Eindrücke: „Digitalisierung als Herausforderung für die Hochschuldidaktik“ @Mainz

Am 21. und 22. 3. fand in Mainz diese Tagung als Schritt der Umsetzung der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ des deutschen Kultusministeriums statt (Programm). Hier einige gesammelte Impressionen ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Enthalten ist auch der Rückblick (inkl. Ablauf) auf meinen Workshop mit Malte Persike zu Inverted Classroom Modell.

Die Johannes Gutenberg Universität Mainz hat spannende Angebote um Lehre voranzubringen / zu unterstützen: http://www.glk.uni-mainz.de/ (Exzellenzkolleg für die Lehre) oder auch Programm zur Hospitation http://www.zq.uni-mainz.de/1726.php. Besonders spannend auch das Projekt Lehrideen vernetzen, der Aufbau einer Datenbank zu good practices verknüpft mit Präsenzterminen https://www.lehrideen-vernetzen.rlp.de/ (das auch vom Projekt Virtueller Campus Rheinland Pfalz mitgetragen wird https://www.vcrp.de/).  Didaktische Workshops werden in einem Verbund mehrerer Hochschulen angeboten http://www.hochschulevaluierungsverbund.de/Hochschuldidaktik.php (war auch als Poster bei der Konferenz).

Linda Price (siehe auch dieses aktuelle Buch) verwies in ihrer Keynote, zunächst auf die Fähigkeiten, die Lernende im 21. Jahrhundert erwerben müssten (siehe etwa hier und hier sowie diesen deutschen Blogbeitrag; ergänzend noch – bei einem Workshop bei der Konferenz erwwähnt: https://www.jisc.ac.uk/guides/developing-digital-literacies) Price meinte davon ausgehend, es brauche einen „Learner focused“ – Ansatz auch in Hinblick auf Digitalisierung. Es geht also um deutlich mehr, als die eine Frontalmethode (Tafel, Whitboard usw. bzw. Papierberge) durch eine mit neuen Technologien zu ersetzen (Beamer, interaktives Whiteboard, Foliensätze bzw. etliche Online-Dokumente (hunderte Seiten stark)). Auch ein Webcast ist nicht automatisch innovativ, sondern kann auch eine Variante eines sehr Lehrenden zentrierten Vorgehens sein, das stark behavoristisch geprägt ist.

„Learner focused“ meint für sie, dass Technologie genutzt wird, um das Definieren sowie Erreichen von Lernzielen zu begleiten sowie das Entstehen sowie Vertiefen von Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Digitale Tools werden hier in einem didaktisch orientierten Ansatz (als Abgrenzung zu einem rein technisch orientierten) als wirkliches Werkzeug verwendet, u. a. für die Recherche, Bewertung / Strukturierung / Aufbereitung / Zusammenfassung von Informationen (und natürlich auch die Kreation von Neuen), Reflexion, Aufbau und Teilen von Wissen… Nicht „Vermittlung“ steht im Fokus, sondern die Weiterentwicklung der Lernenden.

Als wesentlichen Baustein, mehr noch Motors für diesen Ansatz sieht Price, wie Assessmentmethoden gestaltet werden.

Price wies auch darauf hin, dass Veränderungen im Hochschulwesen nur dann gelingen werden, wenn das gesamte „Ökosystem Hochschule“ betrachtet wird, also Ebenen wie das Hochschulmanagement, Department- und Modulverantwortliche, die Lehrenden, die Studierenden. Aus ihrer Sicht nötig ist auch weitere Forschung rund um Digitalisierung, und dass Forschungserkenntnisse in die Lehrpraxis einfließen. Eine Aufgabe von Hochschuldidaktik sei dabei u. a. Forschungserkenntnisse aufzubereiten und in Designpatterns für Lehrveranstaltungen zu übersetzen inkl. flexible einsatzbarer Vorlagen und Muster.

