Fishbowl – Methodik

Einsatz:

Grundsätzlich wird die Methode für Situationen verwendet, wo einerseits diskutiert wird und andererseits nach bestimmten Kriterien beobachtet werden soll. Wichtig ist, dass die Fragen offene Fragestellungen sind. Bedacht werden sollte auch, dass es eine zahlenmäßige Beschränkung der TeilnehmerInnen für die meisten Varianten des Fishbowls gibt (als gut machbar erscheint eine Zahl bis 30 Personen – ein Minimum an acht Personen).

Als LehrveranstaltungsleiterIn ist es wichtig:

  1. für BeobachterInnen mögliche Beobachtungsaufträge zu formulieren
  2. weiters muss überlegt werden, ob es eine/n ModeratorIn geben soll (und was die Zuständigkeiten/Befugnisse dieser Person sein sollen)
  3. Überlegen sie sich zumindest eine Schlüsselfrage als Diskussionsthema, sorgen sie dafür, dass eine gemeinsame inhaltliche Grundlage bereitgestellt ist (ein kurzes Paper, Zeitungsartikel-abhängig von ihren Intentionen) und machen sie sich Gedanken über einige Grundregeln (Zeitangabe – empfohlen sind zumindest 15 Minuten Diskussion – nur eine Person spricht, usw…)
  4. Wollen sie als LehrveranstaltungsleiterIn zusätzliche Elemente in Form von weiteren Rollen hineinbringen (zum Beispiel die Rolle eines Provokateurs), dann machen sie sich dazu entsprechende Gedanken und briefen sie dann dementsprechend TeilnehmerInnen des Fishbowls. Sie sollten sich überlegen welchem Zweck dies dienen soll.
  5. die eigene Rolle während und nach dem Fishbowl – empfohlen ist eine supervisorische Rolle einzunehmen und am Ende des Fishbowls klar zu resümieren; d.h. die TeilnehmerInnen inklusive BeobachterInnen berichten alle und dann kommt erst das sogenannte Debriefing durch die Lehrveranstaltungsleitung; hier kann das alles einfließen, was sie gerne ergänzen wollen, eventuelle Fehler/ Einbahnen aus Diskussionen, alternative Modelle

Optionen: Grundsätzlich kann und sollte jede Methode auf die eigene Lehrveranstaltung angepasst werden (auf die Learning Outcomes, das eigene Lehrverhalten, und eine variable Anzahl anderer Faktoren)

* Fishbowl mit verschiedenen Parteien/ Pro und Contra + neutrale Position: hier dreht sich die Diskussion oft um eine zentrale Fragestellung, die dann vorher typischerweise durch zwei Rollen vertreten werden – dieses Fishbowl-Modell kann dabei durchaus emotional vertreten werden. Wichtig erscheint dabei der Perspektivenwechsel, dass die TeilnehmerInnen unbedingt auch aus der entgegengesetzten Position argumentieren müssen

* Fishbowl zum Kennenlernen / Moderator lenkt mit Fragen / hier können bequem auch mehrere (Lösungs-)Ansätze in der Diskussion vorgestellt werden, was im Gegensatz zur Pro- und Contra Variante auch dazu beiträgt weniger Bewertungen vorzunehmen und die verschiedenen Ansätze auch nebeneinander bestehen zu lassen

* Drei Kreise – eigene Adaption/ Multiparty Discussion: Besonders geeignet wenn es größere Studierendengruppen sind (eigene Durchführung bereits mit 55 Studierenden erfolgreich durchgeführt) und trotzdem die Methode eingeführt werden soll. Das Prinzip ist die gesamte TeilnehmerInnenanzahl in mehrere Gruppen zu teilen. Jede Teilgruppe nominiert zumindest eine Person für den Innenkreis und weitere zwei Personen für den ersten Außenkreis. Der erste Außenkreis hat dabei die Aufgabe immer wieder die nominierte Person des Innenkreises abzulösen. Die restlichen Mitglieder der Gruppe befinden sich im zweiten Außenkreis und haben dort Beobachtungsaufgaben, können jedoch auch kurzzeitig am freien Sessel in der Mitte an der Diskussion teilhaben.

