#tdlfhstp – Dokumentation Tag der Lehre 2016

© Viesinsh

Auch der 5. Tag der Lehre wurde zu einer sehr spannenden und erkenntnisreichen Veranstaltung. Mehr als 100 engagierte AktivistInnen in Sachen innovativer Lehre konnten so sicherlich einiges an Inspiration für Ihre Arbeit mitnehmen.

Hier der

Darüber hinaus finden sich hier vielfältige Materialien zu den einzelnen Programmpunkten:

  • Keynote: Prof. Karl-Heinz Gerholz, Universität Bamberg: „Kompetenzorientierte Lehre als Studiengangsentwicklungsaufgabe“ (Folien / Video / Blogbeitrag inkl. Videogespräch)
  • Video von der Plenaraktion mit Prof. Dr. Christian Spannagel & Christian F. Freisleben (ergänzend Beitrag zu Inverted Classroom Modell & KOmpetenzorientierung aus dem Tagungsband); dazu gibt es auch eine ausführliche Dokumentation & Reflexion mehr
  • G. Csanyi, TU Wien: Kompetenz-Orientierung – über die Mühen der Ebene und ein passendes Trainingsprogramm für Marathon-NovizInnen (Folien)
  • M. Holler / S. Rasch, HAW Hamburg: Multiplikatorenmodell zur Einführung von Kompetenzorientierung (Blogbeitrag inkl. Videogespräch)
  • A. Kolm / H. Kritz, FH St. Pölten: Interdisziplinäre Modulprüfung (Plakat / Blog- mit Videobeitrag)
  • J. Pauschenwein, FH Joanneum: ePortfolios: Prozess & Bewertung (Poster / Blogbeitrag inkl. Videogespräch / ergänzend Hintergrundinfo der FH St. Pölten zu E-Portfolio)
  • F. Scheidig, FHNW: Kompetenzorientierte Studiengangsentwicklung top-down, bottom-up oder diskursiv-zirkulär? (Folien)
  • P. Decker, HAW Hamburg: Die Fallstudie als schriftliche Prüfungsleistung – Kompetenzorientierte Restrukturierung der Modulprüfung „International Capital Markets“ (Poster / Blogbeitrag inkl. Videogespräch)
  • P. Judmaier / W. Gruber, FH St. Pölten: MI-Quiz: Game Based Learning als  Assessment-Methode (Folien)
  • S. Jungwirth / D. Muhr, FH Wr. Neustadt: Die Forschungs- und Lehrpraxis als Ort der fachpraktischen Kompetenzentwicklung (Blogbeitrag inkl. Videogespräch)
  • C. Ramos / P. Salamanca, HS f. angewandte Sprachen München: Flipped Classroom für die Entwicklung von Schreibkompetenz (Folien)
  • Workshop O. Vrabl:  „Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Formulierung von Lernerergebnissen (siehe Beitrag im Tagungsband, S. 7-25)
  • Workshop: Lernräume und Kompetenzorientierung (Blogbeitrag mit Videogespräch – dieser wurde inzwischen auch mit einer Beschreibung des didaktischen Designs des Workshops und allen eingesetzten Materialien ergänzt)

 

Dokumentation & ausführliche Reflexion der Plenaraktion mit Prof. Dr. Christian Spannagel & Christian F. Freisleben

Lernen aus einer Plenaraktion

Am 5. Tag der Lehre (20.10. 2016) gab es nach dem Mittagessen eine Plenaraktion für alle Teilnehmende. Gemeinsam geplant wurde diese seit Ende August von Prof. Dr. Christian Spannagel (PH Heidelberg) und Christian F. Freisleben (FH St. Pölten). Ein Ausgangspunkt waren die vom Team des „Tag der Lehre“ entwickelten Lernziele der Veranstaltung. Wesentliche Ziele waren:

