#tdlfhstp18 – PBL meets Inverted Classroom meets Design Thinking

Prof. Dr. Stefan Oppl ist am Institut für Wirtschaftsinformatik der JKU in Linz tätig. Er stellt sich der Herausforderung Heterogenität beim 7. Tag der Lehre am 18. 10. 18 mit einem spannenden Methodenmix. Dazu zunächst dieses Video:

Der aktive Umgang mit Heterogenität von Studierenden ist vor allem in gestaltungsorientierten Lehrveranstaltungen, die zu einer Handlungsbefähigung der TeilnehmerInnen im jeweiligen Anwendungsfeld führen sollen, eine didaktische und methodische Herausforderung, die bislang in Praxis und Wissenschaft selten adressiert wurde (Reinmann 2015). Heterogenität manifestiert sich hier vor allem in den unterschiedlichen Studienvoraussetzungen der TeilnehmerInnen, insbesondere deren Vorbildung und bestehende Praxiserfahrungen, sowie deren unterschiedliche Studienrahmenbedingungen, die von Einflussfaktoren wie Berufstätigkeit, Sprachkenntnissen, o.ä. abhängen.
Traditionelle akademische Lehr- und Vermittlungsformen erlauben es oft nicht, auf diese Heterogenität einzugehen und allen Studierenden einen deren individuellen Erwartungen, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen gerecht werdenden Lernprozess und damit entsprechende Lernergebnisse zu realisieren. Dieser Herausforderung kann im Sinne einer inneren Differenzierung begegnet werden, indem unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten für Studierende geschaffen werden, die eine Handlungsbefähigung im Sinne der Lernziele ermöglichen und dabei die jeweiligen Vorkenntnisse und Rahmenbedingungen berücksichtigen.
Ziel des Beitrags ist es, die Auswirkungen unterschiedlicher methodischer Interventionen auf die Partizipation der Studierenden in gestaltungsorientierten Lehrveranstaltungen aufzuzeigen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Lehrformaten zum Umgang mit Heterogenität an Hochschulen zu leisten. Konkret wird das Potential der Kombinationen von an die organisationalen Rahmenbedingungen an Hochschulen angepassten Flipped Classroom Formaten (Oppl u. a. 2017) mit Design Thinking Projekten exploriert. Dazu wird anhand einer konkreten Lehrveranstaltung aus einem Bachelor-Curriculum der Wirtschaftsinformatik die konzeptuelle Kombination der beiden Ansätze und deren Umsetzung in einem didaktischen Design dargestellt. Die Wirkung dieses Designs bzw. der einzelnen Komponenten auf die Partizipationsmöglichkeiten der TeilnehmerInnen wird anhand empirischer Erkenntnisse aus mehreren Instanzen der Lehrveranstaltung diskutiert.
Der Fokus des Beitrags liegt in der Beschreibung der konkreten methodischen Interventionen, die im Rahmen der Lehrveranstaltung umgesetzt wurden. Zusätzlich wird auf deren Begründung sowohl aus fachlich-inhaltlicher Sicht als auch aus Sicht des Umgang mit Heterogenität eingegangen und deren Wirkung mit empirischen Daten hinterlegt.
Die betrachtete Lehrveranstaltung beschäftigt sich inhaltlich mit der Einführung in die Prozess- und Kommunikationsmodellierung und deren Anwendung in Organisationen. Während der erste Aspekt der fachlichen Basisqualifikation in der Wirtschaftsinformatik zuzuordnen ist, zielt der zweite Aspekt auf eine Handlungsbefähigung zur informierten Auswahl von Modellierungsansätzen und deren qualifizierten Einsatz ab. Die für das Design primär relevanten Heterogenitätsapekte sind hier in den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen der Studierenden zu finden. Diese stellen einerseits eine Herausforderung bei der Bildung eines gemeinsamen Basiswissens dar, andererseits ergibt sich aber auch Potential zur Ermöglichung kollaborativer Lernprozesse in fachlich gemischten Gruppen.
Diesem Spannungsfeld wird mit dem Einsatz von Flipped Classroom Konzepten in Kombination mit
Design Thinking Projekten begegnet. Der Flipped Classroom ermöglicht hier die individuelle
Vertiefung sowie die Fokussierung auf die Anwendung der vermittelten Konzepte. Die Design Thinking Projekte ermöglichen dazu das Lernen voneinander anhand konkreter praktischer Problemstellungen. Die empirischen Ergebnisse zeigen großes Potential in der Kombination der beiden Ansätze, weisen aber auch auf Herausforderungen hinsichtlich der Unterstützung der Studierenden bei der Planung des Lernprozesses hin.

Literaturhinweise:
Oppl, Stefan, Milas, Antonia & Waid, Margit 2017. Vielfältiges Lernen in universitären
Großlehrveranstaltungen. In Tagungsband Momentum Kongress 2017.
Reinmann, Gabi 2015. Heterogenität und forschendes Lernen: Hochschuldidaktische Möglichkeiten
und Grenzen. In Gestaltungsraum Hochschullehre. Potenziale nicht-traditionell Studierender nutzen.
121–137.

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Author: Redaktion

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