Innovative Lehre sichtbar machen #10: SKILL-Quiz kombiniert mit Offline-Test

Im Rahmen der Initiative „Innovative Lehre sichtbar machen werden im SKILL-Blog laufend Good Practice Beispiele aus allen Departments der FH St. Pölten präsentiert.

In diesem Beitrag beschreibt Christian Reininger wie er in seiner Lehrveranstaltung „Sucht und Sozialpsychiatrische Interventionen“ im berufsbegleitenden Bachelorstudium Soziale Arbeit das „SKILL-Quiz“ kombiniert mit einem Multiple-Choice-Offline-Test einsetzt.

Die Challenge

Im Studium Soziale Arbeit und in der späteren Berufstätigkeit haben kommunikative und (selbst-)reflexive Fähigkeiten der in diesem Arbeitsfeld Tätigen ein besonderes Gewicht. Zur Weiterentwicklung dieser zentralen Fertigkeiten sind erfahrungsorientierte Übungen und Trainings mit unmittelbaren Feedbackschleifen die Mittel der Wahl. Wichtig ist allerdings ebenso die inhaltliche Auseinandersetzung mit bereits entwickelten Theorien und mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen sowie die Kenntnis vorhandener Wissensbestände des Feldes. Auf diesen Grundlagen können verschiedene Perspektiven eingenommen werden sowie eigenständige Lösungen für den Einzelfall abgeleitet und entwickelt werden.

Einsatz von „SKILL-Quiz“

Durch die Implementierung des „SKILL-Quiz“ in diese Lehrveranstaltung wird die intensive Auseinandersetzung mit zentralen Wissensinhalten stärker in die Verantwortung der Studierenden im Rahmen des Selbststudiums gelegt. Das Spiel selbst erhöht bei den nach dem Karteikastenprinzip generierten Fragen die Wiederholungsrate der Inhalte und steigert die Motivation durch unmittelbar sichtbare Lernerfolge. Es können beispielsweise gesetzliche Grundlagen, methodische Einwände an wissenschaftlichen Studiendesigns, Prognosen, begriffliche Definitionen, Grundideen wichtiger theoretischer Ansätze und vieles mehr erfragt werden. Das SKILL-Quiz muss sich also keineswegs mit dem Abfragen von Fakten begnügen.

Screenshot SKILL-Quiz login

 Da sowohl das Selbststudium als auch das SKILL-Quiz außerhalb der Präsenzzeit stattfinden, wird Zeit für alternative Lernformen in den Präsenzblöcken gewonnen. Die wiederholten Feedbackschleifen ermöglichen sowohl den Studierenden als auch dem/der LehrveranstaltungsleiterIn den Lernfortschritt noch während des Semesters (und nicht erst zum Ende) zu überprüfen. Es wird dadurch beiden Seiten schon sehr frühzeitig deutlich, welche Inhalte noch einer weiteren oder intensiveren Auseinandersetzung bedürfen.

Nachdem das SKILL-Quiz online läuft, können es Studierende über Laptop oder Smartphone an beliebigen Orten und immer dann spielen, wenn sie gerade Zeit und Lust dazu haben. Dies ist insbesondere bei berufsbegleitenden Lehrgängen von Vorteil. JedeR Studierende kann beliebig viele solcher „Duelle“ parallel führen. Das Spiel begleitet daher für die Dauer der Spielzeit durch den Alltag. So kann man sich – durch das Spiel angeregt – stets nur für wenige Minuten und mit kleinen Häppchen, dafür aber wiederholt mit den Lehrinhalten auseinandersetzen. Auf der Bedienungsoberfläche gibt es auch persönliche Auswertungen und Statistiken aller eigenen, bereits abgeschlossenen Duelle, sowie die aktuellen Bestwerte im Kurs zu sehen. Dies löst bei so manchen Studierenden einen speziellen Ehrgeiz aus, die eigenen Werte laufend zu verbessern.

Die konkrete Umsetzung

In der Lehrveranstaltung läuft der konkrete Einsatz wie folgt ab: Nach einem optionalen Trainingsdurchlauf, bei dem die Studierenden das Spiel kennenlernen und testen können, startet das eigentliche SKILL-Quiz. Es werden ein mindestens zu erreichender Prozentwert (Anteil der richtig beantworteten Fragen) von 75% und die Anzahl der mindestens zu spielenden Duelle vorgegeben. Alternativ könnte beispielsweise auch eine zu erreichende Mindestpunkteanzahl gefordert werden. Abgestuft können Studierende bis zu 10 Punkte erreichen, die zur späteren Gesamtnote beitragen. Für die Bewertung wird die Höhe des Prozentwertes (oder alternativ: die der erreichten Punkte) am Ende des Spieles herangezogen.

Als LehrveranstaltungsleiterIn hat man laufend einen Überblick darüber, wie intensiv das Spiel gespielt wird oder wie sich die Prozentwerte entwickeln. Auch haben die Studierenden die Möglichkeit direkt im SKILL-Quiz Feedback zu einzelnen Fragen abzugeben, was zur Weiterentwicklung der Fragen selbst beiträgt, aber auch als Feedback zur Verständlichkeit der Lehrinhalte gesehen werden kann.

