#tdlfhstp19 – Incentives erhöhen Chance auf Partizipation

Stefan Oppl (Donau-Universität Krems) brachte sich am 8. Tag der Lehre mit einem Beitrag ein über die Wirkung von Incentives zur aktiven Partizipation in universitäten Lehrveranstaltungen ohne Anwesenheitspflicht. Auch ein sehr schöner und spannender Beitrag, wie sich das Inverted Classroom Modell einsetzen lässt und welch positive Auswirkungen auf mehreren Ebenen dies hat. Dazu zunächst ein Videointerview:

Universitäre Lehre ist oft noch von Lehrveranstaltungsformaten geprägt, in denen eine abschließende summative Prüfung die einzige Form der Leistungsfeststellung darstellt und in denen von einer Anwesenheits- und Partizipationspflicht abgesehen wird.
Dies fördert im Sinne der freien Gestaltbarkeit des Studiums zwar die Studierbarkeit vor allem für Studierende, denen deren sozio-ökonomische Rahmenbedingungen eine präsenzbasierte Teilnahme an Lehrveranstaltungen erschweren. Gleichzeitig ist eine regelmäßige, begleitete und strukturierte Auseinandersetzung mit den Lerninhalten aber dem Verständnis zuträglich, insbesondere wenn wenig oder kein Vorwissen vorhanden ist und die konzeptuellen Zusammenhänge erst erschlossen werden müssen (siehe z.B. (Hiebert & Grouws, 2007)).

Die aus unserer Unterrichtspraxis (siehe z.B. (Oppl, Milas & Waid, 2017)) abgeleitete Arbeitshypothese im vorliegenden Beitrag ist, dass sich der potentielle Mehrwert der aktiven Partizipation am angeleiteten Lernprozess vor allem für TeilnehmerInnen mit wenig oder keinem Vorwissen oft erst im Nachhinein erschließt. Dies führt potentiell dazu, dass diese Studierenden einem Lehrveranstaltungstermin fernbleiben, obwohl sie grundsätzlich die Möglichkeit zur Teilnahme hätten. In diesem Sinne kann es sinnvoll sein, die aktive Partizipation an präsenzbasierten, angeleiteten Lernprozess zu incentivieren, um durch derartige externe Stimuli zur Teilnahme zu motivieren (Abeysekera & Dawson, 2015). Ein derartiges Incentive kann die Vergabe von prüfungswirksamer Anerkennung (etwa in Form von Bonuspunkten) für die aktive Partizipation sein (Rassuli, 2012). Deren Wirkmechanismen sind jedoch durchaus ambivalent zu sehen (Deci, Koestner & Ryan, 2001) und bedürfen daher einer näheren Untersuchung.
Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, die Wirkung von prüfungswirksamen Incentives auf das Lernverhalten und die Lernergebnisse der Studierenden zu explorieren. Insbesondere wird untersucht, wie die Möglichkeit des Erwerbs von prüfungsrelevanten Bonuspunkten auf die aktive Partizipation der Studierenden am Präsenzunterricht wirkt und welche Zusammenhänge mit den Ergebnissen der abschließenden Prüfungen zu identifizieren sind. Zu diesem Zweck wurde eine Studie durchgeführt, in der die Wirkung von unterschiedlich stark gewichteten Incentives in der Praxis universitärer Lehre untersucht wurde. Dabei wurden die für die Leistungsfeststellung relevanten Daten zu Ausmaß und Qualität der aktiven Partizipation am Unterricht und zur Prüfungsleistung über mehrere Lehrveranstaltungen hinweg anonymisiert ausgewertet. Zusätzlich wurden auf freiwilliger Basis Daten zum sozioökonomischen Hintergrund der TeilnehmerInnen sowie zu deren aktuellen Studienrahmenbedingungen erhoben und mit den Daten zur aktiven Partizipation und zur Prüfungsleistung in Beziehung gesetzt, um mögliche Wirkungsunterschiede in verschiedenen Studierendengruppen zu identifizieren.
Der Beitrag gibt einen Überblick zu den gefundenen Zusammenhängen und geht zusätzlich auf ausgewählte Ergebnisse ein, die die potentiellen positiven und negativen Effekte dieser Form der Incentivierung für unterschiedliche Gruppen von Studierenden illustrieren. Er schließt mit der Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Konzeption von ähnlichen Incentive-Systemen und identifiziert dabei die Potentiale und Risiken, die bei der Gestaltung derartiger Interventionen zu beachten sind.

Abeysekera, L. & Dawson, P. (2015). Motivation and cognitive load in the flipped classroom:
definition, rationale and a call for research. Higher Education Research & Development, 34 (1),
1–14. Taylor & Francis.
Deci, E.L., Koestner, R. & Ryan, R.M. (2001). Extrinsic rewards and intrinsic motivation in education:
Reconsidered once again. Review of educational research, 71 (1), 1–27. Sage Publications
Sage CA: Thousand Oaks, CA.
Hiebert, J. & Grouws, D.A. (2007). The effects of classroom mathematics teaching on students’
learning. Second handbook of research on mathematics teaching and learning, 1, 371–404.
Oppl, S., Milas, A. & Waid, M. (2017). Vielfältiges Lernen in universitären Großlehrveranstaltungen.
Gehalten auf der Momentum Kongress 2017. doi:10.5281/zenodo.1257085
Rassuli, A. (2012). Engagement in classroom learning: Creating temporal participation incentives for extrinsically motivated students through bonus credits. Journal of Education for Business, 87
(2), 86–93. Taylor & Francis.

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Author: Redaktion

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