SKILL

Service- und Kompetenzzentrum für
Innovatives Lehren und Lernen

Tag der Lehre 2020: Zimmer, Küche, Kabinett – hinter mir steht eine Kamera

Sarah Aldrian, Zentrum für Hochschuldidaktik der FH CAMPUS 02 thematisiert beim Tag der Lehre 2020, wie Studierende im Rahmen von Videokonferenzen zum Mitarbeiten aktiviert und fachliche Dialoge gefördert werden können. Zudem stellt sich dabei die Frage nach dem Partizipationsgrad in synchronen Online-Lehrveranstaltungen bzw. mit welchen Tools dieser erhöht werden kann. Die Ausführungen in diesem Beitrag beziehen sich in erster Linie auf Hochschullehre, die mittels Videokonferenzsystemen umgesetzt werden.

Siehe dazu zunächst dieses Videointerview:

Ausgehend von verschiedenen theoretischen E-Learning-Ansätzen werden in diesem Beitrag die Ergebnisse einer an der FH CAMPUS 02 durchgeführten qualitativen Studie zum Thema „Videokonferenzen als Lehr- und Lernwelt – subjektive Einblicke in interaktives Videoconferencing aus der Sicht von Studierenden und Lehrenden“ vorgestellt und diskutiert. In dieser Studie wurde der Frage nachgegangen, wie Studierende und Lehrende der FH CAMPUS 02 die Online-Lehre via Videokonferenzsystem erlebt und gestaltet, und inwiefern diese Erfahrungen das Lernen und Lehren der beteiligten Personen verändert bzw. geprägt haben. Dabei stehen zum einen das Erleben der Lernwelt Videokonferenz und zum anderen die Erfahrungen der Lehrenden in dieser – für viele neuen – Lehrwelt der Videokonferenzsysteme im Fokus.

Der Begriff Videokonferenzen ist nicht mehr länger nur an die dahintersteckenden Technologien gebunden, sondern vereint auch die vielfältigen Methoden des Lehrens und Lernens. Zudem kann Kommunikation zwischen wenigen Personen in informellen Kontexten, in formalen Meetings und in Vorlesungen mit einem großen Publikum stattfinden und organisiert werden. (Coventry o.J., S. 5) Videokonferenzen, die in der Hochschullehre zum Einsatz kommen, werden mit digitalen Konferenzwerkzeugen eingerichtet. Damit können Lehr- und Lernszenarien, die auf synchroner Kommunikation basieren, realisiert werden. Videokonferenzen ersetzen keine traditionellen Lehrveranstaltungsformate wie Vorlesungen, sondern sind vor allem als zusätzliches Element in Lehrarrangements sinnvoll, in denen sich Lernende aktiv beteiligen sollen. (Kerres 2018, S. 16f.) Ist eine aktive Beteiligung von Studierenden nicht notwendig, sind beispielsweise Lehrvideos vorzuziehen. Ein Vorteil von Videokonferenzen in der Lehre ist, dass Studierende und Lehrende, obwohl räumlich voneinander getrennt, zeitgleich an einer Veranstaltung teilnehmen können. (Kerres 2018, S. 17) In den letzten Monaten, während der Corona-Krise, erhielten Videokonferenzen diesbezüglich eine neue Bedeutung: Tatsächlich haben diese traditionelle Lehrveranstaltungsformate teilweise zu 100 Prozent ersetzen müssen. Viele Lehrende stellten sich daher der Herausforderung, tauchten in diese neuen Lehrwelten ein und machten sich diesen genannten Vorteil von Videokonferenzsystemen zu Nutzen.

Videokonferenzen bieten eine Reihe an Möglichkeiten, um das Potential eines Dialogs im Rahmen von individuellen und kollektiven Lernumgebungen zu nützen und zu erhöhen. Videokonferenzen können verschiedene Unterrichtsszenarien unterstützen und damit unterschiedliche Arten von Kursunterlagen bereitstellen. Neben didaktischen und methodischen Kenntnissen der Lehrenden spielen auch die technischen Voraussetzungen der Videokonferenzsysteme eine zentrale Rolle, wenn es um die Förderung von Partizipation und aktiver Kommunikation geht. Beispielsweise bieten die Videokonferenzsysteme Zoom und MS Teams unterschiedliche Möglichkeiten an, Gruppenarbeiten während einer Online-Lehrveranstaltung umzusetzen. In MS Teams stehen zudem verschiedene Möglichkeiten des kollaborativen Arbeitens zur Verfügung, zudem können unzählige E-Learning-Tools (Voice Thread, Miro, Padlet, MS Office Programme, Forms, H5P, etc.) in MS Teams integriert und für die Aktivierung in den Lehrveranstaltungen genutzt werden.

Die Ergebnisse der durchgeführten Studie „Videokonferenzen als Lehr- und Lernwelt – subjektive Einblicke in interaktives Videoconferencing aus der Sicht von Studierenden und Lehrenden“ beziehen sich in erster Linie auf die unterschiedlichen Erfahrungen, die Studierende und Lehrende in diesen gemeinsamen Lernräumen Videokonferenzen machen. Dabei spielen natürlich die

verschiedenen Hintergründe und Erwartungen der Studierenden und Lehrenden an die Lehre eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese Unterschiede vor allem auch im Distance-Learning, sowohl für Studierende, als auch für Lehrende, eine große Herausforderung darstellen. Studierende und Lehrende haben diesbezüglich unterschiedliche Praktiken entwickelt, mit dieser neuen Lehr- und Lernsituation umzugehen. Der Titel dieses Beitrages, Zimmer, Küche, Kabinett – hinter mir steht eine Kamera bezieht sich daher zum einen auf die spielerischen Umsetzungen didaktischer Konzepte von Lehrenden in der synchronen Online-Lehre via Videokonferensystem und zum anderen auf die Praktiken, welche Studierende entwickelt haben diese Art der Online-Lehre in ihren Lebensalltag zu integrieren.

Kerres, Michael (2019): Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung digitaler Lernangebote. 5. Auflage. Walter de Gruyter GmbH: Berlin.

 

Sarah Aldrian ist Mitarbeiterin am Zentrum für Hochschuldidaktik der FH CAMPUS 02 und als Universitätsassistentin an der KF-Universität Graz am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft tätig. Sie leitet seit fünf Jahren Lehrveranstaltungen in den Bereichen empirische Forschungsmethoden, Statistik und wissenschaftliches Arbeiten an verschiedenen Fachhochschulen und der Universität Graz.