Im „Workshop“ „Veränderung an Hochschulen durch Digitalisierung“ gab es einen Beitrag von Prof. Dr. Johannes Moskaliuk (International School of Management in Frankfurt und Stuttgart sowie Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen) (Unterlagen).  U. a. verwies er auf teils hoch qualitative Unterlagen zu unterschiedlichsten Online-Materialien, die für die Lehre zum Einsatz kommen können und nicht erst extra erstellt werden müssen. Weiters betonte er, wie einfach und zugleich wichtig Kooperation in internationalen Communities geworden ist. Es gehe um eine „Augmentierung“, eine intensive Verwebung von analogen und digitalen Materialien sowie Vorgangsweisen (ein anderer Begriff dafür ist seamless learning). Er wies auch darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist, der nicht nur an der Hochschule oder in selbstorganisierten Lernphasen geschieht sondern auch in informellen Lernprozessen (Gespräche mit FreundInnen, Familie; Auseinandersetzung mit Medieninhalten; Begegnungen mit Menschen und Orten; Erfahrungen in bezahlter und unbezahlter (Ehrenamt, Haushalt…) Arbeit usw.).

Weiters betont er in Bezug auf Strategien, dass es (auch) einzelne, engagierte Change-Agents geben müsse, Lehrende, die umsetzen, auch mit dem „Risiko“, zu scheitern.

Dr. Helge Fischer (TU Dresden) betonte nach einem längeren Rückblick auf die Geschichte von E-Learning an Hochschulen, dass es nicht nur bedeutsam sei, was in einer E-Learning Strategie steht, sondern, wie diese von wem und unter welchen Rahmenbedingungen entstanden ist bzw. regelmäßig evaluiert und weiterentwickelt wird.

Noch ein spannendes Fundstück aus dem parallelen Workshop Uni Duisburg Essen) u. a. mit Dr Barbara Getto („Akteure der Digitalisierung im Hochschulsystem“ (mehr) – siehe auch ergänzend diese Folien.

Als Hintergrund zur Keynote von Prof. Dr. Jürgen Handke (Philipps Universität Marburg) eignet sich https://blogs.rpi-virtuell.de/joachim-happel/juergen-handke-schritte-zu-digitalisierung/. U. a. betont er, dass der Ansatz des Inverted Classroom Modells nicht nur deutlich bessere Learning Outcomes bewirkt sondern auch die Freude am Lernen und Lehren für alle Beteiligten verstärkt. Er betont auch die Bedeutung flexibler (sprich möglichst einfach umstellbarer / gestaltbarer) Lernräume für eine zeitgemäße Lehre. Weiters unterstreicht er den Wert von gut und vielfältig gestalteter Präsenzlehre, die auf vielfältige Vorbereitungsmaterialien und -aufgaben aufbauen. Digitalisierung ist aus seiner Sicht vor allem auch ein Mindset, das dann u. a. kollaboratives Lernen unterstützt. Auch er motiviert Lehrende weniger auf Strategien zu warten, sondern möglichst bald zu handeln, sprich Potentiale der Digitalisierung zu nutzen – und so gleichzeitig Strategien voranzutreiben. Ein Schritt dafür ist aus seiner Sicht die Verwendung sowie Produktion von offenen Bildungsressourcen.

Am Ende des Tages Stand eine Podiumsdiskussion, bei der nochmals die Bedeutung von OER betont wird und dass deren Einsatz / Entstehung auch förderliche Rahmenbedingungen braucht. Ein wichtiger Aspekt sind Open Educational Practises also Beispiele, wie OER in unterschiedlichen Lernszenarien eingesetzt werden / entstehen (siehe ergänzend diese Empfehlungen von FNMA).