  • Ausgehend auch von einem von einem parallel gemeinsam geschriebenen Beitrag zu Inverted Classroom Modell für den Tagungsband Zusammenhänge zwischen diesem didaktischen Modell und Kompetenzorientierung erkennbar zu machen bzw. aufzuzeigen
  • Dass die Teilnehmenden sich nochmals intensiv mit Kompetenzorientierung und damit verbundenen Methoden, die vor allem in der Präsenzphase zum Einsatz kommen können auseinandersetzen bzw. diese gemeinsam (weiter)entwickeln
  • Schnell dafür zu sorgen, dass Teilnehmende in unterschiedlichen Konstellationen in vielfältiger Weise in einen Austausch treten sowie dabei voneinander einiges erfahren – also vor allem sich auch Menschen begegnen, die wahrscheinlich bei der Konferenz miteinander sonst nicht so intensiv gemeinsam gearbeitet hätten
  • Methoden / Handlungsprinzipien aus der Angewandten Improvisation einzusetzen, um diese Ziele zu unterstützen sowie zu einer Atmosphäre beizutragen, die von Kooperation, von- und miteinander lernen geprägt ist

Geplant war, dass die Plenaraktion gemeinsam vor Ort umgesetzt wird. Für Christian Spannagel war es dann aus terminlichen Gründen leider kurzfristig nicht möglich zu kommen. Daher wurde gemeinsam entschieden, dass er via Adobe Connect zugeschaltet wird und dafür einige Vorgangsweisen adaptiert wurden. Diese sah dann wie folgt aus:

  • Input von Christian Spannagel (CS) zum Thema der Plenaraktion (war als gemeinsame Pecha Kucha geplant), Bild von CS wurde dann weggeschaltet
  • Aufruf / Erklärung von Christian F. Freisleben jeweils unterlegt mit einer Power Point Folie sowie für die ersten drei Schritte mit A4-Blatt in der Tagungsmappe visualisiert (war abwechselnd geplant)

Phase „Kollegiale Beratung“ zu zweit

  • Hinweis, dass jetzt der am Platz liegende Stift bzw. die Moderationskarte zum Einsatz kommen würden (heftiges Kramen in den Mappen als Reaktion)
  • sich selbst zu einer gerade zurückliegenden oder unmittelbar bevorstehenden Lehrveranstaltung 3 – 5 Kompetenzen zu notieren, die Studierende in dieser erwerben sollen (Zeitvorgabe: 3 Min.)
  • Sich zu zweit zusammenzudrehen und sich gegenseitig vorzustellen (Name, Disziplin) (Zeitvorgabe: 1 Min.)
  • A (Person die den weitesten Anreiseweg hatte oder die Jüngste ist) liest gefundene Kompetenzen vor, B (zweite Person) empfiehlt dazu spontan Methoden für die Präsenzphase, die deren Erreichen unterstützen sowie Wechsel: Festhakten der Ergebnisse auf 2 Moderationskarten (jeweils 3 Minuten)

Phase Arbeit in 10 Kleingruppen mit jeweils max. 10 Personen

  • Bedeutung der Nummern auf der Tagungsmappe 1 – 10: an den Rändern des Raums standen 10 Pinnwände die ebenso diese Nummern trugen – alle mit der Nummer 1 gehen zu Pinnwand usw.
  • Ausblick auf Kleingruppenphase (hier die bemerkenswert umfangreichen Ergebnisse gesammelt) die dann bestand aus (jeder Schritt anmoderiert und zusätzlich mit einer gleichlautenden Erklärung (in A3) an der Pinnwand visualisiert):
    • Clustern der Moderationskarten aus der Phase „Kollegiale Beratung“ auf Vorderseite der Pinnwand (4 Minuten)
    • Chaosgenerator: Gemeinsam überlegen, warum diese Methoden / Ansätze sicher nicht funktionieren / wie ihr Funktionieren behindert werden kann (4 Minuten)
    • Brainstorming mit „Ja, genau! Und…“ zu ein bis drei gefundenen Methoden von der Vorderseite, wie diese umsetzbar sind (5 Minuten)
    • Gemeinsames Formulieren einer Frage, die dann an CS gestellt werden kann
  • Fragerunde an CS (moderiert von CFT); ursprünglich angedacht war das Thema / Umsetzung von Debriefing

