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Mündliche Online-Prüfung – ein Erfahrungsbericht

Daniela Wewerka-Kreimel (Dozentin im BA Diätologie) berichtet von ihren (durchaus positiven) ersten Erfahrungen mit mündlichen Prüfungen im Online-Modus (in MS Teams). Ihr Fazit vorneweg:

Es prüfe sich und seine Methoden, wer prüfen will … speziell dann, wenn aufgrund besonderer Umstände plötzlich eine Online-Prüfung abgehalten werden muss. Das gute Planen und Vorbereiten kann daher zu einer Challenge werden, aber es zahlt sich aus!

Die mündliche Online-Prüfung via MS Teams am 2. und 3. April war sowohl für mich als auch für die Studierenden eine Premiere. Als langjährige Dozentin am Studiengang Diätologie sind mündliche Prüfungen für mich nichts Außergewöhnliches. Aufregend war es trotzdem für uns alle (die Studierenden und mich), aber es hat besser funktioniert als gedacht. Daher möchte ich meine sehr positiven Erfahrungen mit euch teilen!

Planung und Vorbereitung

Als bekannt wurde, dass vor Ostern keine Präsenzlehre oder -prüfungen mehr abgehalten werden können, war mein erster Schritt die Studierenden darüber zu informieren, dass der Prüfungstermin aufrecht bleibt. Mir war bewusst, dass mit Verschiebungen von Lehre und Prüfungen nach hinten die ganze Sache nur noch komplizierter würde.

Lange habe ich hin- und herüberlegt, wie ich das mit der Prüfung bewerkstelligen könnte: Ob eine schriftliche Arbeit die Prüfung ersetzen kann, oder ob mündlich online geprüft wird oder sogar schriftlich online? Nachdem ich die Vor- und Nachteile der Online-Durchführung, der Überprüfung von Lernergebnissen und der Workload für Studierende und mich abgewogen hatte, war klar: Es wird mündlich online geprüft!

Als Online-Tool habe ich mich für MS-Teams entschieden, da die Studierenden und ich in der Fernlehre damit bereits Erfahrung gemacht hatten und es mir alle Möglichkeiten bieten würde, die ich für die Prüfung brauchen würde.

Die nächste Überlegung war der Zeitfaktor: Wie viel Zeit brauche ich pro Student*in, wie viel Zeit brauche ich als Puffer/Wechsel der Prüfungsgruppen und wie viele Stunden halte ich am PC sitzend und prüfend durch, ohne dass die Qualität des Prüfungsgespräches, meine Konzentration und damit die Fairness darunter leiden? Die erste Berechnung ergab rund neun Stunden. Somit stand für mich fest, dass ich die Online-Prüfung auf zwei Tage aufteilen würde, die Morgenstunden und den Vormittag nutzend, weil hier erfahrungsgemäß die Internetverbindung besser ist, und dass ich die Zeit für „Puffer/Gruppenwechsel“ verkürzen würde.

Mein Zeitplan hat für Tag 1 dann wie in u.a. Tabelle ausgesehen:

Das OK der Studiengangsleitung hatte ich bereits und vom Stundenplan her war die Zeiteinteilung ebenfalls möglich. Der nächste Schritt war die Studierenden über die geänderte Prüfungsmodalität und den Zeitplan zu informieren.

Die Prüfung wurde in 3er bzw. 4er-Gruppen abgehalten und die Studierenden konnten sich selbst den Gruppen zuteilen. Nach ½ Stunde hatte ich deren Einteilung! Jede/r Studierende erhielt danach von mir eine Besprechungseinladung via MS Teams für die betreffende Gruppe und sie mussten diese annehmen.

Warum 3er bzw. 4er-Gruppen? Weil die Studierenden damit

  • nicht mit mir „alleine“ bei der Prüfung waren,
  • Zeugen hatten,
  • aus den Prüfungsgesprächen der anderen noch etwas lernen konnten und
  • wenn jemand in einer Gruppe eine Antwort nicht wusste, ein/e andere/r sie geben konnten um damit „Zusatzpunkte“ zu erhalten.

