Innovative Lehre sichtbar machen #7: Realitätsnahe Praxissimulation durch ein „Produktions-Planspiel“

Im Rahmen der Initiative „Innovative Lehre sichtbar machen“ werden im Sommersemester 2019  im SKILL-Blog laufend Good Practice Beispiele aus allen Departments der FH St. Pölten präsentiert.

Heute wird die LV BPVU (Betriebs- und Produktionsmanagement in Eisenbahnunternehmen) aus dem 1. Semester des Masterstudiengangs Bahntechnologie und Management von Bahnsystemen vorgestellt, in der ein von LV-Leiter Robert Bruckner entwickeltes „Produktionsplanspiel“ umgesetzt wird.

In der Vorlesung BPVU  im Masterstudiengang Bahntechnologie und Management von Bahnsystemen stehen jene Produktionsprozesse im Mittelpunkt, die nötig sind, damit ein Zug „auf die Schiene“ kommt und zur Abfahrt bereitgestellt werden kann. Das beinhaltet z.B. die Themen Fuhrparkmanagement, Fahrzeugdisposition, Verschub von Waggons, Instandhaltung, Reinigung und Catering. Ein wichtiger Ansatz ist dabei, wie diese Prozesse analysiert, bewertet und optimiert werden können – hier setzt das Produktionsplanspiel an. Dieses habe ich als wichtigen Teil in die Lehrveranstaltung (2 ECTS/ 1,5 SWS) integriert und stelle hier den Ablauf vor:

Produktionsplanspiel mit LEGO

Dabei wird ein Produkt mit LEGO-Steinen von den Studierenden in Fertigungsstraßen mit verschiedenen Arbeitsstationen gebaut. Für eine Fertigungsstraße werden optimaler Weise zwischen 12-15 Studierende eingesetzt, was in unserem Fall zwei Fertigungsstraßen ergab (27 Studierende), die jeweils eine Funktion im Betrieb zugeordnet erhalten haben. Dies geht von Schichtleitung, Qualitätsprüfung über die Arbeitsstationen bis zur LagermitarbeiterIn.

Nach einer Proberunde wird die erste Fertigungsrunde gestartet, wobei die Studierenden hier nach einer „Produktionsanleitung“ vorgehen. Diese Runde dauert 10 Minuten, in der auf Bestellung die Bauteile produziert werden (Push-Produktion).

Danach folgt die erste 15minütige Teambesprechung, in der gemeinsam Verbesserungen der Produktionsabläufe entwickelt werden, also auch wie der Arbeitsplatz verändert und der Personaleinsatz effizienter gestaltet werden kann. Darauf folgt die erste optimierte Fertigungsrunde, in welcher der geänderte Prozess ausprobiert wird.

Wir haben dann eine zweite Teambesprechung und wieder eine Optimierungsrunde umgesetzt, wobei es auch noch mit einer dritten Runde weitergehen könnte. Mehr Runden sind nicht zu empfehlen, da der Optimierungsgrad immer schlechter wird und es dann für die Planspielenden eher langweilig ist.

Schaffung einer Wettbewerbssituation

Im Zuge der Teambesprechungen gab es jeweils einen Vergleich der bereits stattgefundenen Runden und einen kurzen Fachinput von mir aus dem Feld Lean-Management (Muda – die 7(8) Arten der Verschwendung), der auf die Verkehrsproduktion umgelegt wird. Eine Bewertung der Runden auf ihren Optimierungsgrad und Verbesserung erfolgt durch die Anzahl der erzeugten Bauteile in der gleichen Zeiteinheit. Durch zwei Fertigungsstraßen entsteht auch bereits eine Wettbewerbssituation, die ebenfalls zusätzliche Motivation erzeugt.

Reflexion anstoßen, Optimierungspotentiale aufspüren

Ziel des Produktionsspiels ist es, aus den beiden Optimierungsrunden und Teambesprechungen heraus ein Nachdenken über Prozessabläufe anzustoßen, Optimierungspotentiale zu finden und gemeinsam Wege zur Umsetzung zu entwickeln. Dazu gehört, wie beschrieben, auch eine Produktionsstrategie abzuleiten, einen Produktionsplan zu erstellen sowie einen Produktionsstandort einzurichten bzw. weiter zu entwickeln. Ein weiteres Ziel ist, dass zukünftige Führungskräfte sich auf intensive Weise mit dem Thema Optimierung auseinandersetzen, indem sie Dinge selbst ausprobieren und erst danach Entscheidungen treffen.

Ein großer Mehrwert des Planspiels ist, dass bisheriges Wissen aus der Lehrveranstaltung und aus der Praxis in einer sehr intensiven Weise angewendet, vertieft und weiterentwickelt wird.  Im Feedback der Studierenden am Ende des Spiels kamen sehr positive Rückmeldungen, die vor allem von der sehr praxisnahen Produktions-Simulation äußerst angetan waren.

Serie: innovative Lehre sichtbar machen!

In den kommenden Wochen werden weitere inspirierende Lehrprojekte aus allen Departments der FH auf Teamwork und auf dem SKILL-Blog präsentiert.

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Author: Josef Weißenböck

Leiter des Kompetenzzentrums für Hochschuldidaktik "SKILL" an der FH St. Pölten seit 2008. Aufbau des hochschuldidaktischen Fortbildungs- u. Beratungsangebotes, Entwicklung des Lehrgangs zum “Zertifikat hochschuldidaktische Kompetenz” und der Vernetzungsveranstaltung “Tag der Lehre”. Inhaltliche Schwerpunkte: Didaktisches Design, Student Centered Learning, Blended Learning, aktivierende Lehrmethoden und Peer Learning als Strategie didaktischer Kompetenzentwicklung.

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