Workshop zu ICM bei E-Learning Tag der BFH Bern

Christian F. Freisleben vom SKILL-Team war, wie im vergangenen Jahr, wieder eingeladen worden, einen Workshop zum Inverted Classroom Modell beim internen E-Learning Tag der BFH Bern zu gestalten. In diesem Beitrag wird das didaktische Design dazu vorgestellt sowie Einblicke in die Keynote mit Prof. Dr. Jürgen Handke gegeben.

Prof. Dr. Jürgen Handke war einer der ersten, der sich im deutschen Sprachraum für eine konsequente Umsetzung der Herangehensweise des Inverted Classroom Modells als didaktisches Grundkonzept an Hochschulen einsetzte. So unterstützte er 2014 auch den Einstieg der FH St. Pölten dabei. 2015 erhielt er den renommierten Ars Legendi-Preis im Bereich digitales lehren und lernen des deutschen Stifterverbandes.

Handke kritisierte in seiner Keynote zunächst, dass in vielen Hochschulen im deutschen Sprachraum nach wie vor ein (zu) starker Schwerpunkt auf eine Inhaltsvermittlung im Hörsaal gelegt wird, Studierende dann aber bei der individuellen Vertiefung der Inhalte oft alleine gelassen werden. Dazu kommt ein Verständnis von E-Learning, das in vielen Fällen solche Strukturen noch verfestigt: Es werden oft endlos lange Pdf’s zur Verfügung gestellt oder Aufzeichnungen von Vorträgen mit teils bis zu und über 90 Minuten Länge. Dazu kommen manchmal Aufträge, bestimmte Bücher oder Fachbeiträge zu lesen, was aber oft nicht umgesetzt liegt, wobei dies meist nicht am fehlenden Engagement Studierender liegt, sondern der Art und Weise dieses didaktischen Designs, in dem Studierende eine sehr passive Rolle haben.

„Lehrende werden durch Digitalisierung nicht arbeitslos. Im Gegenteil sie verstärken ihre Tätigkeit, Studierende intensiver und individueller zu begleiten bzw. zu unterstützen“, so Handke. Ein Baustein ist etwa die übersichtliche und auch ästhetisch ansprechende Aufbereitung eines Lernmanagement-Systems, auf dem sich dann zu – möglichst vielfältigen – Vorbereitungsmaterialien abgestimmte Arbeitsaufträge finden. Dazu kann dann auch ein gut gemachtes E-Assessment gehören, wobei, wie Handke betont, immer alles auf das Geschehen in Präsenzphasen abgestimmt ist. Dazu gehören dann kompetenzorientiert gestaltete Aufgaben, wo Texte oder Zahlen durch Studierende eingeben werden müssen, Zuordnungsaufgaben gelöst oder dynamic multiple choice umgesetzt wird – hier gibt es nicht vier oder mehr Auswahlmöglichkeiten, sondern immer nur eine, die dann zu einer weiteren Fragestellung führt. Dabei haben Studierende beliebig viele (Fehl)Versuche, womit sich ein kontinuierlicher Lernprozess ergebe. Assessment sollte generell formativ erfolgen, also eben n kleinen, überschaubaren Schritten.

„In diesen brauchen Lehrende dann eigentlich keine Power Point Folien mehr“, denn so Handke in den Präsenzphasen würde eben Wissen angewendet und vertieft. Sowohl für die Präsenzphasen als auch das selbstständige Lernen sei unabdingbar, dass es kollaborativ bearbeitbare Dateien gibt sowie die Möglichkeit, digitale Artefakte – also z. B. auch Fotos – in einer sicheren Cloudlösung zu speichern. Ebenso zum Einsatz kommen sollte Live-Voting als Form von einem einfachen Assessment – an der FH St. Pölten kann dazu die im Haus von Studierenden entwickelte App Tenjin zum Einsatz kommen bzw. auch mit dem SKILL-Quiz kombiniert werden.

