SKILL

Service- und Kompetenzzentrum für
Innovatives Lehren und Lernen

Tag der Lehre 2020: Distance Learning in der Physiotherapie

Kerstin Lampel und Barbara Wondrasch bringen sich beim 9. Tag der Lehre mit einem Beitrag zu Herausforderungen und Limitationen des Distance Learnings am Beispiel des Bachelor Studiengangs Physiotherapie der FH St. Pölten ein.

Dazu zunächst dieses Videogepräch

 

Das Bachelorstudium Physiotherapie an der FH St. Pölten gilt als eine patient*innenzentrierte, praxisnahe und international wettbewerbsfähige Ausbildung für Expert*innen für Bewegung und Aktivität des Menschen. Die Studierenden erleben durch eine offene Lern- und Innovationskultur und eine interprofessionelle Zusammenarbeit in Lehre und Forschung wie sie Patient*innen beim Erlangen und Erhalten der Bewegungsfähigkeit unterstützen können. Durch Exkursionen, Fallstudien und praktische Demonstrationen im Unterricht erfolgt ein rascher Transfer des theoretischen Wissens in die sichere und routinierte Anwendung. So ist gewährleistet, dass umfangreiche physiotherapeutische Fertigkeiten erworben und vielfältige Kompetenzen auf höchstem Niveau erreicht werden können. Diese Vielfalt an Kompetenzen entspricht auch dem vom Berufsverband der Physiotherapeut*innen in Österreich veröffentlichten Kompetenzprofil „Die Physiotherapeutin/Der Physiotherapeut“ mit unterschiedlichen Rollenzuteilungen (https://www.physioaustria.at/system/files/general/phy_kompetenzprofil_deutsch_fin_072017.pdf).

Insbesondere die fachlich-methodischen als auch die sozial-kommunikativen Kompetenzen stellen die Grundlage aller Rollenbilder dar. Die Inhalte der fachlich-methodischen Kompetenz sind anwendungsorientierte Behandlungstechniken sowie zielgruppenspezifisches und physiotherapeutisches Behandlungsmanagement. Der Kompetenzerwerb der sozial-kommunikativen Fähigkeiten wird über die Förderung der Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit sowie des Einfühlungsvermögens und der Rollendistanz gewährleistet. Der Ausbruch der COVID-19 Pandemie im Frühjahr 2020 hat zu einem abrupten Umstieg von einem Präsenzlehrbetrieb zu einem Fernlehrbetrieb geführt, wodurch die Methoden dieser Kompetenzvermittlung innerhalb weniger Tage entsprechend adaptiert werden mussten. Aufgrund der vorhandenen technischen Ressourcen und der Methodenvielfalt von Dozent*innen und Lektor*innen konnte der Lehrbetrieb in Form von Onlinelehre und Homelearning aufrecht erhalten bleiben. Obwohl die zur Onlinelehre notwendige Digitalisierung und deren fundierte Anwendung bereits ein zentraler Bestandteil des Studienplans ist, bestehen in Bezug auf die Kompetenzvermittlung in einem sehr handlungsorientierten und praxisnahen Studium Limitationen. Passive Behandlungstechniken mit dem Schwerpunkt taktile Fertigkeiten zu erlernen, supervidiert anzuwenden und zu spüren sowie die Beobachtungsfähigkeiten von physiologischen Bewegungen und den entsprechenden pathologischen Abweichungen können mittels Lehre über digitale Kommunikationstools oder angeleitetem Selbststudium nur sehr eingeschränkt oder gar nicht vermittelt werden.

Aus der Perspektive der Studierenden fehlt im Fernlehrbetrieb neben der nicht vorhandenen Sachausstattung im persönlichen Wohnbereich vor allem der Austausch mit den Studienkolleg*innen und die gegenseitige Unterstützung beim Erarbeiten von Übungs- und Lernstrategien. Zusätzlich führt der Mangel an Kontaktstunden, an Supervision und an Präsenzprüfungen zu einer zunehmenden Verunsicherung bei den Studierenden hinsichtlich der Umsetzung der erworbenen Qualifikationen im Praxisfeld.  Diese Präsentation gibt anhand der Darstellung der Curriculumsänderung, Beispielsvideos für den praktischen Online-Unterricht, Erfahrungen von Vortragenden mit Fernlehre und schriftlichen Online-Prüfungen sowie Stimmen der Studierenden einen Einblick  in das digitale Lernen in einem sehr praxisorientiertem Studium.