#tdlfhstp19 – An- & Überforderung und Sicherheit bei Prüfungen

Birgit Szczyrba, Leiterin Hochschuldidaktik des Zentrums für Lehrentwicklung an der TH Köln ist erfreulicherweise die Keynoterin des 8. Tag der Lehre der FH St. Pölten am 17. 10. 19, sie gibt dort dialogorientierte Impulse zu „Unhintergehbare Anforderungen, dosierte Überforderung und orientierende Sicherheit – Anforderungen an Hochschulprüfungen in der Kompetenzorientierung“ 

Dazu zunächst ein Videointerview:

An Hochschulen zeigt sich hier und da noch immer eine Prüfungspraxis, die dem Shift from Teaching to Learning, der Kompetenzorientierung und den damit einhergehenden Entwicklungen nicht in Gänze gerecht wird. Noch immer wird mit Prüfungskonstruktionen gearbeitet, deren ‚Bauweise‘ bei genauem Hinsehen das allseits unerwünschte Oberflächenlernen erzeugt (Schaper, 2017, S. 871) oder alle Beteiligten mit Ungewissheit über die von den Studierenden erworbenen Kompetenzen zurücklässt. Unzufriedenheit und Anstrengung auf zwei Seiten sind das Resultat ‒ Lehrende leiden unter den wenig komplexen Lernergebnissen; Studierende klagen über Intransparenz, mangelnde Nachvollziehbarkeit und fehlende Fairness vor und nach der Prüfung (Wunderlich & Szczyrba 2018). Warum bleiben Teile der hochschulischen Prüfungspraxis hinter dem Anspruch der Kompetenzorientierung zurück?

Der Vortrag führt durch diese Fragestellung und versucht eine Antwort entlang von fünf Thesen:

  • Gelernt wird, was geprüft wird, wenn Prüfungen unhintergehbare und transparente Anforderungen zum Gegenstand haben (Schindler, 2015, S. 63).
  • Diese Gegenstände ergeben sich aus den Anforderungen der Gesellschaft an die hochschulischen Fächer (Rhein, 2013, S. 7).
  • Die lehrenden und prüfenden Fachvertreter*innen lassen die Studierenden authentisch erleben, wie sie drängende gesellschaftliche Fragen bearbeiten können und wofür die Gesellschaft sie als Absolvent*innen brauchen wird (Kreber & Szczyrba, 2019).
  • Die Unhintergehbarkeit der Anforderungen wird durch Prüfungskonstruktionen gesichert, die valide, fair, reliabel (Reis, 2014, S. 136f.) und ökonomisch (Reis, 2015, S. 21) sind und durch ihre Struktur und Qualität komplexe Anforderungsimpulse setzen.
  • Getragen werden die Prüfungskonstruktionen und ihr Funktionieren von einer Beziehungsgestaltung Lehrender und Studierender (Reis & Szczyrba, 2010) zwischen geplanter Überforderung und orientierender Sicherheit.

 

Literatur

Kreber, C. & Szczyrba, B. (2019). Praktische Klugheit in der Lehre durch Scholarship of Teaching and Learning. Forschung und Innovation in der Hochschullehre. Research Paper 7. Verfügbar: https://cos.bibl.th-koeln.de/solrsearch/index/search/searchtype/series/id/12 (i.E.).

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Author: Redaktion

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