Rückblick auf die Campus Innovation in Hamburg 2018

Gabriele Permoser (Fachverantwortliche Hochschulinnovation) und Christian F. Freisleben (SKILL) waren bei der inzwischen 17. Auflage der renommierten Konferenz Campus Innovation in Hamburg mit 700 Teilnehmende, vorwiegend aus Deutschland. Hier einige Eindrücke:

 


Thomas Bachem ist der Gründer der „Code University“, einer Privatuniversität mit Studiengängen zu Software Engineering, Interaction Design und Product Management die vor einem Jahr ihren Betrieb in Berlin aufnahm. Ein Hochschul-StartUp sozusagen, wie es Andreas Wittke in einem Tweet zur Konferenz ausdrückt. 2000 junge Erwachsene bewarben sich dort, 88 wurden aufgenommen, wobei alle hohe Studiengebühren bezahlen. In seiner Keynote und in vielen Berichten zu dieser Hochschule wird das Wort innovativ auffallend oft verwendet: flexible und modern ausgestattete Lernräume, sehr wenig Vorlesung – sehr viel eigenständige Arbeit, allein und in Gruppen mit intensiver Kollaboration, projektorientiertes Lernen ausgerichtet an brandaktuellen, realen Herausforderungen der IT Branche, gemeinsame Projekte mit führenden IT-Betrieben sowie mit großen Unternehmen verschiedenster Branchen, rasches Reagieren auf Rückmeldungen und Wünsche der Studierenden; kompetenzorientierte Unterricht (ausgerichtet an 70 Teilkompetenzen), wobei auch Studierende ihre Kompetenzen selbst einschätzen, von Lehrenden individuell begleitet werden und im Laufe des Studiums Veränderungen ständig reflektieren… Und all diese Elemente sind selbstverständlicher Teil des Marketings, wobei was dort gesagt wird, auch tatsächlich die Realität des Studiums widerspiegelt.

Anja Lorenz (Link mit Infos zu Anja) brachte es in einem Tweet auf den Punkt; wenn „…diese Herangehensweise als innovativ gilt, ist das nicht die Schuld der Code University, sondern der anderen Hochschulen“. Sprich es werden viele Prinzipien und Herangehensweisen umgesetzt, die eigentlich selbstverständlicher Standard sein sollten in einer Hochschule, die sich selbst, ihre Studierenden, Lehrenden und Forschenden ernstnimmt.

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Prof. Dr. Wolfgang Osten, Universität Stuttgart gab einen Überblick zur Geschichte und Technik von Holografie, Augmented (AR) und Virtual Reality (VR). Einmal mehr zeigen sich hier viele Potentiale für Hochschullehre und Forschung: In Bezug auf Holographie gibt es Optionen mit einer Kombination aus Smartphones und selbstgebauter Ergänzung (siehe http://myphotonics.eu) diese in einer sehr basalen Form in den Unterricht zu holen, alles andere ist hier noch Science Fiction. Für AR und VR gibt es inzwischen viele Plattformen und Tools, auch solche die in Form von Cardboards für jede/n zugänglich sind. Was fast noch völlig fehlt sind zum einen Inhalte, also Visualisierungen in allen Formen, zum anderen ist echte Interaktion mehrerer Nutzender nur mit höherqualitativen VR-Brillen möglich, die in größerer Stückzahl erstens unerschwinglich sind und zweitens ein aufwendiges technisches Backup brauchen. In diesem editierbaren und damit gerne ergänzbaren Google Dok von Josef Buchner (PHSG) und Christian F. Freisleben sind dazu einige Tools und Anwendungsbeispiele gesammelt. Dies ist gleichzeitig ein erster Schritt in die Richtung zur gemeinsamen Einreichung bei der Konferenz Augmentierte und virtuelle Wirklichkeiten: Internationale Tagung an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (25.-26. April 2019).

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Zwischendurch mitgenommen haben wir auch Eindrücke von spielerischen Herangehensweisen auch mit digitalen Tools, wie sie von der Hamburg Open University eingesetzt werden. Besonders erwähnenswert und hilfreich ist die Website http://medienkompetent-mit-games.de).

