Rückblick Tag der Lehre FH OÖ (Linz)

Am 23. Mai nahm Christian F. Freisleben beim 5. Tag der Lehre der FH Oberösterreich in Linz teil. Dazu der folgende Rückblick:

  • Diversität bei Studierenden – ein Thema mit Nachholbedarf (zu einer Keynote mit Prof. Dr. Marianne Merkt)
  • Inverted Classroom anderswo, Einblicke in Beispiele u. a. der FH OÖ sowie Hinweis auf eine sehr hilfreiche Plattform aus einem Erasmus+ Projekt sowie Moodle als Instrument für Peer Assement am Weg zu Bachelor- und MAsterarbeiten
  • Lernräume: Flexibel & hybrid – Christian F. Freisleben gestaltete mit Dorá Rebeka Kertesz einen auch methodisch (Einsatz von Rich Pictures) spannenden und ertragreichen Workshop
  • Spielerisch einfach Diskussionen anregen – ein anregender Methodenworkshop

 

Diversität (k)ein Thema?
Prof. Dr. Marianne Merkt (Hochschule Magedburg / Stendal sowie erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik) startete mit dem markanten Satz „Lehren ist dazu da, das Studieren zum Gelingen zu bringen“. Sie wies darauf hin, dass es in den letzten Jahren zu einer Erhöhung der Akademisierung gekommen ist: fast 50% eines Geburtenjahrgangs studiert (Hintergründe: Erhebung des Deutschen Studentenwerks (2013), Daten aus Österreich (2013/14) sowie hier (bis 2016). Eine heikle Zeit ist vor allem die Studieneingangsphase, in der die Rate der Studierenden, die das Studium abbrechen besonders hoch ist. Studierende erleben in dieser Phase auch starke Lebensveränderungen u. a. durch neue Lebensorte sowie Formen dort mit anderen zu leben BZW: Gleichzeitig den Kontakt zur Herkunftsfamilie zu halten, bürokratische Herausforderungen u. a. bei Themen wie Sozialversicherung, Finanzierung der Eigenständigkeit durch Nebenjobs – auch dabei stellen sich viele formale Herausforderungen sowie das Thema der Vereinbarkeit mit dem Studienerfolg. Letzterer, so Merkt, könne sich keinesfalls alleine an Abschlussnoten und Abschlusszeugnissen festmachen lassen, überfachliche Kompetenzen gewinnen immer stärker an Bedeutung. Als wichtigen Aspekt nennt sie dazu Citizenship (=„BürgerInnenschaft“ „eine in einer Gesellschaft lebende und daran partizipierende Person“ Quelle), also u. a. das Übernehmen von (Mit)Verantwortung für Rahmenbedingungen und Abläufe sowohl auf lokaler als auch globaler Ebene (Hinweis: Es geht also insgesamt um deeper learning, was auch Thema des Tag der Lehre an der FH St, Pölten am 19. 10. Sein wird – kostenlose Anmeldung ist schon möglich!).

Merkt betont, dass persönliche Lebensbedingungen wie etwa Herkunft oder Bildungsstatus der Familie alleine nicht den Studienerfolg bestimmen aber „es gibt Rahmenbedingungen, welche die Integration im Studium begünstigen oder erschweren“. Sowohl aus der Perspektive der immer wichtigeren Kompetenzorientierung ganzer Studiengänge als auch als Antwort auf Potentiale und Herausforderungen von sehr vielfältigen „Herkünften“ von Studierenden ist für Merkt die intensive Auseinandersetzung damit wichtig, was Studierende an eine Hochschule mitbringen und welche Form von Unterstützung sie dort benötigen.

Sehr aufschlussreich dazu sind Ergebnisse des QUEST Diversity Reports (2013). Identifiziert werden darin acht Gruppen von Studierenden (siehe hier bzw. Visualisierung der Verteilung dieser „Typen“). Wichtig ist, diese Vielfalt sowohl bewusst wahrzunehmen, als auch ernst zu nehmen und u. a. Maßnahmen umzusetzen wie Brückenkurse, Begleitungsangebote in der Studieneingangsphase, Systeme an Tutoring und Mentoring sowie wie schon angesprochen eine insgesamt kompetenz- sowie berufsorientierte und damit lebensnahe Ausrichtung der Lehre. Ein wesentlicher Aspekt ist zudem digital literacy, also die Begleitung und Förderung bei der Nutzung von digitalen Werkzeugen und Kommunikationsmethoden, die keineswegs als selbstverständliche Kompetenz vorausgesetzt werden kann bzw. gleichzeitig auch am Arbeitsmarkt eine immer größere Bedeutung spielt.

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Inverted Classroom anderswo
Gewisse Elemente aus dem Konzept des Inverted Classroom Modells wurden schon von Wolfgang Hochleitner, MSc eingebracht, der den aktuellen Teaching Award der FH OÖ erwerben konnte. Er verwies auf die Möglichkeiten von Live-Online Werkzeugen (wie z. B. Skype, Adobe Connect oder ZOOM – damit ist es u. a. möglich ExpertInnen aus der ganzen Welt in die Lehre einfach einzubinden sowie hat sich schon vielfach das Konzept der digitalen Sprechstunde bewährt) sowie von Audience Response Systemen (z. B. kahoot, socrative oder pingo; also Systeme bei denen Studierende live auf von Lehrenden (oder anderen Studierenden) gestellten Fragen mittels Smartphone / Tablet antworten können) für die Lehre.

