#icmbeyond18: ICM und Improvisation treffen Projektmanagement und EBN

Ein Beitrag von Manuel Schwanda, (Department Gesundheit) und Christian F. Freisleben-Teutscher (SKILL), der auch beim KnowledgeCafe der Konferenz Inverted Classroom and Beyond eingebracht wird.

 Die Lehrveranstaltung zu Projektmanagement und Evidence Based Nursing im Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege (Bachelor) ist ein wichtiger Baustein, um die Kompetenz Studierender zum wissenschaftlichen Denken und Handeln zu fördern (umgesetzt wird diese Lehrveranstaltung von Manuel Schwanda gemeinsam mit Stefan Rottensteiner und Petra Kozisnik).

Ausgehend von den Grundprinzipen des Inverted Classroom Modells wurden Studierenden sowohl Materialien zum Thema EBN als auch zu Projektmanagement zur Verfügung gestellt, gewählt wurde dazu die Form von PDF’s und kurzen Erklärvideos.

Ein wesentliches Element, ICM umzusetzen ist, die Verknüpfung solcher Materialien mit konkreten Aufgaben sowie Angaben zu den Zeitläufen: So füllten als einer der ersten Aufgaben Studierende einen Lückentext aus, um sich vertiefend mit Projektmanagement in der Pflege auseinander zu setzen.

In der ersten Präsenzphase wurden nach einem Überblick zur Lehrveranstaltung von Christian F. Freisleben (auch als Stück des Weges seiner Dissertation) zunächst eine Improvisationsmethode (siehe Hintergrund zu Angewandter Improvisation), der ‚Chaosgenerator‘ eingesetzt: Studierenden machten in Kleingruppen ein Brainstorming, was unternommen werden kann, damit ein Projekt garantiert schiefgeht. In einer ersten kurzen Phase sollten sich die Beteiligten ein mögliches Projekt im Pflegebereich überlegen. Genutzt werden konnte dabei auch Wissen aus den auf Moodle zur Verfügung gestellten Unterlagen, die sichtlich einige Studierende durchgegangen waren (u. a. beobachtet an mitgebrachten Ausdrucken mit eigenen Notizen und farblichen Hervorhebungen). Gesammelt wurden dann die ‚besonders wirksamen / garantiert wirksamen‘ destruktiven Möglichkeiten. Diese Form des assoziativen sowie paradoxen Denkens war eine ideale Ausgangsbasis bzw. lieferte Ideen und Ausgangspunkte für die folgende Phase: Studierende erhielten ein Kuvert, das Schritte eines Projektes aus dem Bereich Pflege enthielt. Dafür wurden Projektbeschreibungen zerschnitten und einzelne Elemente bewusst ausgelassen. Die Aufgabenstellung für eine Kleingruppenarbeit war dann, die ‚Schnipsel‘ in die richtige Reihenfolge zu bringen und zu definieren, welche Schritte fehlen. Ein interessantes Ergebnis dieser Phase war, dass den Studierenden dabei auch Elemente auffielen, die ebenso im vollständigen Dokument – also vor der Auslassung – gefehlt hätten. Auch hier konnten sie Vorwissen aus dem intensiven Beschäftigen mit Projektmanagement aus der Phase des selbstständigen Lernens auf einem hohen Level anwenden.

Vorgestellt wurde noch ein Template, mit dem die Studierenden ihre eigenen Projekte planen sollten: Eine ideale Ergänzung der vorangehenden Schritte, was auch an den tiefgehenden Fragen und Anmerkungen der Studierenden zu merken war.

In der zweiten Präsenzveranstaltung wurden offene Fragen zum Thema Projektmanagement diskutiert, wobei nochmals deutlich wurde, dass Studierende sich schon intensiv mit den Inhalten auseinandergesetzt hatten. Darauf baute ein kurzer, praxisnaher Input zu Praxis und Schwierigkeiten des Projektmanagements in Settings wie Krankenhaus und mobile Pflege auf. Mit einer Methode aus der Angewandten Improvisation: Gearbeitet wurde in Kleingruppen mit 5 – 6; jeweils drei Personen zeigte ein Körperbild, das für ein ‚typisches Problem / eine besondere Herausforderung im Projektmanagement‘ stand. Dieses sollte von den anderen 2 – 3 Personen gespiegelt und möglichst sofort von der ersten Gruppe noch intensiver ausgestaltet werden. Es entstanden sehr spannende und intensive Bilder, die dann nachbesprochen wurden.