Am 2. Tag gestaltete ich gemeinsam mit Prof. Malte Persike einen Workshop zum Inverted Classroom Modell. Ein wichtiger Hinweis von Malte dabei: Studierende arbeiten Vorbereitungsmaterialien im Sinn des ICM oft gemeinsam durch, sehen sich also u. a. miteinander Videos an. Besonders intensiv beschäftogte er sich mit Gelingensbedingungen von student generated videos: Lernerfahrungen werden von den Studierenden dabei sehr positiv bewertet, sie erwerben vielfältige Kompetenzen. Gleichzeitig liegt ein Fokus teils mehr auf der Erstellung der Videos (technische Ebene) als auf einen tiefer gehenden Lernprozess und daraus resultierenden Konzeptverständnis. Nötig sei zum einen die technische Unterstützung von Studierenden. Weiters bewährt hat sich, dass Studierende ergänzend zu den Videos Fragestellungen entwickeln, die dann in Audience Response Systemen eingesetzt werden: So wird der Lernprozess nochmals reflektiert, der Inhalt steht stärker im Fokus.

Ich habe dann folgende Schritte umgesetzt:

  • Assoziatives Zeichnen: Welche Auswirkungen ergeben sich durch einen Einsatz von ICM-Prinzipien in einer konkreten Lehrveranstaltung (siehe diese Beschreibung)
  • Arbeiten mit assoziativ genannten Begriffen, mit denen die Zeichnungen beschrieben werden (siehe hier; hier umgesetzt mit den Phasen Aufstellung; Sortierung durch Aussenstehende kombiniert mit selbstständig umgesetzter Sortierung)
  • Arbeiten in einer Einzelphase: Ein Ansatz aus dem ICM umgesetzt in einer konkreten Lehrveranstaltung und daran anschließend Austausch zu den entstandenen Ideen in von Malte und mir begleiteten Kleingruppen (inkl. Vorgabe für Umgang mit Ideen anderer „Was ich an Deiner Idee mag…“ „Welche ergänzende Idee ich dazu noch habe“); abschließendes Vorstellen einiger entstandener Ideen (Einige Begriffe & Ideen sind in diesem Etherpad dokumentiert, das während dem Workshop gefüllt wurde)

Hier noch der Link zur Keynote von Gabi Reinmann, die dem Workshops folgte http://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2018/03/Vortrag_Mainz_Maerz_2018.pdf Sie rief u. a. dazu auf, Prozesse der Algorithmen und mögliche Auswirkungen auf Lernen und Lehren kritisch zu hinterfragen. Weiters müsse auch digitales Ausprobieren reflektiert werden. Digitalisierung sei mehr als einzelne Werkzeuge und digitale Lern/Lehrformate. Es müsse auch die Frage gestellt werden, wie ader Einsatz digitaler Technologie wissenschaftliches Arbeiten verändert. Digitalisierung müsse als wissenschaftskulturelle Praxis gesehen / analysiert / weiterentwickelt werden. Hochschuldidaktische Angebote müssten methodisch sich auch an Lernzielen orientieren, eine Weiterbildung zu digitalen Arbeiten könne kein reiner analoger Vortrag sein…

Michael Eichhorn (Goethe Universität Frankfurt) brachte beim Workshop „Veränderungen an Hochschulen durch Digitalisierung“ Einblicke in Analysen einer Studie zu digitalen Kompetenzen von Hochschullehrenden, die immer wieder analysiert und weiter entwickelt werden sollten (siehe hier).

 

 

Einige Poster, die mir besonders aufgefallen sind beschäftigten sich mit:

https://www.oer-at-rlp.de/

https://www.uni-kl.de/klooc/kler-open-online-course/

Hochschulentwicklung als strategischer Prozess https://imt.uni-paderborn.de/projekte/quasid/

https://www.ikarion-projekt.de/ mit dem Fokus auf https://www.e-teaching.org/praxis/erfahrungsberichte/intelligente-unterstuetzung-von-kleingruppenarbeit-in-der-online-gestuetzten-hochschullehre

Poster Hochschulevaluierungsverbund Süd

 

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Author: Redaktion

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