Thomas Schöftner (PH der Diözese Linz) und Gerold Wagner (FH OÖ) setzen beide seit einiger Zeit Herangehensweisen aus dem Inverted Classroom Modell in ihrer Lehre ein. Ihre Erfahrungen sind großteils sehr positiv. Betont wurden v. a. die Potentiale, die sich für die vielfältige, dialogorientierte und stärker praxisnahe Gestaltung von Präsenzphase ergeben: Diese sind nicht länger alleine von Vorträgen, sondern viel stärker von Vertiefung, Anwendung, Übung, Interaktion gekennzeichnet, bei der ebenso wichtige Schlüsselkompetenzen gefördert werden. Ein wesentlicher Aspekt ist die Stärkung der Eigenverantwortung von Lernenden, die im Unterreicht verschiedenste Rollen übernehmen, auch jene des Beurteilens von KollegInnen ausgehend von gut entwickelten Kriterienkatalogen. Betont wurde auch das „Lernen am Weg“, also das Einsetzen von Arbeitsaufträgen, die mit Vorbereitungsmaterialien verwoben sind und die den Weg zur Gesamtnote in kleinen, überschaubaren Schritten ermöglichen. Gerold Wagner berichtete von einer besonderen Form von Vorbereitungsmaterialien: mp3-Dateien, die Studierende am / von Weg der Hochschule im Autoradio oder via Smartphone hören. Weiters setzt er Live-Online Tools für virtuelle Sprechstunden ein. Ein großes Anliegen ist ihm Praxisnähe durch realistische Materialien und Übungsbeispiele.

Beim Tag der Lehre stellte Prof. (FH) Dr. Petra Hauptfeld das Erasmus+ Projekt „academic writing online“ (http://awo.academy/de/) vor: Ein Online-Kurs zum wissenschaftlichen Arbeiten / Schreiben. Dieser enthält sowohl ausführliche Texte, Videos, als auch damit verbundene Aufgabenstellungen – der Zugang ist kostenlos; also ein optimales Material, um den Weg zu Bachelor- und Masterarbeiten stärker am ICM auszurichten. Zum Einsatz kamen Elemente des Kurses bereits in einer Lehrveranstaltung von Thomas Felberbauer (BA Smart Engineering) und hat sich dort bewährt.

Beim Tag der Lehre verwies Dr. Julia Dohr (FH Wien der WKW) auf die Potentiale der Moodle-Aktivität „Gegenseitige Beurteilung“ (auch als „Workshop“) bekannt: Studierende geben sich in verschiedenen Phase des Weges zu Bachelor- und Masterarbeiten Rückmeldungen, womit sich die Qualität der Arbeiten deutlich verbessert, sowie der Korrektur- und Arbeitsaufwand von Lehrenden geringer ausfällt. Eine Umsetzung von Peer Assessment, das generell für das ICM eine große Bedeutung hat.

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Lernräume: Flexibel & hybrid

DI Dóra Rebeka Kertész (FH Wr. Neustadt) & Mag. Christian F. Freisleben (SKILL, FH St. Pölten) beschäftigen sich beide schon länger mit der Frage wie innovative Lernkonzepte durch die Gestaltung entsprechender Lernräume unterstützt werden können. (Details siehe dazu diesen Beitrag für den Abstractband; eine längere Version folgt bis Ende Juni). Auf sehr positiven Widerhall stieß so etwa die partizipative Vorgangsweise an der FH St. Pölten auf dem Weg zum „FH Campus der Zukunft“ (siehe diesen Beitrag zum Tag der Lehre 2016 als Hintergrund und diesen Beitrag, der rund um die #gmw16 entstand.

Spannend war bei dem Workshop auch das didaktische Design: Kertész und Freisleben luden zunächst dazu ein, den Raum wie er anfangs war wahrzunehmen (U-Form, eingeschränkte Sichtmöglichkeiten für bestimmte Teilnehmende zur Präsentation, sehr wenig Optionen zur Interaktion. Nach einem bewussten Platzwechsel, der Fragestellung „was und wen sehe ich von hier“ wurde der Raum dann in sehr kurzer Zeit (< 2 Minuten) in ein Workshopsetting mit vier Tischen umgebaut. Dort haben wir dann weitere Bilder gezeigt sowie dann die Teilnehmenden dazu eingeladen, ein „Rich Picture“ (siehe diese Beschreibung) zu gestalten. Die Ergebnisse waren sehr vielfältig und spiegeln Wünsche / Bedürfnisse wider, die sowohl in der FH St. Pölten als auch der FH Wr. Neustadt immer wieder Thema sind.

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Spielerisch einfach Diskussionen anregen

Mag. Sarah Funk und Dr. Kathrin Unterleitner sind beim Science Center tätig, das „AkteurInnen aus unterschiedlichsten Disziplinen fächerübergreifend zusammenfasst, um Menschen aller Altersstufen einen unbefangenen Zugang zu (Natur-)Wissenschaften und Technik zu ermöglichen“. Einer der PartnerInnen ist neben anderen Hochschulen die FH St. Pölten.

Vorgestellt wurden Diskussionsspiele, die sehr gut und lebendig den Einstieg Themen wie Industrie 4.0 unterstützen. Vorlagen und Hintergründe dazu sind kostenlos abrufbar. Aus Sicht von SKILL ein schönes Beispiel, wie Game Based Learning in der Lehre zum Einsatz kommen kann.

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Author: cfreisleben

FH St. Pölten SKILL / Projekt inverted classroom Berater, Referent, Trainer, Journalist www.cfreisleben.net

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