Der letzte Schritt in der Vorbereitung waren die Prüfungsfragen. Ich hatte mir dafür 45 Prüfungskärtchen samt Antworten ausgearbeitet, um die Objektivität zu erhöhen. Die Prüfungskärtchen hatte ich nach LV-Inhalten in die drei Bereiche „Chirurgie“, „Ernährungstherapie – umfangreiche Fragen“ und „Ernährungstherapie – kurze Fragen“ gegliedert.

Der Prüfungstag: Durchführung der ersten mündlichen Online-Prüfung

MS Teams war gestartet, Headset aufgesetzt, Prüfungsprotokoll und Prüfungskärtchen lagen bereit, Kaffee und ein Glas Wasser zum Durchhalten waren griffbereit. Es konnte losgehen!

Die/Der zu prüfende Studierende musste Kamera und Mikrofon eingeschaltet haben, mit mir „Blickkontakt“ halten und ihren/seinen Bildschirm mit mir teilen. So konnte ich sehen, was am PC offen war. Jede/r Studierenden hatte drei Fragen zu beantworten. Diese wurden aus den drei Bereichen „gezogen“, d.h. sie mussten jeweils eine Zahl zwischen 1 und 15 nennen. Vorbereitungszeit gab es keine und alle Fragen mussten spontan beantwortet werden.

Die anderen Studierenden der Gruppe waren beim Prüfungsgespräch stille Zuhörer und Seher (Zeugen) und wurden ab und zu von mir eingeladen einen Tipp zu geben, wenn ihr/e Jahrgangskolleg*in nicht weiterwusste.

Nach jeder Gruppe wurden die Fragenkärtchen neu durchmischt (wie bei einem Kartenspiel), sodass z.B. die Zahl 1 beim nächsten Durchgang eine ganz andere Frage war als beim vorhergehenden.

Es gab auch mein Angebot an Kolleg*innen als stille Zuhörer*innen anwesend zu sein. Die Studierenden waren darüber informiert. Ein FH-Lektor aus einem meiner anderen Module hatte das Angebot angenommen. Er wurde zur gewünschten Zeit ebenfalls über MS Teams zur „Besprechung“ eingeladen. Resultat: Durchwegs positiv! Auch er wird seine Prüfung (die ohnehin mündlich gewesen wäre) demnächst online durchführen.

Mein Resumée

  • MS Teams ist ein gutes Tool für diese Art von Prüfung und unkompliziert zu handhaben.
  • Technische Probleme gab es keine. Nur einmal war die Tonqualität mäßig und eine Studentin hat etwas länger gebraucht um ihre Kamera zu starten.
  • Die penible Planung und Vorbereitung haben sich bezahlt gemacht.
  • Eine gute Kommunikation über Art und Ablauf der Prüfung ist Voraussetzung.
  • Die Zeit für Vorbereitung und das Abnehmen der Online-Prüfung haben zusammengerechnet nicht wesentlich länger gedauert als das Vorbereiten, Abnehmen und Korrigieren von schriftlichen Arbeiten.
  • Es musste (leider) die gesamte Notenskala von 1 – 5 ausgeschöpft werden.
  • Der Notendurchschnitt entspricht jenen aus den vergangenen Jahren in dieser Lehrveranstaltung.
  • Positiv – im Vergleich zu einer schriftlichen Prüfung – sehe ich, dass die Studierenden verbalisieren mussten, denn auch die Bachelorprüfung findet mündlich statt. Und, sich verbal ausdrücken zu können, etwas in Worte zu fassen, ist gerade für den Beruf einer Diätologin/eines Diätologen immens wichtig.

Die Rückmeldungen der Studierenden direkt nach jeder Prüfungsgruppe waren wirklich positiv. Das Feedback des Jahrgangs (von der Studierendenvertreterin an mich gesendet) lautet:

„Ihre Prüfung war für alle Studierende eine sehr gute Lösung angesichts der aktuellen Situation. Einigen Studierenden fehlte zwar die Vorbereitungszeit (Anm.: spontan antworten), aber es ist auch eine gute Übung für das spätere Berufsleben. Es wurde fair benotet und die 3er-/ 4er- Gruppen waren eine gute Anzahl für die Meetings.“