Rückblick auf Inverted Classroom & beyond, Marburg

Die Konferenz „Inverted Classroom and beyond“ fand heuer das achte Mal statt, diesmal wieder in Marburg. Diese Konferenz ist inzwischen ein nicht wegzudenkender Schrittmacher für die Weiterentwicklung innovativer Hochschuldidaktik im deutschsprachigen Raum. Die FH St. Pölten ist an der Weiterentwicklung der Konferenz beteiligt – so wurde sie 2016 und 2018 gemeinsam mit der PH Niederösterreich in St. Pölten umgesetzt. Die FH St. Pölten ist eine der Hochschulen, die dazu beitragen wird, dass sich diese wichtige Konferenz zu einer DACH-Veranstaltung weiterentwickelt. Christian F. Freisleben von SKILL ist gemeinsam mit Kolleg*innen aus der PH St. Gallen, der HS Osnabrück, der PH Niederösterreich, der Universität Paderborn und der FH Nordwestschweiz dabei die Konferenz am 11. & 12. 2. 2020 in der Schweiz auszurichten, 2021 in St. Pölten und 2022 in Paderborn. Siehe www.icmbeyond.net Gleichzeitig werden gemeinsam Schritte gesetzt für wissenschaftliche Publikationen und für spannende Projekte rund um das Inverted Classroom Modell sowie damit zusammenhängenden innovativen hochschuldidaktischen Ansätzen.

Nun zum Rückblick auf die Konferenz am 26. und 27. 2. In Marburg:
„Drei Schritte zur digitalen Hochschule: MOOCs, Blockchain und KI“
AI und Robotik in der Hochschule (und Schule)
Der OER Code
Inverted Classroom und technisches ZeichnenICM Projekte
Workshop zu Assessment mit Online Tools
Abschluss Keynote: Maker im Bildungsbereich

„Drei Schritte zur digitalen Hochschule: MOOCs, Blockchain und KI“

Nach einer fulminanten Eröffnung mit Live-Musik von Prof. Dr. Jürgen Handke (Jethro Tull) startete Dipl. Ing. Andreas Wittke (Technische Hochschule Lübeck und oncampus mehr) mit einer Keynote „Drei Schritte zur digitalen Hochschule: MOOCs, Blockchain und KI“ (Folien).

Zunächst verwies er auf den aktuellen Hype von Start up- Universitäten wie etwa http://hive.fi. http://code.berlin oder http://xu-university.com – gemeinsam ist von diesen die Behauptung, sie würden innovative Lehre umsetzen mit intensiven Gruppenarbeiten, projekt- und alltagsbezogenen Lernen, Nutzung digitaler Tools. Allesamt Elemente, die eigentlich auch in „normalen“ Universitäten Standard sein sollten.

Finnland hat das ambitionierte Ziel, dass sich min. ein Prozent (etwa 55.000 Menschen) der Bevölkerung bei einem MOOC zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) beteiligt. Dass MOOCs kein Trend mehr sein, das sieht Wittke ganz anders: Coursera hat 33 Mio. Teilnehmende, edX 14 Mio., Udemy 30 Mio und oncampus (ca. 110 kostenlose Kurse) gemeinsam mit dem österreichischen http://imoox.at etwa 450.000. Als Backend für oncampus wurde Moodle gewählt und für diese Zwecke adaptiert, was angesichts fast 1.500 frei verfügbarer Plugins und einer weltweiten community nicht so schwer ist. (Am Start ist auch http://new.moodle.net eine weltweite community von Lehrenden die Moodle nutzen und gemeinsam weiter entwickeln).