Einige Wahrnehmungen:

  • Die Teilnehmenden folgten den Einladungen von CFT, wobei die „Reaktionszeit“ (Einladung bis Umsetzung) im Laufe der Plenaraktion eher länger wurde
  • Es fanden sich sehr schnell Paare zusammen, die schon nach dem ersten Impuls in einen sichtlich intensiven Austausch gingen;
  • Bei der Erklärung der kollegialen Beratung war in der Anweisung auf der PowerPoint-Folie (auch so vorgelesen) ein Denkfehler, der aber auf eine Nachfrage hin rasch geklärt werden konnte (A statt B und wer was als erstes tun soll)
  • Bei der kollegialen Beratung setzte sich diese Intensität, die gegenseitige – auch in der Körpersprache sichtbare – Zuwendung fort
  • CFT brauchte drei Anläufe, um sich dann wieder Gehör zu verschaffen – Zwischenruf aus dem Publikum das für Austausch zuwenig Zeit vorhanden war
  • Kleingruppenphase: Jede/r wusste sichtlich, wo er/sie hin sollte, der Weg zu den Pinnwänden ging schnell, das Clustern begann sofort
  • Bei allen Phasen der Arbeit der Pinnwände: Intensives Tun, wobei einige Teilnehmende eher am „Rand“ der Kleingruppe blieben
    • In den meisten Fällen schrieb eine Person
  • CFT brauchte wieder drei Anläufe, um sich Gehör zu verschaffen (spätestens ab dieser Stelle hatte ich zunehmend stark das Gefühl, sehr „weit weg“ von der Gruppe zu sein, wenig Eingriffsmöglichkeiten in die Gruppenprozesse zu haben); einige Teilnehmende folgten der Einladung die Seite der Pinnwand zu wechseln (für Chaosgenerator) nur sehr langsam
    • CFT ging ins Plenum und lud zu diesem Wechsel ein
  • Wieder zwei Versuche, um gehört zu werden; sichtlich wurde ein in vielen Fällen gerade erst richtig anlaufender Prozess unterbrochen, manche blieben bei einem Plakat – ein Teilnehmender spricht CFT an, die Gruppe brauche mehr Zeit (Wolfgang Gruber und Sepp Weissenböck waren zu diesem Zeitpunkt wegen organisatorisch dringend angefallener Tätigkeiten nicht mehr im Raum um bei der Kleingruppenarbeit zu unterstützen)
  • Dann etwas leichter gehört zu werden um einzuladen, für CS eine Frage zu stelle
  • Für einige Teilnehmenden war das Thema inverted / flipped classroom eher / ganz neu; so wurden dann auch typische Grundlagenfragen gestellt wie: Was tun, wenn Lernende sich nicht vorbereiten
    • Aus drei Gruppen kam keine Frage
    • Die Fragen hatten letztlich sehr stark / fast ausschließlich mit inverted / flipped classroom und nur sehr bedingt mit Kompetenzorientierung zu tun
  • CFT stellte griff dann selbst das Thema „Zeit / Schnelligkeit auf“; CS brachte u. a. Vergleich zu Twitter – wenig Buchstaben um Inhalte am Punkt zu bringen / eine Teilnehmende wies auf das Thema Inklusion an bzw. wer es in einer Gruppe am ehesten schafft, sich zu Wort zu melden (Vermutung: Männer)
  • Abschied von CS und Schluss

Auf den Plakaten entstanden in Relation zu den knappen Zeiten vergleichsweise viele Inhalte / Ausgangspunkte.

