Eindrücke von der #dghd2019

Ein Beitrag von Wolfgang Gruber & Christian F. Freisleben

Wir waren wieder teilnehmende an der jährlichen Konferenzen der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik mit über 500 Teilnehmenden aus dem deutschen Sprachraum, diesmal in Leipzig – ein Überblick zum Programm findet sich hier.


Im folgenden einige Eindrücke:


Der Rahmen

Da wir uns immer wieder mit dem Thema der Gestaltung von Fachkonferenzen widmen, hier einige Dinge, die uns positiv aufgefallen sind:

  •  Es gibt einen während der ganzen Konferenz zugänglichen „Ruheraum“ und einen „offenen Arbeitsraum“; des Weiteren können mit ganz einfachen Sitzhockern aus Karton jederzeit kleinere Ad-Hoc-Gesprächsrunden gebildet werden, sowohl im großen Raum wo die Registrierung ist als auch auf allen Gängen zwischen den Seminarräumen (siehe dieses Bild vom Konferenzteam)
  • Es gibt eine Kinderbetreuung und einen Wickelraum
  • Rund um die Registrierung werden jederzeit kostenlos Tee, Kaffee, Getränke, Kuchen, Snacks und eine unpackbar große Menge an Süßigkeiten und Nüssen angeboten
  • Wege zu den Räumen sind durch Luftballons (leider dann am 2. Tag verschwunden) und Infos an allen Türen gut zu finden
  • Es gibt eine bunte Vielfalt an Formaten: Vorträgen, eine Kombination an Impulsen, Diskurswerkstatt (1 Impuls, dann Arbeiten in Kleingruppen), Posterpräsentation als eigener Programmpunkt und Mini-Pitches, Workshops (von denen angenehm viele ihren Namen gerecht werden), Promovierendenforum, Planspiele und Podiumsdiskussionen
  • Mit einem Twitteraward wird wie im Vorjahr der interdisziplinäre Online-Austausch zwischen Teilnehmenden vorangetrieben, wobei sich so ebenso Personen beteiligen können, die es heuer nicht zur Konferenz der dghd geschafft haben. Weiters gibt es ein Angebot im Programm „Twitter für Einsteiger*innen.

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Workshop „Was denken sie bloß, die Studierenden?“

Monika Wyss (Hochschule Luzern) etabliert einen Raum, in dem die Teilnehmenden sich intensiv mit der Frage beschäftigen können, wie Herkünfte im weitesten Sinn, Haltungen, Gedanken, Ängste & Hoffnungen sowie Erwartungen von Studierenden schnell und einfach visualisiert werden können.

So arbeitet sie etwa mit soziometrischen Methoden, hier mit Hand heben zu vorgegebenen Fragestellungen mit welchen Zielgruppen die Teilnehmenden in welchen Settings arbeiten – die Ergebnisse werden von Monika life in eine via Beamer präsentierte Tabelle eingetragen (eine mögliche digitale Variante / Ergänzung dazu (im Folgenden „Dig:“) wäre der Einsatz von https://www.plickers.com/).

Dann setzt Monika Murmelgruppen ein, um der Frage Raum zu geben, welche Methoden / Tools bereits eingesetzt werden, um Gedanken Studierender zu visualisieren. Wobei zu differenzieren ist: Einsatz in welchen Lehrformat, mit welcher Studierendenzahl und wie oft im Lauf des Semesters bzw. in welchen Phasen einer Lehrveranstaltung (Semesterbeginn / -ende, während der LV). Ergebnisse werden auf Papier visualisiert und dann auf einer Tafel anhand der letztgenannten Phasen sortiert. (Dig: http://wwww.padlet.com). Hier ein Blick auf die Ergebnisse.

Als schnell einsetzbare Methoden werden von Teilnehmenden an dieser Stelle auch genannt (siehe dazu Visualisierungen von M. Wyss): In unterschiedlicher Lautstärke (vielleicht auch Rhythmus) auf die Tische klopfen; gemeinsames Summen – je lauter „summ“ = Grad der Zustimmung (siehe als hintergrund diesen bericht aus der Zeit).