Ein weiterer Faktor für digitalisierte Lehre, die ihren Namen verdient, ist für Handke Gamification: Studierende bekommen für erfolgreich erledigte Arbeitsschritte Punkte, können ihre Leistungen mit anderen in einer spielerischen, motivierenden Weise vergleichen.

Handke zeigt also einen Weg, der von vielen Lehrenden auch an der FH St. Pölten umgesetzt wird. Das Inverted Classroom Modell steht übrigens auch im Zentrum der Konferenz „Inverted Classroom & beyond“, am 11. und 12. 2. 2020 in Baden bei Wien.

Nach der Keynote wurden noch Möglichkeiten des Moodle Plugins SudentQuiz vorgestellt und gemeinsam dazu Fragen und Antworten formuliert.

 

Workshop zu kompetenzorientiert ausgerichteter Präsenzphase

Teilnehmende am von Christian F. Freisleben begleitenden Workshop setzten sich im Vorfeld mit Prinzipien der Formulierung von kompetenzorientierten Lernzielen auseinander (siehe hier). So brachten sie zu eigenen Lehrveranstaltungen auch selbst formulierte Lernziele mit – sowohl auf fachlicher, als auch auf überfachlicher Ebene. Diese wurden miteinander zunächst in Kleingruppen besprochen und dabei einander Rückmeldung geben. Solche Formen von Peer Learning sind ein ganz wichtiges Qualitätsmerkmal vom am ICM ausgerichteten Bildungssettings.

Solche Lernziele sind ein wesentlicher Schritt des Constructive Alignments, also einem Durchdenken einer Lehrveranstaltung von der ersten Kontaktaufnahme mit Studierenden bis hin zu abschließenden Prüfungsschritten. Sie sind zudem am Modul sowie am Curriculum eines Studiengangs ausgerichtet und haben ebenso möglichst enge Bezüge zu künftigen Anforderungen im Berufsfeld sowie zu aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Lernziele können Studierende auch dabei unterstützen, individuelle Lernschritte zu formulieren sowie Schwierigkeiten und Erfolge bei ihrer schrittweisen Umsetzung zu reflektieren – auch dieser Prozess ist kein Zufall, sondern wird durch Lehrende kontinuierlich begleitet.

Im zweiten Teil des Workshops kam die Methode „Museum“ zum Einsatz. In den selben Kleigruppen wie zuvor dachten Teilnehmenden zu einem ausgewählten fachlichen und einem überfachlichen Lernziel über Methoden nach, die Studierende in Präsenzphasen dabei unterstützen, an diesen in jeder Hinsicht „dran zu bleiben“. Es entstanden hier in kürzester Zeit ein schöner Überblick zu vielfältigen methodischen Handlungsoptionen – diese wurden von den Teilnehmenden in kreativen Artefakten für das Museum dargestellt.

Im Anschluss an den Workshop gab es Reflexionsrunden der Departments sowie eine Runde, bei der sowohl Personen der Leitungsebene der BFH, der Hochschuldidaktik und externe Referenten dabei waren, wie Jürgen Handke und Christian F. Freisleben. Beide setzten sich sehr nachdrücklich dafür ein, Lehrende bei dem so gern zitierten „shift from teaching to learning“, so intensiv wie möglich zu unterstützen: Durch Weiterbildungsangebote – gerade auch zur Weiterentwicklung der eigenen Digital Literacy als Lehrende*r -, durch organisatorische Unterstützung beim gegenseitige hospitieren, durch Formate wo Lehrende gemeinsam an Lehrmaterialien und didaktische Designs arbeiten bzw. diese reflektieren, durch organisatorische Maßnahmen wie das Freispielen von verschiedenen organisatorischen Tätigkeiten, damit Zeit für die didaktische Planung bleibt sowie durch technische Ausstattung und Personen, die bei der Planung und Umsetzung von Lehrmaterialien unterstützen. Ebenso als wichtig betont wurde der intensive und kontinuierliche Dialog mit Studierenden zur gemeinsamen Weiterentwicklung von Lehre. All dies müsste Teil einer partizipativ immer vwieder weiterentwickelten Hochschulstartegie sein.

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Author: Redaktion

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