#tdlfhstp18 – Wisdom Council trifft Citizen Science

Wisdom Councils, hierzulande als Bürger*innenräte bekannt, haben sich in den letzten Jahren auch in einigen Teilen Österreichs als wirksame Partizipationsverfahren zu Fragen öffentlichen Interesses und als Teil politischer Entscheidungsfindungsmechanismen etabliert.   
Auch als Beitrag zu offenen kollaborativen Forschungsprozessen – Stichwort „Citizen Science“ – können sie von großem Nutzen sein.  Michaela Moser berichtet beim 7. Tag der Lehre der FH St. Pölten von den Forschungen dazu an der FH St. Pölten und wie dieses Instrument aktiv im projektbasierten Unterricht integriert wird. Dazu zunächst dieses Video:

In welcher Form die normalerweise zur Unterstützung politischer Bewusstseinsbildung und Entscheidungsfindung angewandten Bürger*innen-Räte2 auch in Forschungsprojekte einfließen lassen, lässt sich u.a. am hier kurz skizzierten Lehrforschungsprojekt „GeSo Orth“ skizzieren. 
 
Ziel des Projekts war die Entwicklung eines Konzepts für ein Gesundheits- und Gemeinwesenzentrums für die Gemeinde Orth an der Donau im Rahmen eines Lehrforschungsprojekt von und mit Studierenden des Masterstudiengangs Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Pölten unter Co-Leitung von Christoph Redelsteiner und Michaela Moser (vgl.  http://www.gemeinwesenzentrum.at 
 
Erforscht wurden dabei Möglichkeiten, die gesundheitliche Versorgung in Orth an der Donau nachhaltig und personenunabhängig sicherzustellen und dabei Angebote für Gesundheit, Soziales und Freizeit unter einem Dach zu vereinen. Das Projekt sollte bereits vorhandene Strukturen und Ressourcen in der Gemeinde sichtbar machen, sowie  Versorgungslücken aufzeigen und Ideen für deren Abdeckung entwickeln.  
Dabei war die Beteiligung von sowohl des im Gemeinderats zuständigen Arbeitskreises als auch der Bürger*innen von Orth von Anfang an im Sinne eines offenen kollaborativen Forschungsprozesses geplant. 
 
Neben statistischen Erhebungen, sozialräumlichen Ortsbegehungen, Expert*innen-Interviews und Best-Praxis-Recherchen stand deshalb die Umsetzung eines Wisdom Council Prozesses – mit Bürger*innen-Rat und Bürger*innen-Café – im Zentrum des Forschungsprozesses. 
 
Die dort von und mit den Bürger*innen erarbeiteten Vorschläge flossen gemeinsam mit den anderen Erhebungs-Ergebnissen zentral in die Konzept-Entwicklung ein. 
 
Letztendlich wurden von den Studierenden auf dieser Basis vier alternative Konzepte entwickelt, die wiederum im Rahmen einer Gruppendiskussion mit Gemeindevertreter*innen, Bürger*innen und Expert*innen einer kommunikativen Validierung unterzogen und entsprechend gemeinsam mit diesen finalisiert wurden. 
 
Die  Methode Wisdom Council Bürger*innen-Rat sorgte dabei für zentrale kollaborative Forschungsmomente. Während Gemeindevertreter*innen in die Entwicklung der Forschungsfrage einbezogen wurden, wurden so per Zufallsprinzip ausgewählte Bürger*innen in einem vierstündigen, nach dem Prinzip Dynamic Facilitation moderierten Diskussionsprozess in die Lösungssuche involviert, wobei gegen Ende dieses Prozesses im Rahmen einer konsensualen Zusammenfassung auch eine gemeinsame Auswertung erfolgt, die in einem nächsten Schritt in Form eines öffentlichen Bürger*innencafés allen interessierten Bürger*innen präsentiert und in der Folge diese und weitere Vorschläge in Richtung Konzeption des geplanten Zentrums mit diesen weiter entwickelt wurde.  
 
Auf diese Weise wurde eine intensive Beteiligung von Bürger*innen an einem Forschungsprojekt im Sinne der unter dem Stichwort „Citizen Science“ diskutierten Ziele umgesetzt und zugleich ein Beitrag zur Weiter-Entwicklung einer Kultur der Partizipation geleistet, das sich für alle Beteiligten – Bürger*innen, Gemeindevertreter*innen, Studierende und Lehrende – und nicht zuletzt für das Projekt selbst als äußerst fruchtbar erwies. 

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Author: Redaktion

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