Ich sprach dann einige Teilnehmende an und hörte u.a. (zusammengefasste Reaktionen):

  • Coole Aktion
  • Inspirierend
  • Gut gemacht
  • Das „Denken auf den Kopf gestellt“ finde ich gut / hilfreich
  • Da ist Einiges an Inhalten / Ideen entstanden
  • Sehr / zu komplexe Aufgabenstellung
  • Erklärungen nicht eindeutig genug
  • (viel) zuwenig Zeit
  • Zuviele „Dinge“ in einer Session
  • In den Kleingruppen kamen nur einige wenige / immer dieselben zu Wort
  • Zu wenig Zeit um GruppensprecherIn zu wählen sowie mit entsprechenden Auftrag auszustatten
    • Manche Sprecherinnen stellten Fragen, die so gar nicht in der Gruppe formuliert oder überhaupt thematisiert worden waren
  • Mir ging es zu schnell
  • Ich bin dann nicht mehr mitgekommen
  • Ich habe mich ausgeklinkt
  • Das Videobild von CS war zu dunkel / qualitativ nicht gut

Weiterentwicklungsmöglichkeiten für ähnliche / verwandte Umsetzungen (also sehr begrenzte Zeit) im Sinn von Design Based Research:

  • Verlängerung der gesamten Aktion um min. 10 Minuten (also min. 70 statt 60 Min.)
    • Gewonnene Zeit für in allen Interaktions-Schritten längere Zeiten
  • Wenn irgend / so stark als möglich: Umsetzung zu zweit vor Ort, in der immer wieder „gelebte“ Improprinzipien vorkommen
    • Wenn Zuschaltung von außen: Bilder vom Raumgeschehen für diese Person
    • Sicherstellen besseres Videobild
    • Bei Kleingruppenphasen ist jeweils eine der beiden Personen im Raum unterwegs
    • Der zweiten Person ist dies möglichst intensiv auch möglich (Handmikro / Presenter / Stoppuhr umgehängt)
  • Mehr Moderationskarten, die bereits am Platz liegen
  • Einleitender Hinweis, dass hier ungewöhnliche Methoden zum Einsatz kommen sowie kurze Erklärung des Prinzips der „Überforderung“ (im Sinn von: Nicht planen, nicht zögern, einfach tun)
  • Vor Assoziationsmethoden: Hinweis auf Improvisations“regeln“ (Es gibt keine „falsche“ Assoziation; Oft ist es die erste Idee, die stimmt; Sich gegenseitig unterstützen beim Tun)
  • Verkürzen des initialen inputs (Zeit wird für die Interaktionprozesse verwendet)
  • Dialogische Umsetzung / Anteile des initialen Inputs, wo ebenso Improaspekte kurz vorkommen / erlebar sind (auch wenn es digital ist)
  • Weniger Textmenge bei Beschreibung der Aufgaben verbal & auf Folie
    • Unterstützung durch Visualisierung (insbesonders „A“ & „B“; Ablauf Kollegiale Beratung)
  • Beschränkung des Kompetenzen-Suchens bei der kollegialen Beratung auf maximal drei
  • Bei knapp 80 Teilnehmenden 12 statt 10 Gruppen (kleinere Gruppen = steigende Wahrscheinlichkeit, dass mehr Personen zu Wort kommen)
  • zwei Personen, die im Raum sind, um Kleingruppenprozess zu unterstützen, die auch als solche benannt / sichtbar werden und bei den Pinnwänden warten; von Gruppe zu Gruppe gehen
  • Weglassen des Chaosgenerators
  • Beschränkung Ja, genau Phase auf eine gefundene Methode bzw. genereller formuliert: Was ist wichtig, damit der Einsatz der gefundenen Methoden / Ideen möglichst gut gelingt?
  • Ja, genau Phase: lieber an einem Steh-Tisch, wo alle rundherum stehen und zumindest potentiell gleichzeitig schreiben können
  • Für die Formulierung einer Frage an ReferentIn Themeneingrenzung ev. genauer beschreiben
  • Raum für Debriefing in einer passenden Form
  • Zusätzliche Impulse / Erkenntnisse zur Weiterentwicklungen in einem englischen Blogpost

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