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Joanna Schmölz ist Vize-Direktorin und wissenschaftliche Leiterin von DIVSI (Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) ist eine von der Deutsche Post AG gegründete und finanzierte gemeinnützige Einrichtung). Dieses Institut forscht u. a. zur Art und Weise, wie Kinder und Jugendliche das Internet nutzen. Die aktuellsten Daten zeigen deutlich, dass der jederzeit mögliche und oft mobile Zugang zum Internet ein prägendes Alltagselement für die Jugendliche unter 25 ist (siehe die aktuellen Daten – SKILL hat ergänzend Links zu anderen wichtigen, aktuellen Studien rund um die Online-Aktivitäten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengestellt).

In der Studie zeigt sich, dass viele Jugendliche auch Angst vor dem was sich im Internet tut haben und gleichzeitig oft das Gefühl, etwas versäumen zu können, wenn sie nicht online sind. Gleichzeitig wird es als unverzichtbare Kommunikations-, Informations- und Lernmöglichkeit wahrgenommen und entsprechend intensiv genutzt.

Schmölz spricht „das Märchen vom digital native“ ab – 47% Jugendliche kennen diesen Begriff nicht „Ich bin nicht das Internet“. Schmölz weist darauf hin, dass die Fähigkeit, einige Funktionen eines digitalen Endgeräts zu kennen und zu nutzen nur ein kleiner Teil der Digital Literacy ist:

89% nähern sich digitalen Optionen ausschließlich durch eigene Erfahrungen an, 59% durch peers also FreundInnen, 33 % mit Hilfe der Eltern, und nur 18% nennen LehrerInnen als Ansprechpersonen. Gefragt ist laut Schmölz auch eine intensive Begleitung Studierender am Weg, digitale Tools und Kommunikationsmöglichkeit reflektiert und selbstsicher zu nutzen. Ein ganz zentraler Aspekt ist dabei die – nicht selbstständige und schrittweise zu erlernende / einzuübende Möglichkeit, selbst Inhalte zu kommentieren, zu bewerten, zu teilen sowie von Grund auf neu zu erstellen – also auch wichtige gesellschaftspolitische sowie persönliche Anliegen zu formulieren. Alles Fähigkeiten, die heute zunehmend in den Unternehmen und in der selbstständigen Berufstätigkeit unverzichtbar sind, bzw. eine wesentliche Komponente bei der Wahrnehmung und (Mit)Gestaltung von Sozialräumen. (siehe dazu auch diese Informationen zu digitaler Teilhabe). Dazu ergänzte Sabine Seufert (Universität St. Gallen) die Erwartungen was Studierende im Zeitalter der Digitalisierung können sollen und verwies dabei auf die „seven elements of digital literacy“: media literacy, communication & collaboration, career & identity management, ICT literacy, learning skills, digital scholarship und information literacy.

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Prof. Dr. Christian Kohls (TH Köln) referierte über Optionen von hybridem Lernen, also u. a. der Frage wie sich in physischen Räumen entstehendes schnell digitalisieren lässt und wie Digitales in physischen Räumen nutzbar wird. Es gehe um die Verwebung von physischen / digitalen / Informations- / Konzept- / Sozial- und NavigationsRAUM. Also auch ua um die Frage, wiviel Klicks nötig sind, um gespeicherte Informationen / Dateien zu finden, zu bearbeiten, zu teilen. Und wie umständlich es ist, allen Anwesenden im Raum gleichzeitig Inhalte zur Verfügung zu stellen. Lernen müsste gerade in diesen Setting als gemeinsamer Designprozess gelebt werden in dem es u. a. möglichst einfach gemacht wird, sich – auch zeit- und ortsabhängig – zu vernetzen sowie eine Atmosphäre der Offenheit herrscht. (siehe dazu ergänzend https://learning-research.center/). Er berichtete auch von einem spannenden Projekt, wo diese Herangehensweise gelebt wird.

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Andreas Wittke (oncampus / FH Lübeck) stellte noch eine Technologie, mit der Zertifikate für Studierende in der Blockchain gespeichert und damit gesichert gespeichert / übertragen werden können. Es handelt sich hier um eine Kooperation mit dem Frauenhofer Institut. Sinn macht eine solche Vorgangsweise, dann wenn hier möglichst viele Hochschulen sich beteiligen und die Weiterentwicklung gemeinsam tragen. Eine ähnliche Initiative stellte Hans Pongratz von der TU München vor, die sich neben der Nutzung von Blockchain zur Verifizierung von Zertifikaten auch im Rahmen ihres Blockchain Research Clusters mit weiteren Aspekten und Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie befasst.

