Einführung in die Informatik mit Inverted Classroom

Ein Beitrag von Dr. Wolgang Aigner, FH Dozent (Department Medien und Digitale Technologien), Institutsleiter Institut für Creative\Media/Technologies:

Ich habe bei der Lehrveranstaltung „Einführung in die Informatik“ im Studiengang Bachelor Medientechnik im 1. Semester mit Ansätzen aus dem Inverted Classroom Modell gearbeitet. Diese hat 1 ECTS und 140 Teilnehmende. Ein wichtiges Ziel ist, dass alle auf den gleichen Wissensstand kommen – die Studierende haben sehr unterschiedliche Vorerfahrungen. Thematisch geht es um die historische Entwicklung der Informatik, Binärsysteme, die Kodierung von Bild- und Textdateien, Algorithmen und Datenstrukturen, Rechnerarchitektur, Betriebssysteme u.v.m. sowie diverse Rechenbeispiele.

Im ecampus habe ich den Workload – gesamt also 25 Stunden – aufgeschlüsselt und erklärt, wieviel davon auf die Vorlesungseinheiten fällt. Für das Selbststudium, habe ich in Bezug auf Vorbereitungen ungefähr zwei Stunden pro Termin kalkuliert. Dazu kamen Informationen zum genauen Ablauf der Lehrveranstaltung. Es gibt eine Hauptliteratur (Magenheim: Informatik macchiato; kompakt, einfache Sprache), welche unterstützend die Themen der LV abbildet. Weiters Vorbereitungsunterlagen für die Präsenztermine: Das waren meist Kapitel aus dem Buch. Ich bin erfreut, dass diese Informationen so klar waren, dass es kaum Rückfragen gab, wobei ich schon in der ersten Einheit auch darauf hingewiesen habe, dass ich nicht „vorne stehe und euch bespaße und ihr lehnt euch zurück und lasst euch berieseln, sondern dass ich euch begleite und die Dinge erkläre“. Wichtig ist also das selbstständige Tun.

Die Prüfung bestand aus praktischen Aufgaben. Insgesamt gab es sieben Teilprüfungen – in jeder Einheit wurde ein Teil absolviert. Die Präsenzveranstaltungen bestanden jeweils aus drei Phasen: Im letzten Drittel einer Einheit gab ich eine kurze Einführung in ein neues Thema – z.B. „Datenstrukturen“. Zwischen dieser und der nachfolgenden Einheit sind dann bestimmte Unterlagen – meistens Buchkapitel – durchzuarbeiten. Beim nächsten Termin ist das erste Drittel reserviert für Fragen und Feedback – aufgefallen ist mir, dass dieses auf einem vergleichsweise höheren Niveau mit spezifischeren Fragen ablief was sicher auf die Vorbereitungsmaterialien zurückzuführen ist. Da hatte ich ursprünglich auch die Idee für eine Quizrunde (z.B. Kahoot), wo der Inhalt noch einmal abgefragt wurde und bei Unklarheiten habe ich dann bestimmte Dinge nochmal erklärt. Das hat sich aber gewandelt hin in Richtung Übungsbeispiele, da im zweiten Drittel der Einheit praktische Aufgaben auf dem ecampus zu lösen sind. Die Durchführung der praktischen Aufgaben war als open-book Format konzipiert, wo die Studierenden jede Art von Hilfsmittel (Bücher, Unterlagen, Internet, KollegInnen, etc.) benutzen durften. Bei einer weiteren Umsetzung werde ich die Übungsbeispiele von Anfang an bereitstellen. Diese Beispiele habe ich auch am eCampus angelegt – so konnten die Studierenden die Beispiele sooft sie wollen durchmachen. Auch bei diesen Übungsbeispielen habe ich wahrgenommen, dass komplexeres Denken in einer sehr frühen Phase des Studiums gut gefördert wird. Insgesamt waren aus meiner Sicht die learning outcomes besser, was sich auch in etwas besseren Noten widerspiegelte. Beim inverted classroom geht es vor allem darum, das Gelernte auch anzuwenden. Das hat den Studierenden auch geholfen. Bei der Feedback-Runde im letzten Termin kam das Format auch sehr gut an.

Früher war in dieser Lehrveranstaltung nur ein kleiner Teil der Studierenden aktiv und hat Fragen gestellt, weil es sie interessiert hat. Ansonsten war es halt diese klassische Vorlesung – ich rede vorne über lange Strecken. Die Leute, die dann irgendwann ausgestiegen sind, gab es natürlich auch. Das war jetzt viel besser! Die Aufmerksamkeit und Beteiligung war sehr gut.

Aufgefallen ist mir, dass bei einigen Terminen im letzten Drittel der Lehrveranstaltung die Luft etwas draußen war. Ich möchte in der Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung in dieser Phase Worksheets einsetzen, damit es auch beim Input zu mehr Aktivität kommt. Weiters möchte ich den Einsatz von Kahoot in dieser Phase austesten, wobei ich auch Paper Based Varianten vom Audience Response – Prinzip einsetzen will, um technische Schwierigkeiten durch eine Überlastung des W-Lan Netzes zu vermeiden.

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Author: Redaktion

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