Soziale Kompetenzen: Bildung, Innovation, Veränderung

Christian F. Freisleben (SKILL) berichtet vom 11. Forschungsforum des FHK:

Sehr spannend war dort zunächst eine Keynote von Antonio Loprieno (mehr) Er verwies zunächst auf einen Wandel vom Primat der Lehre zum Primat der Forschung (siehe diese Folie), das nun sehr eng mit Qualität an Hochschulen verwoben ist. (Fach)Hochschulen würden sich zudem in einen ständigen Balanceakt zwischen Verständnis und Anwendung bewegen (Bild). Ein Zukunftstrend wäre, dass (Fach)Hochschule und Wirtschaft neue Kooperationsmodelle suchen müssten (Bild) bzw. und hier kommt an diesem Tag auch das Thema Soziale Kompetenz stark ins Spiel, (Fach)Hochschulen eine gesellschaftliche Verantwortung tragen, sich gesellschaftspolitisch engagieren und positionieren müssten, Stellung zu den Themen und Herausforderungen dieser Zeit beziehen sowie gemeinsam in möglichst breit aufgestellten Netzwerken Handlungsoptionen für eine Welt entwickeln, die für  möglichst alle die Bezeichnung lebenswert verdient. (Hinweis: Um diese Themen geht es auch im Deeper Learning, im vertiefenden Lernen, dem Themenschwerpunkt des „Tag der Lehre 2017“ der FH St. Pölten (19.10.), bei dem wir uns auch mit der gesellschaftlichen Verantwortung von (Hochschul)Bildung beschäftigen werden, die Anmeldung ist bereits kostenlos möglich!). Loprieno kritisiert, dass es in Bezug auf Forschung in den letzten Jahren zu einem Verlust an Offenheit und Öffentlichkeit gekommen sein; Forschung müsse im wahrsten Sinn des Wortes lebensnah / lebensnäher sein. Weiters wies er darauf hin, dass es in der (Fach)Hochschule auch didaktische Weiterentwicklungen braucht, weil eben Wissen wesentlich einfacher verfügbar ist und Bildung deutlich mehr sein muss als die „auktoriale Deutungshoheit“ (allwissend und gleichzeitig distanziert) von Lehrende – gefragt sei die Begleitung von Lernenden, die Stärkung ihrer Kompetenzen, mit Informationen verantwortungs- und selbstbewusst umzugehen bzw. selbst zum/zur InformationsproduzentIn zu werden.

Ich durfte beim Forschungsforum das Design einer Lehrveranstaltung im Bereich Sozialpädagogik vorstellen, die ich gemeinsam mit Drin. Michaela Moser entwickeln und umsetzen durfte (mehr). Wir waren damit Teil eines sehr gut designten Panels Social Competence in Action (Chair: Roland Schuster (FH des bfi Wien)/ Co-Chair: Hubert Lobnig (Lemon Consulting); Übersicht zu allen Beiträgen des Panels):

Im ersten Teil stellten sich die vielfältigen Beitragenden kurz vor, daran anschließend wurden die mitgebrachten Poster vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Weiters wurde dann in Kleingruppen über die Bedeutung von Sozialkompetenz in der Fachhochschule diskutiert und die Ergebnisse in einem kurzen Plenum vorgestellt.

Gefragt wurde u. a., welche Rolle soziale Kompetenzen in Bezug auf Innovation bzw. in einer Fachhochschule spielen. Einige Erkenntnisse aus den Kleingruppenarbeiten:

  • Innovation UND soziale Kompetenz hat immer etwas mit dem Zusammenspiel, der Zusammenarbeit von verschiedenen Personen zu tun. Diese kommen – und hier ist für Fachhochschulen sicher noch ein wichtiges Weiterentwicklungsfeld – aus unterschiedlichsten Disziplinen, Erfahrungs- und Lebenswelten, wenden sehr verschiedene Methoden an. Sie sind oft stark geprägt von ihren Herkünften u. a. in der Haltung, den Denk- und Arbeitsweisen, den Überzeugungen von „gut & richtig / wichtig“. Kollaboration ist also ein wunderschönes Wort, braucht aber auch Begegnungszeiten und –räume, Unterstützung, institutionelle Verankerung; braucht also auch finanzielle und personelle Ressourcen.
    • Sozialkompetenz betrifft alle in einer (Fach)Hochschule, braucht Co Creation von Lehrenden, Forschenden, „sonstigen“ MitarbeiterInnen (Notiz an mich selbst: wir brauchen da einen vernüftigere Bezeichnung!), Studierenden, Praktikums- & ArbeitgeberInnen, Politik…
    • Sozialkompetenz ist ein wichtiges Handlungsfeld von Leadership
    • Sozialkompetenz braucht Weiterbildung, Intervision, Supervision…
  • Soziale Kompetenzen (Anm. und Lernen / Bildung insgesamt) braucht (deutlich mehr) Körperorientierung. Lernen und Forschen hört oft beim Hals auf, gefragt ist ein Denken und Handeln das von embodiment, von Verkörperung in einem umfassenden Sinn geprägt ist. Auch das ist kein Zufall und – noch eine Anmerkung – gerade Ansätze / Methoden aus der Angewandten Improvisation können hier sehr hilfreich sein.
  • Unternehmen erwarten sich neben der Fähigkeit zur Zusammenarbeit, zum vernetzten Denken und Handeln, Kreativität und Handlungsoptionen für den Umgang mit dem Unerwarteten ebenso die Fähigkeit zur (Selbst)Reflexion – ein zentraler Aspekt von sozialer Kompetenz, zu der auch das bewusste Wahrnehmen und Einsetzen eigener Kompetenzen gehört sowie die achtsame Begegnung mit anderen und Verbindung mit deren Fähigkeiten. Wobei dies gleichzeitig Kompetenzen sind, die im wahrsten Sinn auch neben dem Beruf lebensnotwendig sind in einer hochkomplexen, vernetzen Welt.
  • (Fach)Hochschule darf, kann und soll auch ein Raum sein, wo es nicht nur um ökonomische Aspekte geht; wobei gleichzeitig Ökonomie und Sozialkompetenz untrennbar verbunden sind
  • Sozialkompetenz heißt gleichzeitig Räume & Zeiten für Diversität – hier geht es um mehr als um Herkunft, um „Behinderung“, um Sprache, um Kulturen – Vielfalt ist vielfältig. (In der Diskussion wurde dazu auch erwähnt, dass daher Barrierefreiheit ein weit breiteres Feld ist, als es aktuell oft gehandelt / praktiziert wird!).
  • Sozialkompetenz ist auch ein Aspekt von Digital Literacy – mehrere Anwesenden berichten von Gruppen, die online zusammenarbeiten oder auch von Arbeitsfeldern, wo das immer mehr gefragt ist – das gute & konstruktive Miteinander dort ist ebensowenig ein Zufall braucht u. a. gute E-Moderation
  • Sozialkompetenz ist mehr als das „Abhaken“ einzelner Lehrveranstaltungen, ist ein ganz wesentlicher, unverzichtbarer Aspekt von Kompetenzorientierung, die eben aus mehreren Dimensionen besteht
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Author: Redaktion

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