche aktuell nicht als solche bezeichnet werden.

Gefragt ist für Auer ein lernen das geprägt ist von Aspekten bzw. Kompetenzen wie kritisches sowie vernetztes Denken, selbstorganisiertes Lernen / Weiterbilden, und Wissen darüber wie Wissen gefunden, strukturiert, bewertet und angewendet werden kann (also ganz im Sinne des Konnektivismus; siehe dazu diesen Blogtext als Hintergrund). In diesem Zusammenhang betonte Auer die Potentiale und hohe Relevanz für die Hochschullehre von innovativen didaktischen Modellen wie dem Inverted Classroom Modell. Nötig sei jedenfalls vom Denken und Handeln in 90-Minuten-Einheiten wegzukommen, sondern individualisiertes Lernen auch mit innovativen und interaktiven E-Learbing-Tools zu unterstützen.

Wobei Auer betont, dass zeitgemäße Didaktik auch entsprechende Ressourcen braucht, also finanzielle und personelle Mittel, attraktive Weiterbildung, gemeinsame und institutionalisierte (Weiter)Entwicklung von Lernformen. So müsste Lehrende auch immer wieder freigestellt werden, um eben Lehre weiter zu entwickeln. Finanzielle Mittel für solche Ansätze könnten und müssten auch aus Forschungsgeldern bzw. Kooperationen mit der Wirtschaft kommen. Weiters wichtig seien (inter)nationale Kooperationen von Hochschulen.

Einen Zukunftstrend sieht Auer zuletzt im Ausbau von Weiterbildungsangeboten für Berufstätige sowie AbsolventInnen.

Auch Dr. Judson Harward (mehr) bezog sich in seinem Vortrag auf die 4. Industrielle Revolution und betonte, dass diese noch viel zuwenig den Alltag von Lehren und Lernen prägen würde. Bildung sollte aus seiner Sicht geprägt sein von:

  • Lernendenzentrierung
  • Kompetenzorientierung (auch in Bezug auf die Gestaltung von praxisnahen Prüfungssituationen)
  • Orientierung an rasch ändernden Lebensrealitäten sowohl von Lernenden als auch Lehrenden
  • Kooperationen zwischen Studienrichtungen und Hochschulen
  • Einer Weiterentwicklung (digitaler) Bildungstechnologien, an der Mitarbeitende, Lehrende und Studierende aktiv / partizipativ beteiligt sind
  • Einsatz von E-Portfolios, um Leistungen vor und während dem Studium gut und strukturiert darzustellen
  • Studierende bekommen einen kostenlosen Cloud-Account

Ein belebender Bestandteil des „Tag der Lehre“ waren neben den vier Workshops eine weitere Inputsession. In seinem Input betonte Marvin Hoffland (Lehrender für Englisch an der FH Kärnten), dass Moodle an der FH Kärnten immer intensiver genutzt würde, es aber nicht nur um die Zahl der angelegten Kurse gehen dürfte, sondern, wie diese gestaltet sind. Hoffland plädierte auch hier für Material- und Methodenvielfalt, u. a. auch eine Nutzung von Clouddiensten (die FH Kärnten nutzt sowohl One Drive als auch Dropbox bzw. empfiehlt die Nutzung von Wiki-Strukturen oder Diensten wie http://www.opensourcephysics.org/), das Einbetten von Links zu Materialien die u. a. erstellt werden mit prezi, slideshare sowie verfügbar sind auf youtube oder wikimedia sowie das Nutzen FH-Eigener Dienste wie Adobe Connect, eine Plagiatssoftware oder eine StudierendenApp die mit Moodle verknüpft ist. Hoffland wies auch darauf hin, dass Moodle immer stärker mit mobilden Endgeräten genutzt wird und sich auch der Content der dort angeboten wird diesen Bedürfnissen noch stärker anpassen müsste.

Dr. Elke Höfler (ua nebenberuflich Lehrende an der FH Kärnten und Bloggerin sowie bildungspunk) unterstrich den Wert des Smartphones als Kulturzugangsgerät, womit auch die Bedeutung von Microlearing als ein Gestaltungsinstrument an Bedeutung gewinnen müsste, was auch Wünschen vieler Studierender entspräche. Ein wesentliches Potential von E-Learing ist auch für Sie Kollaboration, das gemeinsame Arbeiten mit / von Studierenden an verschiedensten Dateien – so würde auch unterstützt, dass Lernende viel stärker zu aktiven Mitgestaltenden / Mitverantwortlichen für Lehre werden. Sie sieht zudem große Potentiale in der Nutzung von Formaten wie flipped / inverted classroom sowie der stärkeren Einbeziehung sowie ebenso der Mitgestaltung von MOOCs. Wichtig wäre zudem eine Politik des bewussten Einsatzes von Offenen Bildungsressourcen sowie einer Forcierung einer open access Strategien an den heimischen Hochschulen.

Dr. Monika Heinrich stellte die spannende Angebotsvielfalt des von ihr geleiteten Didaktikzentrums der FH Kärnten vor, wo sich viele spannende Parallelen zu den Angeboten von SKILL an der FH St. Pölten zeigten. Auch dort gibt es ein Weiterbildungsprogramm, Coaching, das Angebot zur Hospitation sowie Unterstützung bei Lehrdesigns (hier die Präsentationsfolien).

Nach einem interessanten Erfahrungsaustausch für die verschiedenen Departments der FH Kärnten zu Chancen (und Risiken) der Digitalisierung (Danke für das dabei-sein dürfen!) folgte noch ein sehr interessanter Abschluss, bei der Arbeitgeber Wünsche an die FH als Bildungseinrichtung formulierten. Gefragt sind demnach Kompetenzen wie

  • Vernetztes sowie analytisches Denken & Handeln
  • Fähigkeit zur Kooperation (auch über kulturelle / soziale Grenzen hinweg)
  • Schnelles Treffen von Entscheidungen
  • Flexibilität & Agilität
  • Kreativität
  • Netzwerken
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit bzw. Verstehen, Eingehen können und Abholen der unterschiedlichen „Fachwalten“
  • Bereitschaft und Fähigkeit zum (selbstständigen) (Weiter)Lernen
  • Aktuelles Technisches Verständnis (auch im Gesundheitsbereich)
  • Digitale Kompetenz / digital literacy
  • Freude an Innovation & Weiterentwicklung
  • Feedback geben können
  • Soziale Kompetenz & Empathie
  • Fähigkeit zum Selbstmanagement / Selbstverantwortung

Thematisch genannt wurde zudem das wichtige Feld des generationengerechten Arbeitens, auch hier könnten mehr Inputs und Fachexpertise on FHs kommen.

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Author: cfreisleben

FH St. Pölten SKILL / Projekt inverted classroom Berater, Referent, Trainer, Journalist www.cfreisleben.net

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