Monika erwähnt noch das eintragen auf einer im Raum aufgehängten 1 – 10 Skala mittels Klebepunkte (Jede Person hat einen Punkt, der vorab mit dem Skalenwert beschriftet und dann aufgeklebt wird, um „sozial erwünschte“ Antworten zu vermeiden. (Dig: Einsatz von Google- oder MS-Forms).

Oder der Einsatz einer „fokussierten Liste“, mit vorgegeben Kategorien mittels Online-Formular.

Oder das Eintragen auf einem Koordinatensystem mit vier Dimensionen auf Plakat (Dig: Padlet, auf dem als Hintergrund ein selbst gezeichnetes Koordinatensystem gewählt wird).

Oder die Visualisierung eines Berges mit einem Weg dorthin, entlang diesem Studierenden Haftnotizen kleben, um ihren Stand des Weges in einem Projekt, am Weg zur Bachelorarbeit visualisieren. (Dig.: Einsatz von Google Draw).

Monika verweist noch auf diese Beschreibung von “Classroom Assessment Techniques

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Workshop “Profilbildung durch Reflexion – Ein Portfolio für die Hochschuldidaktik”

Kolleginnen der Ruhr-Universität Bochum (Kristina Müller, Julia Philipp, Katharina Wagner, Martina Schmohr) haben sich in diesem Workshop noch einmal im Detail angesehen, welche Archetypen von hochschuldidaktisch tätigen Personen grundsätzlich möglich sind (bspw.: Organisationsentwicklerin, Fachtrainer, usw.) und haben dann gemeinsam mit den TeilnehmerInnen des gut besuchten Workshops diese auf ihre Alltagstauglichkeit “abgeklopft”. Das Ergebnis stand durchaus im Einklang mit bereits zuvor bekannten Ergebnissen aus der Arbeitsgruppe Weiterbildung in der DGHD und bestätigte einmal mehr den Wert solcher Kategorisierungen in der Kommunikation mit nicht in der Hochschuldidatik involvierten Personen.

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Diskurswerkstatt zu Creative Lab

Mit Birgit Frey & Andrea Koch-Thiele (Ruhr-Universität Bochum = RUB) und Karsten Altenschmidt und Jörg Müller (Universität Duisburg Essen)

Die beiden Universitäten setzen gemeinsam ein innovatives Lern-Lehr-Format um, entwickeln dies kontinuierlich weiter. Im Vordergrund stehen gesellschaftlich brennende Fragen, ganz im Sinn der Umsetzung der Philosophie der Third Mission, der Ausrichtung an den Sustainable Development Goals. Wesentliche Fragestellungen dabei sind auch, wie Hochschulen gesellschaftliches Engagement fördern können und sich der „Dienst an der Gesellschaft“ lernen lässt sowie wie der Transfer von Wissen / Artefakten in möglichst viele Öffentlichkeiten gelingen kann.

Aufgebaut wird auf Angebote mit ähnlicher Ausrichtung der beiden Universitäten:

An der RUB können Studierende im Projekt inSTUDIES sich an einem jährlichen Wettbewerb beteiligen. „Gefördert und unterstützt werden Ideen, die auf die Verbesserung von Studium und Lehre zielen. Das können sowohl besonders innovative und interessante Lehrveranstaltungen sein als auch Projekte, die bislang nicht in den Modulen oder im Studienplan zu finden sind.“ (siehe hier). Seit 2015 wurden 30 Projekte umgesetzt, wobei diese ein Budget erhalten, den Studierenden ein Qualifizierungsprogramm offensteht sowie eine begleitende Weiterbildung. So gibt es auch Workshops mit Design Thinking und einen Projektabschluss mit öffentlicher Diskussion.

Weiters gibt es die interdisziplinären Summer Schools: Eine ein- bis zweiwöchige Blockveranstaltung in der vorlesungsfreien Zeit

An der Uni Duisburg Essen gibt es das „Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung“, das“ Services und Innovationen für die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Gemeinwesen“ bietet.