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Ein weiterer ausführlicher Themenblock widmet sich der Frage wie sich Digitalisierung auf die Hochschule als Organisation, ihre Governance und Prozesse auswirkt.

Hannes Hartenstein (Karlsruher Institute für Technologie) ging in seinem Bericht über die Digitalisierungsgovernance am KIT auf die in diesem Zusammenhang mitunter spürbare Diskrepanz zwischen Gestaltungsanspruch und Verwaltungsbereitschaft an  Hochschule ein. Das KIT hat auf diese Diskrepanz mit einem Model der vertikalen und horizontalen Abstimmung zwischen den einzelnen Fachbereichen, der Dienstleistungseinrichtungen sowie der strategischen Ausrichtung reagiert. Unter der Prämisse des Koordinierens und ko-operativen Handelns wurden Lenkungskreise für bestimmte Anwendungsbedarfe und die strategische Ausrichtung für Informationsverarbeitungsaspekte eingerichtet. Je ein Lenkungskreis (vertikale Abstimmung) behandelt dabei die Bereiche Forschung & Entwicklung &I nnovation, Studium & Lehre sowie Administration. Geleitet werden diese Lenkungskreise von den jeweils themenverantwortlichen Vizepräsidenten*innen um dadurch der Wichtigkeit dieser Fragestellungen noch mehr Bedeutung zu verleihen. Aus den Lenkungskreisen werden Mitglieder in den Ausschuss für Informationsverarbeitungsinfrastruktur (horizontale Abstimmung) entsandt, der entsprechende gesamtstrategische Entscheidungen trifft. Um die in diesen Gremien getroffenen Entscheidungen bzw. erarbeiteten Empfehlungen auch nachhaltig zu verankern und weiterzuverfolgen wurde ein Digital Office eingerichtet. Das Digital Office, das direkt dem Präsidenten der KIT unterstellt ist, besteht aus Business Relationship Managern, die jeweils für ein bestimmtes Themenfeld (Lehre, Forschung, Administration) verantwortlich sind und hier die Umsetzung der entsprechenden Entscheidungen vorantreiben müssen und dienen somit als Schnittstelle zwischen strategischer und operativer Verantwortlichkeit. Mit diesem Konzept wird sowohl Raum für Gestaltung (Lenkungskreise, Ausschuss) geschaffen als auch eindeutige Verantwortlichkeiten (Digital Office) definiert.

Aus einer Metaperspektive betrachtete Peer Pasternack (MLU Halle-Wittenberg) die Frage nach dem Organisationsproblem des Campus Managements im digitalen Hochschulökosystems. Die Hochschule als Expert*innenorganisation, die einer gewissen „organisierten Anarchie“ lebt und in der oftmals mehrdeutige Entscheidungen getroffen werden trifft nun im Zuge der Digitalisierung auf eindeutige Algorithmen. Wie muss in diesem Kontext die Hochschule nun vorgehen um eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln bzw. umzusetzen?

1. Prioritäten setzen: Die Hochschule muss sich die Frage stellen wo der Leidensdruck am höchsten ist, wo die Hochschule in ihrer Arbeit blockiert wird und wo hier Digitalisierung einen entsprechenden Ausweg bringen kann.

2. Akzeptanz organisieren: rollenfremde Tätigkeiten vermeiden und versuchen ein mehrheitliches Dagegensein zu vermeiden, Mehrwert soll für alle Nutzer*innen erkennbar sein.

3. Strikte nutzerorientierte Systemgestaltung

Beispiele für konkrete Anwendungsbereiche im Bereich der digitalen Verwaltung gaben Kai Donseiff (myconsult GmbH) zu E-Rechnung an Hochschulen und Gerhard Schneider (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) zu Forschungsdatenmanagement und der Bedeutung einer innerhochschulischen Diskussion zur Forschungsdatenspeicherung um langfristig auf die entsprechenden Daten zugreifen zu können. Dabei verwies er vor allem auf die Bedeutung der Erfassung von Metadaten auch beim Forschungsdatenmanagement (zB.: Laborinfrastruktur zum Zeitpunkt der Versuchsdurchführung).

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Weitere gesammelte Links:

Dossier zum Thema Integration von Menschen auf der Flucht durch Bildungsmaßnahmen

Studie zu Maschinellen Lernen (Künstliche Intelligenz)

Online Tutorials zur Selbst- und Medienkompetenz: http://sumo.blogs.uni-hamburg.de

 

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Author: Redaktion

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