Auf Oncampus eingesetzt werden Prinzipien des Game Based Learning, hier vor allem die Verleihung von Online-Badges für erfolgreiche Bildungsschritte. Wichtige Fragen sind dabei, wie Nutzende solche Badges z. B. ebenso am Smartphone speichern, sowie sie (potentiellen) Arbeitgebern vorlegen können. Weiters geht’s um die Sicherheit, dass solche Badges valide sind. Einen möglichen Weg dazu soll der Aufbau eines „Digicerts Netzwerk“ in Schleswig-Hollstein sein, wo solche Informationen in der Blockchain gespeichert werden, schon ab März sollen hier neben Oncampus, TH Lübeck und dem Land u. a. dabei sein: RWTH Aachen, Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik sowie die TU Graz (Träger von imoox.at). Geplant ist dazu auch ein Moodle-Plugin.  Weitere Infos zu den Zertifikaten in der Blockchain finden sich hier. Wittke rief dazu aus, sich an diesem Prozess zu beteiligen, denn die Nutzung der Blockchain, von KI für die Hochschule braucht ein hochschulübergreifendes Vorgehen.

Wittke ging dann auf die Einsatzmöglichkeiten von Bots im Hochschulbereich ein: Ein großer Teil von Menschen die einen Studienplatz suchen, richten an eine Institution die gleichen oder sehr ähnliche Fragen. Ähnliches gilt dann oft während des Studienbetriebs. Mit dem Einsatz von Bots im Hochschulbereich wird schon an verschiedenen Hochschulen gearbeitet (siehe zB hier und hier sowie hier bzw hier in Wien) – nun auch bei oncampus.

Am Ende dann noch ein Blick auf Artificial Intelligence, etwa auch das umstrittene Projekt Open AI, ergänzend siehe hier (How artificial intelligence and virtual reality are changing higher ed instruction) und diesen Text aus der FAZ.

Und eine provokante Schlussanalyse: Bei der analogen Lehre kommen die Lehrenden zum Unterricht. In der digitalen Lehre kommt der Unterricht zum Lernenden.“

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AI und Robotik in der Hochschule (und Schule)

Ein Workshop mit Prof. Dr. Jürgen Handke und Sabrina Zeaiter, M.A. – dieses wird zunächst gut in diesem Video zusammengefasst. Dann noch die Folien.

Der Zu- und Umgang mit Inhalten durch die Studierenden wird in einer selbstständigen Lernphasen unterstützt mit Unterlagen, Bildern und Videos. Dazu kombiniert ist ein formatives Assessment, wo für Lernschritte ein System mit eigens entwickeltes Badges genutzt wird.

Erhoben werden Dauer der Tests, Reihenfolge der umgesetzten Schritte, Testdaten… Diese Daten liefern die Grundlage dafür, dass Studierende individuell unterstützt werden können.

Roboter in der Schule siehe hier (Informatikunterricht) und Einsatzszenarien – auf oncampus gibt es dazu einen achtwöchigen MOOC mit J. Handke. (Als Hintergrund empfehlenswert dieser Text (Ideen zur Rolle von künstlicher Intelligenz im Klassenzimmer der Zukunft).

Ergänzend noch ein Link, wo der Einsatz von Robotern in der Hochschule Marburg vorgestellt wird.

So wie ein brandaktueller Blogpost https://www.netzwerk-digitale-bildung.de/blog/chancen-und-risiken-von-ki-im-klassenzimmer/

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Der OER Code

Alexander Schnücker zuständig für digitale Lehre und didaktische Designs bei Hochschuldidaktik Uni Siegen. Er hat auch das Brettspiele Mensch OERgere Dich entwickelt (und ruft auf, auch selbst Aufgaben dafür zu gestalten und für weitere Iterationen zur Verfügung zu stellen).

Er erinnert zunächst an den in vielen hochschuldidaktischen Konzepten und Curricula am Papier formulierten shift from teaching to learning, der gleichzeitig eine deutliche Veränderung und Erweiterung der Rolle des/der Lehrenden bringt: also weg vom vortragende/n AlleinunterhalterIn zu kooperativen und individuellen lernen. Lernen sei ein kreativer Prozess, der eine ebensolche Vorgangsweisen brauche.