* Samoa Kreis/ Hier gibt es zumindest einen Innenkreis, und entweder einen stehenden oder sitzenden Außenkreis. Alle TeilnehmerInnen sind im Außenkreis, in der Mitte stehen einige wenige Stühle (3-5). Wer etwas sagen möchte setzt sich zeitweise auf einen der Stühle und tritt wieder hinaus. Wenn alle Stühle besetzt sind (hier gibt es keinen freien Sessel), tritt die Person hinter einen Sessel und nimmt Platz, wenn dieser frei wird. Es gibt keine Beschränkungen, wie oft der Stuhl besetzt wird. „Gefahr“ ist, dass der Prozess von Einzelpersonen monopolisiert wird, dieses Problem offen ansprechen.

Prinzipien:

  1. Es gibt zumindest einen Innenkreis, als auch einen Außenkreis. Varianten davon sind möglich – bspw. Innenkreis, zweite Reihe mit DiskutantInnen und BeobachterInnen.
  2. Nur innerhalb des Innenkreises darf gesprochen werden.
  3. Ein Stuhl bleibt immer leer. In der Basisversion kann dieser Sessel aus dem Außenkreis kurzzeitig besetzt werden. Der freie Platz darf zum Fragen stellen und Meinung artikulieren (frischen Wind einbringen) genutzt werden.
  4. Es müssen offene Fragestellungen sein.
  5. Es macht Sinn, wenn sie eine oder zwei TeilnehmerInnen als „Eisbrecher“ einweisen, damit die Diskussion ins Laufen kommt. Eine solche Funktion kann natürlich auch durch ModeratorInnen eingenommen werden.

Auf was beim Beobachten geachtet werden könnte (sollte ergänzt werden entsprechend den Learning Outcomes für die Studierenden):

  • Stick to the topic?
  • Argumente der Vorredner werden miteinbezogen?
  • (wird der Sprecher angesehen, wird verständlich gesprochen, ausreden lassen)
  • Überzeugen die Argumente der RednerInnen? Werden eventuell sogar Personen der entgegengesetzten Gruppe argumentativ überzeugt?

Strukturelle Probleme von Diskussionen:

  • Unterschiedliche Eloquenz der TeilnehmerInnen
  • Spannungs- und Frustrationspotential von TeilnehmerInnen
  • Entschärfung emotional aufgeladener Entscheidungsfindungsprozesse
  • Angst der TeilnehmerInnen
  • Desinteresse

Mögliche Moderationsregeln (sollte ergänzt werden entsprechend den Learning Outcomes für die Studierenden):

  • Moderator als „unbeteiligter Dritter“
  • Reihenfolge RednerInnen einhalten
  • Alle Meinungen werden gehört
  • Kein Verbünden mit DiskutantInnen / keine Bevorzugung-Benachteiligung
  • Beruhigen, wenn zu laut
  • Time-Management
  • Zusammenfassen der Ergebnisse

Bonus:

  • Verschiedene Perspektiven einnehmen / Rollenverteilung möglich
  • “diskussionsschwache“ Gruppen werden besser aktiviert
  • Training von „Diskussionsregeln“
  • DiskussionsleiterInnen könne Basics der Gesprächsmoderation üben
  • BeobachterInnen haben die Möglichkeit Diskussionsstrategien kennenzulernen
  • Artikulierung eigener Bedürfnisse

Ergänzungen und Inspirationen von verschiedenen Institutionen zum Thema Fishbowl:

http://www.bpb.de/lernen/unterrichten/grafstat/46416/info-04-04-der-samoa-kreis

http://www.politischebildung.com/pdfs/windischbauer_aw2.pdf

http://dtserv3.compsy.uni-jena.de/__C1257CB30028F0A3.nsf/0/5470AD57846654B9C1257CC30034838A/$FILE/Fishbowl.pdf

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