Das Creative Lab umfasst eine Phase von 12 Wochen, die aus drei Präsenzphasen, selbstorganisierten Lernen und einer Präsentation der Ergebnisse besteht. Dabei wird bedarfsorientierte Prozessbegleitung und durch Lehrende angeleitete Reflexion geboten.

In einem „stummen Dialog“ (würde ich als Variante eines World Café sehen, wo auf drei Tischen Plakate mit Fragen stellen und ohne verbale Diskussion Fragestellungen, Erfahrungen, Aussagen der Teilnehmenden gesammelt werden; siehe eine Beschreibung hier) wird dann zu Fragen gearbeitet wie das Assessment in einem Format wie dem Creative Lab aussehen kann.

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Workshop “Auf uns hört ja keiner! Wie kann die Rolle der Hochschuldidaktik in der Organisation Hochschule erfolgreich gestaltet werden?

In diesem sehr interessanten Beitrag von Kolleginnen der Ruhr-Universität Bochum (Kornelia Freitag, Susanne Lippold, Martina Schmohr) wurden die Perspektiven von Qualitätsmanagement, Prorektorat Lehre und Hochschuldidaktik dargestellt und Wege aufgezeigt, wie ein erfolgreiches Miteinander im Sinne gelungener Hochschuldidaktik passieren kann. In einer anschließenden SWOT-Analyse waren die TeilnehmerInnen aufgefordert in Kleingruppen und Rollenspezifischen Diskussionen ihre jeweiligen Lösungsvorschläge zu erarbeiten und vorzustellen.

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Workshop “Lehrst du noch oder lernbegleitest du schon? – Entwicklung einer ressourcenorientierten Haltung zur Lehre in Zertifkatsprogrammen”

Die KollegInnen Kathrin Seifert und Florian Kainer von TU Clausthal haben sich darin Gedanken gemacht wie bestehende oder noch zu entwickelnde Zertifikatsprogramme zur Hochschuldidaktik nachhaltiger gestaltet werden können. Sie haben sich darin hauptsächlich mit Fragen der Haltung beschäftigt.

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Workshop: Etablierung eines Clearing Houses für forschendes Lehren

Mit Kathrin Friederici, Julia Rueß, Insa Wessels, Wolfgang Deike (alle Humboldt Universität zu Berlin)

Ein Clearing House ist eine Online-Plattform, die u. A. dabei unterstützt den Überblick zu hochschuldidaktischer relevanter Forschung zu behalten. Erkenntnisse werden dort in prägnanten Texten zusammengefasst und u. A. auch Ergebnisse aus forschenden Lernen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Hintergrund (englisch) zur Herangehensweise.

Beispiel für ein Clearing House Projekt an der TU München (siehe auch diesen Zeit-Artikel).

Clearing House der Humobldt-Universität zu Berlin https://hu.berlin/evig-FL

Im Workshop wird dann mit Design Thinking (siehe diese Visualisierung aus dem Workshop) gearbeitet zur Frage, warum und wie verschiedene Lehrende ein solches Tool nutzen, was das fördern / behindern würde.

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Workshop Reallabor “Transforming Capitalism Lab”

Mit Frauke Godat, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Siehe diesen Blog-Beitrag von der CAU.

Die Reallabore sind „Forschungs- und Gestaltungsraum an Hochschulen“ (engl.: living labs) für Studierende, Zivilgesellschaft, Lehrende – Einladung zum Mitforschen & -gestalten

siehe auch https://www.presencing.org/transforming-capitalism-lab

im „Transforming Capitalism Lab“ wird mit diesem Kompetenz-Ansatz für Studierende gearbeitet: https://netzwerk-n.org/wp-content/uploads/2017/01/Wiek-et-al.-2011-Key-competencies-in-sustainability.pdf

Ein wirklich spannender Ansatz um “Third Mission” in die Realität von Hochschule zur transformieren!  

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Wir waren auch mit zwei eigenen Beiträgen zur DGHD präsent, die beide gut besucht waren und unsere eigenen Arbeitsschwerpunkte an der FH repräsentieren.

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Weitere Fundstücke

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Author: Redaktion

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