#tdl17fhstp: Lernen durch Herausforderung

Florian Buchner (FH Kärnten) bringt beim 6. Tag der Lehre das Thema  „Lernen durch Herausforderung“ (LdH) ein. Dabei versuchen Studierende neue Herausforderungen durch (idealerweise gut durchdachtes) Handeln auf der Grundlage von bereits Gelerntem sowie durch selbständige Aneignung von weiteren notwendigen Kompetenzen zu bewältigen. LdH versucht dabei Anforderungen der Praxis in der Hochschule abzubilden.

Grundlage des Ansatzes ist ein Modell des Lehr- und Lernprozesses in vier Schritten: Herausforderung – Handeln – Feedback – Reflexion. Auf die einzelnen Schritten wird näher eingegangen, insbesondere worauf im LdH-Ansatz jeweils zu achten ist.

Die Rolle der Lehrenden besteht beim LdH darin den Studierenden eine Herausforderung zu bieten, einen klaren Rahmen zu schaffen, in dem die Herausforderung bewältigt werden kann, sowie den großen Freiraum durch eine umfassende Aufarbeitung der Ergebnisse in Form von Feedback aufzufangen.

Der Ansatz wird anhand von zwei konkreten Anwendungsbeispielen erläutert:

  • das Rollenspiel „Noricum“, bei dem Studierende in unterschiedlichen Rollen (z.B. Regierung, Krankenhäuser, Krankenkassen) durch Verhandlungen und Gesetzgebung ein neues Gesundheitssystem für ein Fantasieland entwickeln.
  • die hochschulinterne Konferenz „Comparison of Health Systems within the OECD Countries”, für welche Studierende auf der Grundlage des OECD-Datensatzes „Gesundheit“ ein Forschungspapier entwickeln, das einen Review-Prozess durchläuft und auf einer Konferenz präsentiert wird.

Ein zentrales Element ist das große Maß an Freiheit, das die Studierenden über weite Teile bei der Bearbeitung der Herausforderung haben. Ein Eingreifen der Lehrenden ist in dieser Phase nicht vorgesehen. Der Selbstverantwortung für das eigene Tun, oft verbunden mit Unsicherheit, und auch der Selbstreflexionsfähigkeit kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Freiheit zeigt sich auch darin, dass es in aller Regel keine Musterlösung gibt, welcher die Studierenden möglichst nahe kommen sollten.

Der LdH-Ansatz geht auch darin über konventionelle Ansätze hinaus, dass die Studierenden nicht nur – wie etwa in einer Klausur – gestellte Fragen richtig beantworten müssen. Es fängt vielmehr eine Stufe früher an: die Studierenden müssen selbst die richtigen Fragen stellen, die sie sich dann in einem nächsten Schritt selbst beantworten müssen. Ein Oberflächenwissen reicht nicht aus, Studierende müssen tiefer in die Materie eindringen, sich ggf. neues Wissen aneignen und das Wissen dann auch in der Praxis anwenden.

Ziel beim „Lernen durch Herausforderung“ ist es, den Studierenden die Möglichkeit zu bieten tiefer in ein Thema einzudringen, dabei selbstorganisiert vorzugehen, vorhandenes Wissen und Kompetenzen aus unterschiedlichen Bereichen zu vernetzen, selbst die richtigen Fragen zu stellen, mit Unsicherheit umzugehen, erlerntes Wissen in der Praxis zugleich aber in einem sicheren Umfeld anzuwenden. Am Ende bedeutet das, Studierenden Freiraum zu geben selbständiges, kritisches Denken (weiter) zu entwickeln.

Wenn es also bei „deeper learning“, wie im NMC-HORIZON-Report beschrieben , um die „Förderung von  kritischem Denken, Dialogorientierung, Problemlösungsmethoden, Zusammenarbeit und selbstbestimmtes Lernen„ geht bzw. wenn es weiters darum geht „Aufgabenstellungen mit Anwendungsszenarien aus dem realen Leben zu verknüpfen“, dann passt „LdH“ genau unter dieses Label. Viele Elemente des „deeper learnings“ finden sich in diesem Modell unmittelbar wieder.

 

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Author: Redaktion

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