Und: Digitalisierung sei primär eine soziale Intervention und keine technische, es brauche, eine gesellschaftliche Offenheit eine evolutionäre Form der gesellschaftlichen Teilhabe. Und eben der partizipativen Gestaltung von Lehre.

Ein wichtiger Schritt dabei ist: Mediennutzung zu reflektieren sowie zB in sozialen Netzen zu findenden Filterblasen – wobei solche bubbles gibt es seitdem es Menschen gibt. Jeder Text im Internet sei theoretisch referenzierbar; mehr noch es gibt die Option der Gemeinschaftlichkeit jedeR kann teilhaben / mitwirken und vorhandene Artefakte sind auswertbar (Algorithmizität).

Jede/r kann ProsumerIn sein, dies müsse dann auch für die Lehre gelten. Leider sei Hochschullehre nach wie vor viel zu stark am Prinzip „one to many“ ausgerichtet anstatt an many to many, also kollaborative Konzepte. Es würde dabei auch darum gehen, die Verschiebung von einem Produkt (z. B. Vortrag als sehr intensiv umgesetztes Vermittlungskonzept) hin zu einem Prozess, an dem sich möglichst alle beteiligen, wobei dies nicht dem Zufall überlassen wird. So müsse eben Moodle mehr als ein Friedhof für pdf sein, dialogisches Arbeiten gezielt fördern.

Das Grundprinzip der Offenen Bildungsressourcen kann, wie Schnücker betont, eine Vorgangsweise ermöglichen oder unterstützen, die dem many to many, dem „vom Produkt zum Prozess“ entspricht. Denn jede Datei ist grundsätzlich für jeden wieder nutzbar und kann bearbeitet sowie völlig neu zusammengestellt werden. OER hätten also das Potential, soziale Interaktion zu fördern oder ebenso zu initiieren und zu begleiten. „Content wird hier zu social content“ sagt Schnücker. OER können also eine Form von learner generated content sein – wobei dabei die didaktische Grundplanung unerlässlich ist, also OER etwa Ergebnis eines mehrstufigen Prozess sind, aus einer stark am ICM ausgerichteten Lehrveranstaltung. Ergenisse aus dem Lernprozess werden so ebenso für verschiedene Zielgruppen leichter find- und nutzbar, also ein Aspekt der Third Mission von Hochschulen.

Und motivierend: „OER sind ein Thema der eigenen Haltung, die Technik ist da, die Lizenzmodelle, es gibt keinen Grund, nicht jetzt sofort mit OER-Produktion zu beginnen!“ Es würde schon Sinn machen, dass es OER-Datenbanken gibt, gleichzeitig müssten diese ebenso über eigene soziale Netzwerke, über digitale Auftritte distribuiert werden.

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ICM Projekte

Einige bei der Konferenz kennengelernte Praxisbeispiele:

„Einführung in die christliche Archäologie im ICM“ Kurs und Hintergrund

Flipped Lab (TH Köln) siehe hier und hier .

Von einem Teilnehmenden erzählt: HS Wieserbergland: ICM umgesetzt in einem reinen Onlinekurs siehe hier und dieses Video.

Auf Twitter geteilt Beispiel der Uni Bochum zu Machine Learning mehr

 

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Inverted Classroom und technisches Zeichnen

Ein Workshop zu diesem interessanten Projekt, das hier gut zusammengefasst ist.

Miriam Losch (Institut für Maschinenwesen) von der TU Clausthal stellt das Konzept einer Einführungsveranstaltung vor: diese startet mit 2h Präsenz (viel Organisatorisches) dann folgt Selbststudium mit Videos, Arbeitsblättern, Lernzielbeschreibung, Checkliste, Skript zu technischen Zeichen und ergänzend eine wöchentliche Sprechstunde als Angebot.