Dies lieferte auch wichtige Ausgangspunkte für eine in die Präsenzphase integrierte Besprechung in drei Projektgruppen, die jeweils von einem/einer Lehrenden betreut wurde: Vorgestellt wurden die grundsätzliche Idee des Projekts, Studierende hatten dabei die Möglichkeit auch eigene Schwerpunkte, Fragestellungen bzw. Schärfungen des Projekts einzubringen. Weiters wurden in den drei Gruppen – dabei waren zwei der Gruppen in jeweils zwei Subgruppen geteilt – Rollen verteilt wie Projektleitung. Dokumentation, Verantwortlichkeit für erste, in der Diskussion entstandene Arbeitspakete.

Die nächsten beiden Präsenztermine standen nun im Fokus von EBN: Ausgehend von Vorbereitungsmaterialien hatten Studierende zuvor angegeben, wie sicher sie sich bereits zu EBN-Fragestellungen fühlen. Weiters bestand die Aufgabe alleine oder in Kleingruppen eine Zusammenfassung von online zur Verfügung gestellten Texten zu erstellen. Eine Anforderung war dabei die korrekte Zitation der zusammengefassten Literatur. In den Präsenzphasen wurden dann die Inhalte aus den Unterlagen vertieft bzw. lag ein – auch in zeitlicher Hinsicht – Schwerpunkt darauf, in Kleingruppen eine Bewertung von Studien mittels GRADE durchzuführen (Instrument zur Beurteilung von wissenschaftlichen Studien. Beurteilt wird die Wahrscheinlichkeit, ob weitere Forschung mit dem selben Design zu den selben Ergebnissen und Effekten führt bzw. ob weitere Forschung notwendig ist). So wurde EBN sehr praxisnah erlebt, sowie forschendes Lernen bzw. die Anwendung von Wissen im Sinn des ICM gelebt. Zum Einsatz kam auch eine Improvisationsmethode: Die vorgebende Frage war „Woran ist im Stationsalltag oder z. B. einer Teamsitzung zu bemerken, dass EBN umgesetzt ist. Was ist anders als vorher.“ Studierende gestalteten dazu spontan Statuenbilder mit „Vorher“ & „Nachher“ bzw. wählten die Form einer sehr kurzen Szene – in beiden Fällen wurde deutlich, wie intensiv sich die Studierenden vor und in der Präsenzphase mit EBN auseinandergesetzt hatten.

Dir dritte Phase der Lehrveranstaltung war dann wie schon beschrieben die Planung und Umsetzung eines Projektes. So gestaltete eine der Gruppen ein Rätselheft für den Bereich Pflege, wobei bei allen Rätseln sowohl die Fragestellungen als auch die Antworten mit wissenschaftlichen Quellen belegt sind. Die Studierenden setzten in einer sehr eigenständigen Weise das Wissen aus den Vorbereitungs- und Präsenzphasen um. So gab es zwar Projekttreffen, diese nutzten Studierende aber hauptsächlich dazu, um sich gegenseitig auf den letzten Stand zu bringen und offene Punkte zu klären. Das Rätselheft und seine Entstehungsgeschichte wird auch bei der internen Projektevernissage der FH St. Pölten eingebracht, so profitieren auch andere Lehrende und Studierende von den Vorgangsweisen sowie Ergebnissen. In einer anderen Gruppe wurde ein Gesundheitspräventionsprogramm in einer Neuen Mittelschule konzipiert und teils umgesetzt, ein weiteres Projekt war Erhebungen (inkl. Interviews) zum Gesundheitszustand von Personen 65+ in der Stadt St. Pölten. Also bei allen Projekten gleichzeitig eine intensive Praxiserfahrung, wie sich ein Projekt mit einem größeren Team im Gesundheitsbereich vorbereiten und umsetzen lässt.

Resümee & Ausblick

Geplant ist die Lehrveranstaltung in Wintersemester 2018/19 wieder auf eine ähnliche Weise umzusetzen. Dabei werden die Erfahrungen aus der ersten Umsetzung genutzt – so ist auch die Lehrveranstaltung selbst ein Beispiel für eine iterative Vorgangsweise und ein Lernen anhand von Erfahrungen. Für die Weiterentwicklung geplant ist u. a. auch in die selbstständige Auseinandersetzung mit den Inhalten Improvisationsmethoden einzubinden etwa über sprachliche Assoziationsmethoden in kollaborativen Dokumenten. Weiterentwickelt und noch besser aufeinander abgestimmt werden zudem die Reihenfolge und Intensität der einzelnen Schritte in den Vorbereitungs- und Präsenzphasen.

So ist u. a. geplant das Template für die Umsetzung eigener Projekte schon in die Vorbereitungsphase zu integrieren um in der Präsenzphase dann noch mehr Zeit für die Anwendung des Wissens und gemeinsame Weiterentwicklung des Templates zu haben.

 

 

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Author: Redaktion

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