In der Lehrveranstaltung spielen die Studierenden das SKILL-Quiz an zwei voneinander abgegrenzten Spielzeiten. Die Grundlage der ersten Spielzeit bilden Fragen zum ersten Teil des Skriptums, das noch vor dem ersten Präsenzblock zu lesen ist. Dadurch kann von einem relativ ähnlichen Grundstock bei allen Studierenden ausgegangen werden, auf dem in weiterer Folge aufgebaut wird. Auch zeigt sich, welche Inhalte möglicherweise unklar geblieben sind oder einer Vertiefung bedürfen. Nach zwei intensiven Präsenzblöcken mit Vorlesungen und Übungen, sowie eines Textstudiums auf der Internetplattform kommt bei der zweiten Spielzeit eine weitere Themenkategorie mit völlig neuen Fragen zusätzlich dazu, die sich auf die eben erarbeiteten Inhalte beziehen. So baut sich der Umfang der Lerninhalte kontinuierlich auf.

Screenshot SKILL-Quiz: Fragebeispiel

Das SKILL-Quiz dient der spielerischen Wiederholung der Lerninhalte, der laufenden Evaluierung des Lernfortschrittes und gleichzeitig auch als Prüfungsvorbereitung für die schriftliche Klausur am Ende des Semesters. Die im Laufe des Semesters im gestellten Fragen werden nach einem Karteikastenprinzip aus dem gesamten Pool der Fragen zur betreffenden Lehrveranstaltung (ca. 150 Fragen) gewählt, wobei falsch beantwortete häufiger wiederholt werden. Je mehr man gespielt hat, desto besser ist man somit auch für die Prüfung vorbereitet. Dieser Umstand erhöht die Motivation auch bei jenen grundsätzlich sehr wenigen Studierenden, für die die Inhalte der Lehrveranstaltung an sich nicht ausreichend motivierend sind, um sich eingehender mit der Materie zu beschäftigen.

Der Offline-Test

Nach den beiden Spielzeiten wird dann in einem sogenannten Offline-Test eine Reihe von Fragen aus dem vorhandenen Fragenpool ausgewählt und diese bilden dann die Grundlage des nachfolgenden Multiple Choice Tests. Dabei werden im eCampus Fragebögen erstellt, ausgedruckt, von den Studierenden ausgefüllt, danach eingescannt und vom eCampus automatisiert ausgewertet.

Dieser Test trägt zu 40% zur Note bei und das laufende Quizspiel zu 20%. Die restlichen 40% beziehen sich auf die Ergebnisse der Gruppenarbeiten in den Übungen. Gerade die Verbindung von Offline-Test und vorbereitendendem SKILL-Quiz kann die Stärken beider Tools in vorbildlicher Weise nutzen. Das SKILL-Quiz wurde entwickelt, um umfangreiche Fragensammlungen in spielerischer Art und Weise zu lernen und darauf baut auch das Assessment am Ende der LV auf. Dieses ist also keine klassische summative Prüfung mehr, sondern ein formatives Prüfungssetting, welches altbekannte Mittel wie ein Multiple-Choice-Setting in einem neuen Kontext erfolgreich einsetzt.

Fazit

Mit Hilfe des SKILL-Quiz, natürlich stets in Kombination mit weiteren Methoden wie Theorieinputs, Fallsimulationen, Literaturstudium, Gruppenarbeiten, Gesprächen mit Betroffenen, Reflexion eigener Erfahrungen, etc., sollte gewährleistet sein, dass sich am Ende des Semesters wirklich jedeR Studierende mit den zentralen Inhalten der Lehrveranstaltung wiederholt beschäftigt hat.

Entscheidend für den möglichst reibungsarmen Ablauf ist der technische Support, der durch die Entwickler des SKILL-Quiz und durch das SKILL-Team der FH St. Pölten gegeben ist. Ein besonderer Dank gebührt an dieser Stelle Wolfgang Gruber, der an der Konzeptualisierung und der Implementierung dieses Tools in diese Lehrveranstaltung entscheidend beteiligt war und natürlich auch den Entwicklern des Tools Friedrich Pawelka und Thomas Wollmann in Deutschland.

In den kommenden Wochen werden weitere inspirierende Lehrprojekte aus allen Departments der FH auf Teamwork und auf dem SKILL-Blog präsentiert.

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Author: Josef Weißenböck

Leiter des Kompetenzzentrums für Hochschuldidaktik "SKILL" an der FH St. Pölten seit 2008. Aufbau des hochschuldidaktischen Fortbildungs- u. Beratungsangebotes, Entwicklung des Lehrgangs zum “Zertifikat hochschuldidaktische Kompetenz” und der Vernetzungsveranstaltung “Tag der Lehre”. Inhaltliche Schwerpunkte: Didaktisches Design, Student Centered Learning, Blended Learning, aktivierende Lehrmethoden und Peer Learning als Strategie didaktischer Kompetenzentwicklung.

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