Dann Wissenskontrolle durch moodle-Online-Test als Selfassessment (wh 3x möglich). U. a. mit drag & drop zB Winkel schätzen; dann Frage mit Bild und single choice aus 5 Punkten; ergänzt mit Pool aus Fragen die zufällig ausgewählt werden. Es folgt ein mehrphasiger Übungsteil, wo Studierende z. B. ausgehend von Holzmodellen arbeiten, erste Zeichnungen anfertigen, die dann Schritt für Schritt detaillierter und komplexer werden. Als Ideen entstanden im Workshop: Integration von spielerischen Elementen inkl. Levels und Badges, Studierende entwickeln selbst Aufgabenstellungen und Prüfungsfragen für andere Studierende, Studierende machen Zeichnung mit Fehler – andere Studierende sollen diese Fehler entdecken und begründen warum dies ein Fehler ist oder auch warum der Fehler eigentlich eine neue Lösungsoption aufzeigt. Studierende filmen das Anfertigen der Zeichnungen, Videos beschleunigen und dann von anderen Studierenden im Peer-Assessment analysiert.

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Workshop zu Assessment mit Online Tools

Gut zusammengefasst in diesem Video mit Jürgen Handke,

Hängen geblieben ist bei mir das Assessment gegen Ende: früher war dies reine Faktenüberprüfung; ab 2017 eingesetzt werden kompetenzorientierte Fragestellungen wie counting elements, input task, listening task, selection task – aber kein multiplechoice mehr! Hier ist erlaubt/erwünscht Internet zu nutzen. Studierende merken: ein offener Wikipedia tab hilft nix und auch vorher gut ausgesuchte Seiten, gefragt ist hier vernetztes Denken, Nutzen von Gelernten.

 

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Abschluss Keynote: Maker im Bildungsbereich

Martin Ebner (TU Graz; Folien) sagt informatische Grundbildung ab Sekundarstufe 2 ist im Europavergleich und auch sonst reichlich spät (siehe hier Infos zu Österreich bzw. zur Schweiz). Ein Ziel müsse digitale Mündigkeit sein, wo es kein explizites / alleiniges Ziel, Programmierer*innen auszubilden, sondern viel stärker, Digital Literacy breit zu definieren & systematisch zu fördern.

Ein Weg dorthin sind auch Methoden aus dem Maker Bereich. Schon Montessori und Dewey setzten sich für Learning by doing ein (und Comenius). Wichtige Grundprinzipien sind dabei laut Ebner:

Lehrende sind cocreator

  • Lernen durch Konstruktion – Ergebnis ist Produkt, scheitern ist erwünscht
  • auch digitale Tools
  • selbstorganisiertes Lernen & peer learning & offenes Lernen
  • mit lehrenden auf Augenhöhe
  • gendersensibel & interdisziplinär und niederschwellig
  • mit Auswirkungen / Ideen für die wichtigen Probleme der Welt in unserer Zeit

(Hinweis: Spätestens hier wird deutlich, wie nahe diese Prinzipien vielen Grundsätzen sind, die auch die Planung und Umsetzung des ICM prägen sollten. Am Weg zur nächsten #icmbeyond (11. & 12. 2. PH St. Gallen) werden Menschen aus dem Organisationsteam einen Beitrag zu diesen Zusammenhängen gestalten, die deutlich über den IT Bereich hinaus gehen, denn educational maker spaces sind nicht nur ein im aktuellen Horizon Report georteter Trend, sondern ebenso ein Themenfeld der #icmbeyond20).

Im August gibt es „makerdays for kids“ an der TU Graz. Dazu gibt es auch dieses Handbuch, das viele Anregungen enthält, die ebenso im Hochschulbereich sinnvoll und möglich wären. (ebener verweist auch auf den Ansatz der microbits, ein aktuelles österreichisches Schulbuchprojekt inkl Online-Komponenten, dazu gibt’s auch MOOC).

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Author: Redaktion

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